Hilfe für Nachbarn Ein Neuanfang für Romy

Der Weg aus der Obdachlosigkeit war steinig. Nun ist die Frau, die monatelang am Hofer Lettenbachsee kampiert hat, auf einem guten Weg.

Nach einem Brand an ihrem Lager um eine Bank herum kam Romy in die Klinik. Nun wurde die Bank wieder hergerichtet. Foto: Frank Wunderatsch

Die Geschichte von Romy, einer obdachlosen Frau aus Hof, die monatelang am Lettenbachsee kampierte, ist eine Geschichte von Verlust, Kampf und der Hoffnung auf einen Neuanfang. Im Winter vergangenen Jahres war sie zu einem bekannten Gesicht in Hof geworden. Ihr Leben in der freien Natur am Seeufer war geprägt von Entbehrungen. Doch nun scheint sich alles zum Guten zu wenden. Seit einem Vorfall befindet sie sich in einer Klinik – und es geht ihr immer besser.

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Im vergangenen Winter war sie noch in der Stadt unterwegs, meist zwischen der Ludwigstraße und der Pfarr. Als dann die Temperaturen stiegen, zog sie an den Lettenbachsee. Mit Plastikplanen und einem Wäscheständer baute sie sich eine Behausung um eine Bank herum. Mit einem Kräutergarten aus Schnittlauch und Basilikum, einer kleinen Feuerstelle, an der sie Tee kochte, und ihrem wenigen Hab und Gut, das sie in Tüten und Kisten aufbewahrte, lebte Romy monatelang am See. Die Spaziergänger beobachteten sie aus der Ferne – einige mit Mitleid, andere mit Unverständnis. „Wie kann man nur so leben?“ – solche und ähnliche Kommentare kursierten in den sozialen Medien.

Der Beginn einer besonderen Freundschaft

Doch es gibt Menschen, die nicht fernbleiben können. Evelyn Martin, eine Hoferin aus Moschendorf, ließ sich nicht von den Missständen abschrecken und nahm Kontakt zu Romy auf. „Ich habe sie einfach angesprochen, Kaffee und Essen mitgebracht, mich zu ihr gesetzt und habe zugehört“, erzählt Evelyn Martin. Das war der Beginn einer besonderen Freundschaft. Nach und nach vertraute Romy der hilfsbereiten Frau, erzählte von ihrem Leben, von der kleinen Tochter, die nicht mehr da war. Evelyn Martin erfuhr, dass Romy aus dem Erzgebirge stammt, bald 40 wird und dass sie in den vergangenen Jahren viel durchgemacht – vor allem psychische Belastungen.

Evelyn Martin brachte Romy nicht nur Lebensmittel und Kaffee, sie gab ihr auch das Gefühl, nicht alleine zu sein. Und sie versuchte über Monate hinweg, Unterstützung von Behörden und sozialen Einrichtungen zu bekommen. Doch da Romy immer wieder Hilfe ablehnte, waren den Institutionen die Hände gebunden. „So lange sie niemanden oder sich selbst gefährdet, müssen wir ihren Willen respektieren“, hieß es von allen Seiten bei den Recherchen unserer Zeitung zu dem Fall. Der Versuch, Romy in eine Unterkunft oder zu therapeutischer Hilfe zu bewegen, scheiterte immer wieder an ihrer Ablehnung. Evelyn Martin hatte das Gefühl, dass sich niemand wirklich um Romy kümmerte, die Behörden „schoben den Fall immer wieder von einer Stelle zur nächsten“.

Erinnerungen an die Vergangenheit

Die Kommunikation mit Romy gestaltete sich in der Tat schwierig. Zusammen mit der älteren Dame besuchte die Reporterin die Frau am See. Sie verhielt sich sehr zurückhaltend, teils sogar ängstlich. Ein Angebot zur Hilfe quittierte Romy mit einem Lächeln. Das schien sie zu überfordern. „Nein, ich brauche nichts.“ Vielleicht etwas zu Essen? „Nein.“ Eine Tüte mitgebrachter Lebensmittel nahm sie aber gerne an. „Danke.“ Einen traurigen Eindruck machten die Kinderkleidung, ein kleiner Rucksack und Kinderschuhe, die verstreut um die Behausung herum lagen, sowie eine Hundeleine von „Strolchi“, die Romy um den Hals trug – alles Erinnerungen an eine Vergangenheit, die Romy verloren hatte.

Doch dann, ein Schicksalsschlag Anfang November, der Romy vielleicht den entscheidenden Anstoß gab: Ein Feuer, das durch einen Windstoß an ihrem Lager am See ausbrach, zerstörte den bescheidenen Unterschlupf. Ihre Habe ging größtenteils in Flammen auf. Romy selbst blieb unverletzt und wurde in ärztliche Obhut gebracht.

In der Bezirksklinik in Rehau bekam Romy die nötige Unterstützung. Durch die Behandlung konnte sie psychisch stabilisiert werden. Und nicht nur das – in der Klinik begann Romy, sich der Hilfe zu öffnen. Sie hat wieder einen klaren Blick für die Zukunft und vor allem ein Ziel vor Augen: ihre Tochter wiedersehen und ein neues Leben aufbauen.

Regelmäßige Besuche in der Klinik

Evelyn Martin ist nach wie vor an ihrer Seite und besucht sie regelmäßig in der Klinik. „Es ist ein Wunder. Sie ist fröhlich und erzählt viel. Ich setze mich an den Bettrand und wir reden lange miteinander.“

Am Bettrand sitzend hat Evelyn Martin vieles aus Romys Vergangenheit erfahren: Ihre Schwangerschaft endete mit einer Sturzgeburt, weshalb sie und das Neugeborene in die Klinik kamen.

Über die genauen Umstände spricht Romy nicht. Die Tochter, jetzt ein Kleinkind, sei aktuell in der Obhut des Jugendamtes. Sie sehnt sich sehr nach ihr und hofft, dass sie sie bald sehen kann.

Um diesen Neuanfang zu ermöglichen, braucht Romy Unterstützung – finanziell, aber auch durch Hilfe beim Wiedereinstieg in die Gesellschaft. Romy steht eine rechtlichen Betreuerin zur Seite, die ihr dabei hilft, ihre Angelegenheiten zu regeln, eine Wohnung zu finden und eine langfristige Perspektive zu entwickeln.

Eine Frau hat sich bereits um Spenden für Romy gekümmert und überbrachte ihr einen kleinen Betrag. Darüber freute sich Romy sehr – das Geld würde dafür reichen, ihren „Strolchi“ wieder zu holen.

Spenden

Hilfe für Nachbarn:
Der Verein „Hilfe für Nachbarn“ unterstützt Menschen aus der Region, die in Not geraten sind. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, insbesondere Romy. helfen wollen, überweisen Sie Ihre Spende auf das Konto von „Hilfe für Nachbarn“ bei der Sparkasse mit dem Verwendungszweck „Romy“ Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Für Beträge von mehr als 300 Euro gibt es eine Quittung (Adresse vermerken). Für kleinere Beträge reicht der Kontoauszug zu Vorlage beim Finanzamt.

IBAN: DE 29 7805 0000 0220 0204 16 BIC: BYLADEM1HOF