Helmbrechts Gedenken an die Opfer der Pogrome

Werner Bußler
Die Stadt Helmbrechts und der Verein gegen das Vergessen haben am Gedenkstein auf dem Helmbrechtser Friedhof Blumengebinde niedergelegt. Das Foto zeigt von links: Hartmut Hendrich, Gabriela Möckel, Regina Scholz (alle vom Verein gegen das Vergessen), Bürgermeister Stefan Pöhlmann, Pfarrerin Ramona Kaiser und Pfarrer Andreas Schmidt Foto: Bußler

Am Gedenkstein für den Todesmarsch von Helmbrechts nach Volary auch den Novemberpogromen zu gedenken hat Tradition. Die Beteiligten betonten auch in diesem Jahr, wie wichtig es sei, niemals zu vergessen.

Bei der Aufstellung des Gedenksteins am Eingang des Helmbrechtser Friedhofs hat der damalige Bürgermeister Manfred Mutterer den anwesenden Überlebenden des KZ-Außenlagers versprochen, an diesem Mahnmal nicht nur am Tag des Todesmarsches am 13. April eine Gedenkfeier abzuhalten, sondern sich an gleicher Stelle auch im kleineren Kreis am 9. November zur traurigen Erinnerung an die sogenannte Reichskristallnacht 1938 zu treffen. Auch kamen dort engagierte Bürger zusammen.

In dieser Pogromnacht von 1938 organisierte das nationalsozialistische Regime Gewaltmaßnahmen in Deutschland und Österreich gegen Juden. Schergen der Nationalsozialisten aus SS und SA ließen damals Synagogen in Flammen aufgehen, zerstörten jüdische Friedhöfe und demolierten Geschäfte, deren Inhaber jüdischen Glaubens waren. Danach ermordete die rechtsextreme Bande zahlreiche Menschen oder inhaftierte sie in Konzentrationslagern unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Bürgermeister Stefan Pöhlmann betonte, wie wichtig es sei, auch 84 Jahre nach dem Geschehen auf diese menschenverachtenden Handlungen aufmerksam zu machen – um die Folgen solcher Ideologien aufzuzeigen und vor blindem Fanatismus zu warnen. Gerade in der heutigen Zeit gelte es, die Stärke der Demokratie deutlich aufzeigen und Rechtsextremisten die Stirn bieten.

Das Stadtoberhaupt ging auf den 9. November ein, als ein trauriges Datum, wenn man sich an 1938 erinnert, aber auch als ein positives Datum, mit dem 1989 die deutsche Wiedervereinigung ihren Anfang nahm.

Pfarrerin Ramona Kaiser betonte, wie wichtig es sei, die junge Generation über die Ideologie im Dritten Reich und heutige rechtsextreme Umtriebe aufzuklären. Es gelte, ihr auf jugendgerechte und kreative Weise Zugang zu diesem Thema zu ermöglichen. Regina Scholz und Hartmut Hendrich als Vertreter der Initiativen „Gegen das Vergessen“, „Gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit“ sowie im Namen des Vereins der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten sprachen sich ebenfalls dafür aus, die Gründe dieses Gedenkens wieder in ein breites Bewusstsein zu rücken. Auch in der Region seien am 9. November 1938 Mitbürger willkürlich verhaftet worden. Scholz lud zudem zur Teilnahme an einer Demonstration am Samstag, 12. November, in Wunsiedel ein, die das Gegengewicht zu einem Aufmarsch der rechtsextremen Partei „Der dritte Weg“ bildet.

 

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