Haus Marteau Spitzen Akustik

Nach vier Jahren Bauzeit ist der neue Konzertsaal im Haus Marteau in Lichtenberg fertig. Zur Eröffnung am Freitag kamen viele Ehrengäste aus ganz Oberfranken und aus München. Die ersten Konzerte sind schon ausverkauft.

Lichtenberg - Der neue Konzertsaal der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau in Lichtenberg ist am Freitag von Bernd Sibler, dem Bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, und Bezirkstagspräsident Henry Schramm feierlich eröffnet worden. „Lichtenberg und Oberfranken sind um eine optische und akustische Attraktion reicher geworden, die große Strahlkraft besitzt“, sagte Schramm.

Wie mehrmals berichtet, zeichnet sich der neue Konzertsaal durch eine architektonische Weltneuheit aus, die sogenannten Granitspitzen. Sie sorgen für eine außergewöhnliche Akustik, aber auch für eine besondere Raumwirkung. Begleitend zum Bau des Saales wurde seit 2017 die Internationale Musikbegegnungsstätte Haus Marteau auch grundsätzlich ertüchtigt und erweitert.

Schramm dankte der Oberfrankenstiftung und dem Bayerischen Kulturfonds für die Unterstützung der Maßnahme. Neben Bernd Sibler sprachen während der Eröffnung, die wegen der Pandemie im kleinen Rahmen stattfand, auch der Architekt Professor Peter Haimerl, der Präsident des Bayerischen Musikrats, Marcel Huber, und der Lichtenberger Bürgermeister Kristan von Waldenfels. Professor Christoph Adt, Künstlerischer Leiter des Hauses Marteau, stellte die Konzeption des Hauses vor. Die musikalische Umrahmung übernahmen Professor Bernd Glemser am Klavier und Tassilo Probst an der Violine. Höhepunkt der Eröffnung war die Schlüsselübergabe durch den Architekten an Bezirkstagspräsident Schramm.

Vier Jahre hatte der Umbau des 13 Mal 13 Meter großen Saals gedauert (wir berichteten). Nun ist er – nach drastischen Baukostensteigerungen und Bauzeitverzögerungen – fertig. Aus ursprünglich 3,2 Millionen Euro Baukosten sind 5,3 Millionen geworden. Auch der erste Termin zur Einweihung 2019 und das Ende der Bauarbeiten in 2020 konnten nicht eingehalten werden.

Das lange Warten hat sich aber gelohnt: Der neue Saal beeindruckt mit mächtigen Granitkeilen an der Decke, die bis zu 13 Meter lang und bis zu vier Meter breit sind. Die Bergbau-Geschichte Lichtenbergs und die Tatsache, dass Alexander von Humboldt hier als Bergbauingenieur tätig war, hatte Architekt Peter Haimerl dazu inspiriert, eine Art „Konzertstollen“ zu konzipieren. Auch aus akustischen Gründen verwendete der Architekt kristalline Strukturen. „Die Granitkeile sind räumlich so komponiert, dass sie für die Besucher die Bühne fokussieren und so den Raum zum Kulturort verdichten“, beschrieb Haimerl seine Gestaltungsidee. Die 33 splitterartigen Granitelemente seien so angeordnet, dass sie die Akustik optimieren.

Der verantwortliche Akustiker war Eckard Mommertz vom Ingenieurbüro Müller-BBM. Mommertz Firma ist weltweit für die bau- und raumakustische Beratung großer Opernhäuser, Theater und Konzerthäuser tätig – unter anderem für das Wiener Konzerthaus, das Konzerthaus am Gendarmenmarkt oder für das Sydney Opera House. In Lichtenberg wollte Mommertz die Architektur so beeinflussen, dass ein Raum für anspruchsvolle Proben und Konzerte entsteht.

Die ingenieurtechnische Planung und Konstruktion sowie den Transport und den Einbau der Elemente aus Granit übernahmen die Granitwerke Kusser aus dem niederbayerischen Aicha vorm Wald. Die schwerste Granitspitze wiegt knapp sieben Tonnen. 330 Granitplatten wurden im Werk mit Stahl zu 32 Granitkörpern verbaut.

In der Villa selbst wurden im Gartengeschoss drei zusätzliche Übungsräume geschaffen, um zwei Meisterkurse parallel veranstalten zu können und den Meisterschülern zeitgemäße Unterrichtsbedingungen zu bieten. Dafür wurde das Untergeschoss in einem aufwendigen Verfahren um 60 Zentimeter tiefer gelegt. Zudem wurden Villa und Saal durch den Einbau eines Aufzugs barrierefrei.

Der Bezirk Oberfranken veranstaltet in der denkmalgeschützten Künstlervilla des einstigen Violinvirtuosen Henri Marteau (1874 bis 1934) jährlich rund 40 Meisterkurse mit renommierten Dozenten für herausragende Nachwuchsmusiker aus aller Welt. In dreijährigem Turnus findet hier auch der Internationale Violinwettbewerb Henri Marteau statt.

Konzerttermine:

• Die ersten Konzerte im neuen Haus sind bereits ausverkauft. Für die beiden ersten Abschlusskonzerte der Meisterschüler von Professor Christoph Sischka am 3. September (Klavier) und Professor Andreas Langenbuch am 10. September (Klarinette) gibt es keine Plätze mehr.

• Über die Verfügbarkeit von Karten für die weiteren September-Abschlusskonzerte der Meisterkurse für Gesang am 16. September von Professor Edda Moser und für die Klavierimprovisation am 23. und 24. September von Professor Galina Vracheva informiert der Bezirk unter:

www.bezirk-oberfranken.de/kultur/aktuelles-aus-dem-bereich-kultur/termine/

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