Handwerk zeichnet Meister aus Die Konkurrenten heißen Industrie und Studium

Manfred Köhler

Die Handwerkskammer vergibt deses Jahr 29-mal den Goldenen Meisterbrief. Die Branche kämpft mit Nachwuchsproblemen.

29 Handwerks-Meisterinnen und -Meister aus Hochfranken sind am Freitagabend im Hotel Falter in Hof-Unterkotzau mit den Goldenen Meisterbriefen ausgezeichnet worden. Die Ehrung wird ab dem 65. Lebensjahr verliehen und würdigt eine mindestens 30-jährige ununterbrochene selbstständige Tätigkeit im Handwerk. Bei der Veranstaltung wurde außerdem der Vizepräsident der Handwerkskammer für Oberfranken, Christian Herpich, als langjähriger Kreishandwerksmeister verabschiedet und für sein Lebenswerk geehrt.

Zu Beginn der Veranstaltung würdigten Grußwortredner die Geehrten. So sagte Oberbürgermeisterin Eva Döhla, die Handwerker in Hochfranken hätten als Rückgrat der Region zahlreichen Menschen einen Arbeitsplatz geboten. Der ausgeschiedene Kreishandwerksmeister Christian Herpich hinterlasse nach 14 Jahren im Amt ein gut bestelltes Haus. Landrat Oliver Bär betonte, die individuell aufgestellten Handwerksbetriebe vollbrächten Leistungen, die es woanders nicht gebe, das mache die Region aus. Stellvertretender Dekan Thomas Persitzky sagte, er beneide die Handwerker manchmal um ihre sichtbaren Erfolge.

Kreishandwerksmeister Marco Kemnitzer würdigte seinen Vorgänger Christian Herpich für die Leistungen in seiner Amtszeit von 2007 bis 2021. Für sein Wirken in diesen 14 Jahren als Botschafter des hochfränkischen Handwerks habe er sich vor allem zwei große Verdienste erworben: Zum einen habe er stets guten Kontakt vor allen zu den Mittelschulen gehalten und dafür gesorgt, dass die jungen Menschen über die Ausbildungsberufe informiert wurden; zweitens habe er es mit seinem nimmermüden Einsatz um die Handwerkerskulptur am Hofer Schießhäuschen auch geschafft, dass die Ausführung in die Hände des hiesigen Handwerks gelegt worden sei.

Festredner Christian Herpich bedankte sich für den Teamgeist, der ihn als Kreishandwerksmeister getragen habe, und vor allem bei Angelika Geiger, der „guten Seele“ der Kreishandwerkerschaft. In seiner Ansprache ging Christian Herpich auch auf die aktuelle Situation des Handwerks sein. Nach wie vor werde überproportional ausgebildet: „Während wir als Branche rund zwölf Prozent Anteil an der Gesamtbeschäftigungszahl in Deutschland haben, lernen bei uns fast 30 Prozent der Auszubildenden ihren Beruf“, sagte er. In diesem Zusammenhang kritisierte er die Fokussierung der Politik auf das Studium: „Viele Eltern meinen inzwischen, ohne Studium habe ihr Kind keine Perspektive.“

Wie aktive Handwerker derzeit ihre Lage grundsätzlich einschätzen, war bei einer kleinen Umfrage unter den Gästen im Saal erfahren. Wie Thomas Köhn, Obermeister der Fleischer-Innung Hof-Wunsiedel, auf Nachfrage erzählte, sind zum Glück noch genug Lehrlinge zu bekommen. Allerdings müsse man sein Personal „hegen und pflegen“ und auch Zugeständnisse machen. Angesichts der derzeitigen Preissprünge sei das Kalkulieren schwer geworden. Was seinen eigenen Betrieb betreffe, die Metzgerei Max, gelinge es dank starker Kontakte zur hiesigen Landwirtschaft noch ohne Schwierigkeiten zu produzieren. Ein großes Problem allerdings seien die Energiekosten und die ständig zunehmende Pflicht zur Dokumentation, sprich: die Bürokratie. Dennoch will Thomas Köhn nicht zu schwarz in die Zukunft schauen: „Ich denke, die derzeitigen Probleme werden sich irgendwann regeln.“

Vor allem zwei Ärgernisse machen Michael Hein, dem Obermeister der Innung für Klempner-, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Hof zu schaffen: zum einen die „ständigen Preissteigerungen, die nicht mehr der Normalität entsprechen“, zum anderen der Materialmangel beziehungsweise lange Lieferzeiten. Außerdem sei es ein Problem, dass die Industrie die gut ausgebildeten Fachkräfte aus seinem Handwerk abwerbe: „Der Nachwuchs bleibt nach der Ausbildung vielleicht zwei bis drei Jahre bei uns und wechselt dann.“ Kreishandwerksmeister Marco Kemnitzer, im Berufsalltag Installateur- und Heizungsbaumeister, verrät auf Nachfrage, man sei derzeit als Handwerker unter Druck, zu kaufen, was gerade verfügbar sei – denn jedes Zögern könne höhere Preise bedeuten. Notfalls müsse man Material und Ware, die man momentan nicht brauche, eben zwischenlagern. Momentan gelte keine Preisbindung länger als zwei bis drei Wochen. Was den Nachwuchs betrifft, könne er sich zwar nicht beschweren: „Allerdings muss man etwas tun und zum Beispiel auf die Schulen zugehen.“

 

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