Hilfe für Nachbarn Ein ganzes Leben nur noch Rauch und Asche

In der Woche vor Weihnachten brennt die „Burnermühle“ in Holenbrunn innerhalb von Stunden nieder. Den vier Bewohnern bleibt nichts als das, was sie am Leib tragen.

Die Burnermühle ist nur noch eine Brandruine. Die Familie Pöhlmann steht vor dem Nichts. Foto: Matthias Bäumler

Ja, aber. Es gibt Menschen, die sofort in diesen Reflex verfallen. „Ja, die Leute haben alles verloren. Aber für was gibt es Versicherungen? Und auf dem Konto wird auch noch Geld vorhanden sein.“ Gott sei Dank denkt so nur eine kleine Minderheit. Die Wirklichkeit ist komplexer, trauriger, aber auch ein wenig hoffnungsvoll.

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Kontrolliertes Abbrennen

Karl, Heidi, Lucas und Lena Pöhlmann stehen vor dem Nichts. In der Nacht zum Mittwoch brennen ihr Sägewerk und das angrenzende Wohnhaus nieder. Obwohl die Feuerwehren aus der ganzen Umgebung schnell am Unglücksort sind, müssen die Retter die Burnermühle, wie das Anwesen Schneckenmühle 1 bei den Wunsiedlern heißt, kontrolliert abbrennen lassen, zu schnell breiten sich die Flammen aus. In der eisig kalten Nacht zum Mittwoch steht die Familie Pöhlmann entsetzt vor ihrem schon weihnachtlich geschmückten Haus und sieht zu, wie sich das Feuer durch alle Räume und schließlich das Dach frisst. Ihnen bleibt das, was sie am Leib tragen, mehr nicht.

Zumindest ein Dach überm Kopf

„Es ist unheimlich schwer, einer Familie sagen zu müssen, dass ihr Haus unwiderruflich verloren ist“, sagt ein Feuerwehrmann am Mittwochmorgen während des Einsatzes im Gespräch mit unserer Redaktion. Dennoch: Schon in der Nacht setzt eine Welle der Hilfsbereitschaft ein.

Thomas Pöhlmann, der Bruder von Karl, kommen die Tränen, als er erzählt, wie Bürgermeister Nicolas Lahovnik schon um 4 Uhr – die Feuerwehr kämpft zu diesem Zeitpunkt gegen die Flammen – die Generationenbürgermeisterin Carolin Kammerer anruft und fragt, ob sie eine ihrer Ferienwohnungen für die obdachlose Familie zur Verfügung stellen könnte. „Sie hat ohne zu überlegen zugesagt.“ Bis Montag kann die Familie in Göpfersgrün wohnen. „Dank Dekan Peter Bauer kommen Karl und seine Familie anschließend in einer Wohnung der Kirchengemeinde unter.“ Hier werden sie das Weihnachtsfest verbringen, von Feiern kann keine Rede sein. Auch Stadtförster Hubert Steinberger gehört zu den ersten Menschen, die Hilfe organisieren und selbst Hand anlegen. „Bei all diesen wollen wir uns bedanken.“

Kleiderspenden treffen ein

Auch Kleidungsspenden aus der ganzen Region treffen nach einem Facebookaufruf bei Carolin Kammerer ein. Als die Pöhlmanns am Mittwoch bei ihr ankommen, stehen sie in nassen Schuhen und frierend vor der Haustür. „Ich glaube, alle waren froh, selbst gestrickte Strümpfe anziehen und sich ein wenig ausruhen zu können“, sagt Thomas Pöhlmann. Da die von der Katastrophe betroffene Familie traumatisiert ist und nicht in die Öffentlichkeit will, spricht Thomas Pöhlmann mit unserer Redaktion. Der 62 Jahre alte, frühere Krankenpfleger ist gesundheitlich schwer angeschlagen, bezieht seit einiger Zeit eine Erwerbsunfähigkeitsrente und half im Sägewerksbüro.

Keinesfalls begütert

Zurück zu den Ja-Aber-Menschen vom Anfang. Nein, die abgebrannte Familie Pöhlmann ist nicht begütert. Nein, es liegen keine x-tausend Euro auf dem Konto. Ja, sie ist versichert. Aber: Es wird Monate dauern, bis die Gelder fließen. Und natürlich wird der Betrag nicht reichen, das Wohnhaus samt Sägewerk wieder aufzubauen. „Wenn ich ehrlich bin, haben mein Bruder und seine Familie nichts mehr. Wir waren im Haus: Der PC, alle Möbel, sämtliche geschäftlichen Unterlagen, jede Zahnbürste, alles verloren. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie schlimm das alles ist. Es ist der Supergau.“ Vom Sägewerksbetrieb ist bis auf den Unimog und zwei Stapler ebenfalls nichts geblieben. Die Maschinen samt Sägegatter und sogar das gute zum Ausliefern fertige im Holzlager liegende wertvolle Schreinerholz sind niedergebrannt.

