Handball-Landesliga HSG beißt sich am Bollwerk die Zähne aus

Karl Heinz Rucker
Allen Grund zum Freudentanz hatten die Spieler der SG Münchberg/Helmbrechts, mittendrin der überragende Torhüter Lukas Hurt. Foto: /Katharina Hübner

Die SG Münchberg/Helmbrechts stellt beim 25:19 in der Partie der Handball- Landesliga eine überragende Mauer. Hinter der hält Lukas Hurt auch die schwierigsten Bälle und bringt die Spiel er der HSG Fichtelgebirge zum Verzweifeln.

Helmbrechts - Wille kann bekanntlich Berge versetzen. Daran arbeiteten die Schützlinge von SG-Trainer Christian Seiferth von der ersten Minute an. Erst einmal Lunte gerochen, ging die SG mit 4:1 in Führung. Einen Alleingang der Hausherren wollten die Fichtelgebirgler im Derby aber keinesfalls zustimmen und arbeiteten sich in den Folgeminuten ins Match zurück. 4:4, alles wieder offen, oder doch nicht? Die Minuten danach brachten schnell Klarheit. Es folgte eine Phase, in der die SG Helmbrechts/Münchberg einen Trumpf nach dem anderen aus dem Ärmel zog.

Im Angriff wurde phasenweise wesentlich konzentrierter als zuletzt agiert. Mit mehr Bedacht, gutem Positionsspiel und deutlich besser vorbereiteten Angriffen. Dafür stehen zehn Ttreffer nach 25 Minuten. Dass genau zu diesem Zeitpunkt die Gäste erst mit sechs Toren an der Anzeigentafel standen, hatte gleich mehrere Gründe: Fichtelgebirge biss sich am diesmal stabilen und flexiblen Abwehrbollwerk der Gastgeber fest, der das Wort Mauer tatsächlich verdient hat. Dazu hatte SG-Torhüter Lukas Hurt einen Sahnetag erwischt. Er hielt zuhauf auch die schwer haltbaren Bälle, und die in Serie und derart spektakulär, dass die SG-Fans in der Halle schon früh aufstanden, um ihren Keeper stehende Ovationen zu zollen.

Die Gäste verzweifelten und gingen mit nur sieben erzielten eigenen Toren in die Kabine. Da war auf dem Gang zum Pausentee auch ein Stück weit Ratlosigkeit zu erkennen. Schlecht, unnötig oder vielleicht sogar sehr unplatziert geworfen, das hat die HSG keineswegs. Nur Hurt war halt immer dort, wo letztlich auch das Spielgerät landete.

Die Gastgeber gingen nicht nur mit fünf Toren Vorsprung, sondern auch mit gewaltiger Rückendeckung in die Halbzeit. Genau damit kamen die Gastgeber auch wieder auf´s Parkett zurück. Immer das Ziel vor Augen, als Sieger die Halle zu verlassen, ging die SG auch die zweiten 30 Minuten an. Immer mehr wurde deutlich, dass Spiele in der Abwehr gewonnen werden. Die Spielgemeinschaft aus Wunsiedel und Marktredwitz bot durchaus gepflegten Landesliga-Handball. Aber eben nur dort, wo es die SG zuließ.

Die wahre Abwehrstärke der Gastgeber war auch der Anzeigentafel zu entnehmen. Es dauerte immerhin bis zur 42. Minute, ehe Philipp Mocker, neben Daniel Bralic und Erik-Ludwig Hammer einer der HSG -Aktivposten, mit dem zehnten Treffer die Gäste zweistellig auf die Anzeige brachte. Die agierten im weiteren Verlauf deutlich energischer. Vielleicht auch eine Trotzreaktion darauf, dass in der 36. Minute eher eine unglückliche Aktion bei einem Konter Johannes Wippenbeck zur Roten Karte verhalf. Fichtelgebirge musste seine Angriffe anders anlegen und kam dadurch jetzt auch häufiger zu Zählbarem.

Freilich, an der Fünf-Tore Führung der Gastgeber, die sich vom 20:15 bis zur Ziellinie wie ein roter Faden durchzog, änderte dies nichts mehr. Im Gegenteil. Die Seiferth-Schützlinge streuten jetzt ein paar Treffer ins Spiel, die in ihrer Art so häufig nicht zu sehen sind: Verdecktes Anspiel von Pritschet an Kritzenthaler und der trifft mit Rückhandwurf vom Kreis aus – nicht weniger spektakulär dann auch die beiden sehenswerten Heber von Johannes Reif und Jonas Roßner, der den Ball in der Luft annahm und nur kurz weiter tippte.

Da flippten auch die Fans aus und trieben den Lärmpegel von Minute zu Minute immer weiter in die Höhe. Und setzen wollte man sich auch nicht mehr. Fichtelgebirge kam nach dem letzten Aufbäumen einfach nicht mehr heran. Da hatte Lukas Hurt etwas dagegen, indem er in Serie vier hundertprozentige Einwurfmöglichkeiten verhinderte.

Eine Frage bleibt im Raum stehen: Warum nur war dieser Auftritt der erste dieser Art in der laufenden Saison und warum steht die Abwehr nicht häufiger so? Dann hätte sich wahrscheinlich früh die eine oder andere Sorge in Richtung Tabellenbild von selbst beantwortet.

Stefan Tröger von der HSG Fichtelgebirge bedauerte: „Wir können im fremder Halle einfach nicht unsere komplette Leistung abrufen. Vor allem in Angriff hat heute das flüssige Lauf- und Kombinationsspiel gefehlt. Es waren oft die Einzelaktionen, die nichts Zählbares brachten. Zudem stand im SG-Tor mit Hurt ein Keeper, der selbst die besten Würfe entschärft hat und es uns nicht ermöglichte, einmal in Schlagweite zu gelangen.“

In der ihm eigenen Sachlichkeit zufrieden war Christian Seiferth von der SG Helmbrechts/Münchberg: „Unser Team hat heute mit absoluter Geschlossenheit und mit unbedingtem Willen hochverdient die beiden Punkte im Frankenwald behalten. Die gut agierende Abwehr mit einem überragenden Lukas Hurt waren der Garant dieses Erfolges.“

SG Helmbrechts/Münchberg: Behrens, Hurt – Kalas (6), Panzer, Aust (3/3), Kritzenthaler (2), Reif (3), Mayer (1), Merz (2), Peetz, Lad (1), Troßmann (3), Roßner (2), Pritschet (2).

HSG Fichtelgebirge: Brosko, Gruber – Burger (2), Bralic (3/1), Berger (1), Flasche, Wippenbeck (2), Hammer (4), Schlitter, Mocker (3), Danielka (3), Koristka, Birner (1).

Schiedsrichter: Hirt/Menz (Volkach). – Zuschauer: 460. – Zeitstrafen: SG 4, HSG 5. – Rote Karte: Johannes Wippenbeck (HSG /36., Foulspiel). – Siebenmeter: Sg 3/3; HSG 4/4. – Spielfilm: 0:1, 4:1, 4:4, 9:4, 10:6, 12:7 (Halbzeit); 15:8, 17:10, 20:13, 20:15, 22:17, 25:19. K. H. R

 

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