Hellmut Nietner Trompetenklänge zum Abschied

In der Lutherkirche erinnerte ein Foto an den Verstorbenen. In der ihm lieb gewordenen Kirche hatte Hellmut Nietner stets seine Familienfeiern unter den Schutz Gottes gestellt. Foto: /Singer

Der verstorbene Altbürgermeister von Bad Steben hatte sich eine schlichte Trauerfeier gewünscht. Feuerwehrkameraden tragen ihn zu Grabe.

Bad Steben - Der im Alter von 88 Jahren verstorbene Bad Stebener Altbürgermeister Hellmut Nietner ist am Dienstag zu Grabe getragen worden. Wegen Corona konnten nur wenige Trauergäste dem verdienstvollen Kommunalpolitiker, der von 1991 bis 2001 die Geschicke der Marktgemeinde geleitet hatte, die letzte Ehre geben.

In Nietners Amtszeit wurden mit dem Spielbank-Neubau und dem Bau der Umgehungsstraße wichtige Weichen gestellt, wie auch mit der Neugestaltung der Wenzstraße als Anfang und Signal für die Verschönerung des Kurortes. Zu seinen Freunden zählte der frühere bayerische Finanzminister Georg von Waldenfels, der maßgeblich den Casino-Neubau in Bad Steben förderte. Bis ins hohe Alter war Hellmut Nietner als heimatverbundene Sozialdemokrat und Ehrenbürger der Marktgemeinde ein genauer Beobachter des kommunalen Geschehens. Handschriftlich hatte der Verstorbene den Ablauf der Trauerfeier in seiner lieb gewordenen Lutherkirche festgelegt. Auf alle Nachrufe sollte verzichtet werden, ebenso auf Grabschmuck. Dafür bat Nietner um Spenden für das Diakoniewerk Martinsberg.

Die Traueransprache hielt Pfarrer Horst Bergmann. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von Kirchenmusikdirektor Stefan Romankiewicz. Auf dem Friedhof wurde der Verstorbene von seinen Feuerwehrkameraden zu Grabe getragen.

Kurt Schumacher als Vorbild

Das Licht der Welt erblickte Hellmut Nietner in Bad Steben. Der Vater war selbstständiger Bahn-Spediteur mit Pferdespann. Kriegs- und Nachkriegszeit prägten mit schulischen Einschränkungen Hellmuts Leben als Kind und Jugendlicher. Geprägt wurde diese Zeit von seinen Eltern, die dem Hitler-Regime mehr als kritisch gegenüberstanden. Politisch war sein Vorbild Kurt Schumacher, der erste SPD-Hauptvorsitzende nach dem Zweiten Weltkrieg. Beruflich erlernte Hellmut Nietner das Handwerk eines Herrenschneiders, bildete sich später fort und erhielt eine Anstellung als Verwaltungsangestellter in der Reha-Klinik „Auental“. Für ihn und seine große Liebe Inge aus Steinbach läuteten die Hochzeitsglocken im August 1957. Der Bund fürs Leben währte 63 glückliche Jahre. „Dafür können wir sehr dankbar sein“, sagte Nietner kürzlich anlässlich seines 88. Geburtstages. Freuen konnte sich das Paar auch über die Geburt ihrer drei Söhne Stefan, Axel und Udo, inzwischen erfolgreiche Handwerker, sowie die drei Enkel und drei Urenkel. Neben seinem aktiven Dienst in der Feuerwehr (bis zum Löschmeister), dem Ehrenamt des SPD-Ortsvorsitzenden sowie dem Vorsitz bei der Arbeiterwohlfahrt hatte Nietner noch ein besonderes Hobby, die Brieftaubenzucht, die ihm viele Preise und Auszeichnungen einbrachten. Über Jahrzehnte war er Kreisvorsitzender der Brieftaubenzüchter, zudem Mitglied in vielen örtlichen Vereinen. Er unterstützte den Bund Naturschutz, das Grafik-Museum, Stiftung Schreiner und die Tierfreunde Hof/Bad Steben.

Trompeter Gustl Wunder intonierte zum Abschied von Altbürgermeister Hellmut Nietner am offenen Grab ein Heimatlied.

 

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