Vielfach wurde allerdings auch Bedauern geäußert. Die schärfste Kritikerin des Vorhabens, Piraten-Politikerin Julia Reda, sprach von einem schwarzen Tag für die Netzfreiheit. "Die Einigung über die Reform des Urheberrechts gefährdet das freie Internet, wie wir es kennen." Die Chance auf ein modernes Urheberrecht sei vertan worden, sagte sie. Die Reform werde Upload-Filter nach sich ziehen, so dass legale Inhalte künftig häufiger blockiert würden. Auf Twitter wurde am Dienstag zu Spontan-Demos in mehreren deutschen Städten aufgerufen.
Auch Bundesjustizministerin Katarina Barley zeigte sich enttäuscht. "Ich bedaure sehr, dass das Europäische Parlament sich heute nicht gegen Upload-Filter positioniert hat", sagte die SPD-Politikerin. Barley hatte dem Vorhaben auf EU-Ebene als federführende Ministerin zugestimmt, obwohl sie selbst Artikel 13 ablehnt. Zur Begründung argumentierte sie mit der Kabinettsdisziplin.
Mit Blick auf die nächste Abstimmung unter den EU-Staaten sagte eine Sprecherin des Justizministeriums, dass die Bundesministerien sich noch einmal untereinander abstimmen müssten. Mit einer Ablehnung der Bundesregierung rechnet Barley aber offensichtlich nicht. Sie beschäftigte sich am Dienstag schon mit der Umsetzung der Reform. Es gehe darum, dass Künstler "tatsächlich davon profitieren und Meinungsfreiheit und Vielfalt im Netz erhalten bleiben". Auch die CDU-Spitze sprach bereits von der Umsetzung. Upload-Filter müssten vermieden werden, twitterte Generalsekretär Paul Ziemiak.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisierte, die Europaparlamentarier hätten mehrheitlich gegen die Interessen von Internetnutzern gestimmt. "Filter wissen nicht, was Parodien sind oder ob ein Inhalt zitiert wurde", sagte Vorstand Klaus Müller. Damit würde die Reform viele legale Inhalte bedrohen.
Selbst Whistleblower Edward Snowden meldete sich zu Wort. "Vergiss nie, was sie hier gemacht haben", twitterte der Amerikaner auf Deutsch. Besonders rügte er die Unionsabgeordneten im Parlament. Snowden, der 2013 die ausufernde Überwachung durch den US-Geheimdienst NSA öffentlich gemacht hatte, lebt nach wie vor im russischen Exil.