Betrieb im Nebenerwerb

In den zurückliegenden Jahren führten die Pöhlmanns ihren Betrieb im Nebenerwerb. Der 58 Jahre alte Karl arbeitet im Sägewerk Gelo in Weißenstadt, ist aber wegen eines langwierigen Knieleidens seit Monaten arbeitsunfähig. Sohn Lucas (23) – er arbeitet bei Lapp und strebt den Meister an – und Lena (19) wohnten noch zu Hause.

„Wir hatten es nicht leicht, waren aber immer fleißige und zufriedene Leute“, so Thomas Pöhlmann, der auf eine glückliche Kindheit in der Burnermühle zurückblickt. „Ja, es war sehr behütet. Meine Eltern haben schwer gearbeitet, um alles zu halten. Als mein Vater mit 55 Jahren starb, mussten wir alle zusammenlangen, um das Anwesen halten zu können, zu dem seinerzeit auch eine Landwirtschaft gehörte.“ Diese mussten die Pöhlmanns aufgeben, als die Mutter 2006 starb. Während Thomas als Krankenpfleger arbeitete und mit seiner Familie in Holenbrunn in einem eigenen Haus lebt, führte Karl mit seiner Familie das Sägewerk weiter – zuletzt nur noch im Nebenerwerb. Er hat Landwirt gelernt und drei Wintersemester studiert. Besitztümer anzuhäufen, ist ihm nicht möglich gewesen.

„Mein Bruder war immer fleißig, leider macht sein Körper nicht mehr so mit. Auch meine Schwägerin hat zwei Schulteroperationen hinter sich. Die Familie hielt sich über Wasser und war zufrieden. Aber dass so ein Unglück über alle hereinbricht, das ist unbegreiflich“, sagt Thomas Pöhlmann.

Burnermühle war Kult für Kinder

Die Burnermühle weckt bei den Holenbrunnern und Wunsiedlern Erinnerungen. Früher ist sie tatsächlich eine Mühle gewesen. „Mein Opa war Müller und hat sämtliche Bäckereien in der Gegend mit Mehl beliefert. Bis 1974 gehörte auch eine kleine Bäckerei dazu. Als der Großvater 1978 starb, hat mein Vater die Mühle noch ein Jahr betrieben und sich danach auf das Sägewerk und die Landwirtschaft konzentriert.“ Früher holten viele Wunsiedler Brot in der Burnermühle, die Kinder kamen auf das abschüssige Gelände zum Schlitten- und Skifahren und Thomas und Karls Mutter verköstigte die kleinen Sportler mit Butterbroten. Später holten sich die Wunsiedler Bastler und Heimwerker gerne ihr Holz von der Burnermühle.

Uralte Urkunden verbrennen

Das Haus ist bis zuletzt die Anlaufstelle der Pöhlmanns. „Hier haben wir alles aufbewahrt, das Spielzeug aus Großmutters Zeiten, eine uralte Eisenbahn aus den 1920er-Jahren, die ganzen Familienfotos von Generationen, die Mühlen-Urkunden aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Das alles gibt es nicht mehr. Die Burnermühle ist Geschichte. Es existiert nur noch die Schneckenmühle 1, aber das ist ein Straßenkarteneintrag, mehr nicht.“ Thomas Pöhlmann würde die Familie seines Bruders sofort großzügig unterstützen. „Aber leider kann ich nicht mal so einfach ein paar tausend Euro zum Anschaffen des Nötigsten hergeben. So viel habe ich nicht.“

Ein Büro, das es nicht mehr gibt

Am Donnerstag stehen Thomas und Karl Pöhlmann vor der Brandruine, mit dabei ein Vertreter der Versicherung. „Als wir so ins Reden kamen, sagte ich: Lass uns nicht in der Kälte stehen, sondern ins Büro gehen. Da fragt mich der Mann von der Versicherung, welches Büro ich meine. Da wurde mir erst wieder bewusst, es gibt ja kein Büro mehr.“

Wie es mit der Familie Pöhlmann weitergeht, steht in den Sternen. Dass sie das Sägewerk wieder aufbauen kann, ist kaum vorstellbar. „Es ist ja nichts mehr vorhanden. Die Familie muss sehen, dass sie Tag für Tag irgendwie über die Runden kommt und das Trauma möglichst gut verarbeitet. Ich glaube aber, dieser furchtbare Schreck bleibt ein Leben lang.“

Spenden

Der Verein „Hilfe für Nachbarn“ unterstützt Menschen aus der Region, die unverschuldet in Not geraten sind. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, insbesondere Familie Pöhlmann aus Holenbrunn helfen wollen, überweisen Sie Ihre Spende auf das Konto von „Hilfe für Nachbarn“ bei der Sparkasse mit dem Verwendungszweck „Brandkatastrophe“.

Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Für Beträge von mehr als 300 Euro gibt es eine Quittung (Adresse vermerken). Für kleinere Beträge reicht der Kontoauszug zur Vorlage beim Finanzamt. IBAN: DE 29 7805 0000 0220 0204 16; BIC: BYLADEM1HOF