Handball Klatsche für den HSC 2000

Lange Gesichter beim HSC 2000: Rückraumspieler Christoph Neuhold (links) und Trainer Alois Mraz. Foto: ibi/Foto: Iris Bilek

Die Coburger Handballer gehen unter bei den Rhein Neckar Löwen. Sie ziehen beim favorisierten Dritten der Handball-Bundesliga mit 24:39 (8:19) den Kürzeren.

Mannheim/Coburg - Der HSC 2000 Coburg hat am Sonntag in der 1. Handball-Bundesliga eine böse Klatsche kassiert. Das Team von Alois Mraz verlor bei den favorisierten Rhein Neckar Löwen mit 24:39 (9:18). Die klare Niederlage war aufgrund des über weite Strecken enttäuschenden und mutlosen Auftrittes verdient. Die konzentriert spielenden Gastgeber erwiesen sich gnädig und verzichteten in den Schlusssekunden sogar darauf, die 40 Tore voll zu machen.

Nach der herben 23:32-Klatsche in Kiel unter der Woche war Feuer unterm Dach gewesen bei den Rhein Neckar Löwen. Wiedergutmachung war angesagt beim Tabellendritten, der im bisherigen Saisonverlauf große Leistungsschwankungen zu verzeichnen hatte. Jannik Kohlbacher sagte vor der Partie im Sky-Interview, dass sein Team klar favorisiert sei gegen die Coburger, die ihre Punkte woanders holen müssten. „Bei uns nicht“, stellte der Nationalspieler klar. So stellte sich in der Begegnung in der SAP-Arena für beide Teams die Charakterfrage. Die Löwen wollten sich rehabilitieren für das Debakel vom Mittwoch, die Gäste aus Oberfranken peilten im letzten Spiel des Jahres vor der WM-Pause zumindest ein anständiges Ergebnis an.

Der HSC hatte eigentlich nichts zu verlieren, zeigte aber in der Anfangsphase viel zu viel Respekt. Die Löwen standen kompakt in der Abwehr und hatten wenig Probleme mit den zaghaft agierenden Coburgern. Die Mannschaft von Trainer Martin Schwalb zog bis zur 10. Minute auf 5:1 davon. HSC-Coach Alois Mraz nahm eine Auszeit. Florian Billek forderte seine Mitspieler auf, doch endlich den Respekt abzulegen. Doch auch in der Folge bissen sich die Gäste die Zähne aus an der starken Löwen-Defensive und an Torhüter Andreas Palicka, der wenig Mühe hatte mit den teils halbherzigen Würfen des HSC.

8:3 stand es nach 13 Minuten für die Rhein Neckar Löwen, die mit ihren zahlreichen Nationalspielern klar den Ton angaben. Die Coburger spielten in der Folge zwar mutiger, fanden Lösungen und kamen zu Treffern. Allerdings hatten sie in der Abwehr ihre liebe Not mit den schnell, aber geduldig kombinierenden Hausherren, die vier Minuten vor der Halbzeit beim 16:6 erstmals mit zehn Toren vorne lagen. Mraz nahm die zweite Auszeit, versuchte auf sein Team einzuwirken.

Der HSC wies aber weiterhin Defizite bei der Chancenverwertung auf, die schwachen Abschlüsse stellten Palicka vor keine allzu großen Probleme. Kurz vor der Pause gab es zu allem Überfluss noch eine doppelte Zeitstrafe für Coburg gegen Billek und Kurch nach einem Wechselfehler. Die Löwen nutzten das und führten zur Pause mit 19:8. Das Schwalb-Team war bis dahin seiner Favoritenrolle gerecht geworden, der HSC enttäuschte über weite Strecken und war hoffnungslos unterlegen in allen Bereichen.

Nachdem die Begegnung entschieden war, ging es nur noch um die Frage, wie sich der HSC 2000 in den zweiten 30 Minuten präsentieren würde. Ins Schicksal ergeben oder Moral zeigen und das Resultat in Grenzen halten? RNL-Trainer Schwalb brachte nach der Halbzeit frische Kräfte. Der HSC kam durchaus motiviert aus der Kabine und erzielte zwei schnelle Tore. In der Folge entwickelte sich ein mitunter wilder Schlagabtausch, in dem die Gastgeber das Heft aber in der Hand behielten und die Coburger nicht herankommen ließen. Es war ein Klassenunterschied erkennbar. Die Rhein Neckar Löwen ließen den teils zerfahren spielenden Vestestädtern nicht den Hauch einer Chance auf eine Resultatsverbesserung. So steuerten die Mannheimer einem klaren Sieg entgegen gegen eine völlig überforderte Mannschaft aus Coburg. Einzig der achtfache Torschütze Florian Billek bewies an diesem Tag Erstliga-Reife. Über 26:13 (40.) und 33:18 (50.) hieß es am Ende 39:24 für die Löwen – eine ganz bittere Pille für den HSC zum Jahresabschluss.

Coburgs Christoph Neuhold, der im Januar mit Österreich an der WM teilnimmt, zeigte sich im Interview bei Sky selbstkritisch. „Das Ergebnis war viel zu deutlich. Wir hatten in der ersten Halbzeit überhaupt keinen Zugriff und viel zu viele Tore kassiert. Uns hat von Anfang an der Mut gefehlt, wir hatten wenig Zug zum Tor. Wir hätten mutiger sein müssen.“

Der Rückraumspieler des HSC kündigte aber an, dass sein Team im nächsten Jahr nochmals richtig angreifen werde. „Das Ziel Klassenerhalt ist noch erreichbar“, sagte Neuhold.

Rhein Neckar Löwen: Andreas Palicka (1), David Späth, Nikolas Katsigiannis – Andy Schmid (1), Uwe Gensheimer (7/1), Niclas Kirkelokke (2), Mait Patrail (4), Jerry Tollbring (1), Philipp Ahouansou (1), Ilija Abutovic, Patrick Groetzki (5), Alexander Petersson (5), Ymir Öm Gislason (2), Jesper Nielsen (1), Lukas Nilsson (5), Jannik Kohlbacher (3). – Trainer: Martin Schwalb.

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Konstantin Poltrum (1), Fabian Apfel – Pouya Norouzinezhad, Felix Sproß (2), Dominic Kelm, Drasko Nenadic (1), Florian Billek (8/2), Pontus Zetterman (1), Tobias Varvne (3), Felix Dettenthaler, Justin Kurch (1), Stepan Zeman (3), Milos Grozdanic (2), Christoph Neuhold (2). – Trainer: Alois Mraz.

SR: David Hannes/Christian Hannes (Frankfurt/Aachen).

Zeitstrafen: 3 / 4.

Spielfilm: 3:1 (6.), 5:1 (10.), Auszeit HSC, 6:2 (12.), 9:4 (17.), 11:6 (20.), 16:6 (26.), Auszeit HSC, 19:8 (Halbzeit), 24:13 (38.), 27:14 (42.), 33:18 (50.), 39:24 (Ende).

 
 

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