Helmbrechts Neal Black bei den Kulturwelten

Andrea Herdegen

Mit knackigem Bluesrock haben Neal Black und Janet Martin mit ihrer "Blues Revue" am Freitagabend das Publikum im ausverkauften Saal des Helmbrechtser Textilmuseums begeistert.

Helmbrechts - Mal angenommen, man hatte eine kleine Meinungsverschiedenheit mit dem Sheriff von San Antonio und landet in Texas im Gefängnis. Was tun, während man auf einen Freund wartet, der die Kaution hinterlegt? Nun, wäre man Neal Black, würde man seine Ration Klopapier bei einem Zellen-Genossen gegen Stift und Block eintauschen und einen Song schreiben.

„Did you ever? (Jail in San Antonio)“ ist ein fröhlicher, lebensbejahender Rock-’n’-Roll-Kracher geworden; keine Spur von Blues-Düsternis. Black ahnte da  noch nicht, dass der Kumpel, der ihn auslösen sollte, einige Tage auf sich warten lassen würde. Er hätte sonst wohl von dem Tauschgeschäft der ersten Nacht abgesehen, das er später bitter bereute.

Im ausverkauften Saal des Helmbrechtser Textilmuseums schmunzeln die Kulturwelten-Besucher, als Black diese Geschichte erzählt. Der Texaner ist so direkt und ehrlich wie seine Musik; sein international hochgelobtes Gitarrenspiel ist ruppig, und an den Wurzeln des Bluesrocks, aus denen seine Songs wachsen, klebt noch jede Menge Südstaaten-Dreck.

Dass sein Vater Indianer war und seine Mutter aus München stammt, hört man Blacks Songs nicht an. Geerbt hat er wohl eher die Liebe zu „Schnitzel, Strudel, Spätzle und Kartoffeln“ (mütterlicherseits) und die Sehnsucht nach Freiheit (väterlicherseits).

Neal Black braucht nicht unbedingt einen Text, um seine Message zu transportieren. Das zeigt schon der sieben Minuten lange Instrumental-Opener „Alabama Flamenco“, der ganz ohne Worte eine Geschichte aus dem Süden der USA erzählt. Immer wieder streuen Black und seine Bühnen-Partnerin Janet Martin lange Instrumental-Stücke ins Programm, bei denen sie mit Virtuosität glänzen können. Martin, in den Staaten bereits als „Königin der Slide-Gitarre“ gefeiert, steuert eigene Werke bei zur gemeinsamen „Blues Revue“. Etwa das starke „Black Bayou“, das von einem fetten Southern-Riff vorangetrieben wird. Auch die Frau aus Virginia hat unüberhörbar ihre musikalischen Wurzeln im Süden der USA. Stimmlich bleibt Martin anfangs hinter ihren von Studioaufnahmen gewohnten Möglichkeiten zurück, aber das ist wohl der fast zehnstündigen Autobahn-Anreise nach dem Konzert im nordfranzösischen Les Hauts Buttes am Vorabend und einer dadurch fast schlaflosen Nacht geschuldet. Im Laufe des Auftritts singt sie sich frei, spätestens bei der Ballade „Those who love the Least“ erreicht sie wieder ihre Form.

In Frankreich ist Neal Black übrigens längst eine große Nummer, tourt immer wieder intensiv, wird von der Presse gefeiert. Bei uns gilt der texanische Bluesrocker dagegen noch als Geheimtipp. Aber mit seinen authentischen Underdog-Geschichten, die er mit rauchiger Stimme vorträgt, und mit seiner unverstellten Spielfreude wird er auch hierzulande schnell Boden gutmachen.

Die Band, zu der noch Drummer Vincent Daune und Bassist Kris Jefferson gehören, gibt sich selbst drei vom Publikum gefeierte Zugaben, indem sie sich die rhetorische Frage „Haben wir noch Zeit für einen Song?“ mit „Ja“ beantwortet.

Dann aber ist Schluss. Das Essen wartet. Neal Black, endlich mal wieder in seiner Mutter Heimat, freut sich grinsend auf „Schnitzel und Kartoffeln“.

 

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