Hilfe für Nachbarn Häusliche Gewalt bringt Familie in Not

Nach einem schweren Übergriff steht eine Mutter mit ihren Töchtern vor einem Neuanfang voller Sorgen. Die Familie benötigt finanzielle Unterstützung.

Die Wände in der Wohnung sind voller Bilder – die Töchter von Katharina L. verarbeiten ihre schlimmen Erlebnisse über das Malen. Foto: Ertel

„Der 30. April sollte mein Todestag sein.“ Mit diesen Worten beginnt Katharina L. (Name von der Redaktion geändert) ihre Geschichte. „Mein Mann wollte mich umbringen. Er würgte mich, bis ich keine Luft bekam.“ Tränen laufen über das Gesicht der 43-Jährigen aus dem Raum Hof, die bis heute nicht begreifen kann, wie ihr Leben so aus den Fugen geraten konnte.

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Nur weil eine ihrer drei Töchter geistesgegenwärtig die Nachbarn um Hilfe rief, hat Katharina L. überlebt, wie sie erzählt. Die Männer aus dem Haus traten die Tür ein und zerrten den Ehemann zu dritt aus der Wohnung. Kurz darauf kam die Polizei, legte ihm Handschellen an und führte ihn ab. Das nächste Mal sah Katharina L. ihren Mann vor Gericht – das war in der vergangenen Woche. Er war wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter Tötung angeklagt. Das Gericht ordnete seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an – auf unbestimmte Zeit.

Der 30. April war der traurige Höhepunkt einer 27 Jahre dauernden Beziehung, die einst glücklich begann. Mit 15 Jahren lernte Katharina L. ihren späteren Mann in einer Hofer Diskothek kennen. Bald zog sie zu ihm. „Es waren glückliche Zeiten“, erzählt sie. Fünf Jahre später kam die erste Tochter zur Welt, heute 23 Jahre alt und längst ausgezogen. „Ich wollte mein ganzes Leben mit diesem einen Mann verbringen. Jetzt ist unsere Geschichte zu Ende.“

Seit sieben Monaten ist Katharina L. nun alleinerziehende Mutter, eine Tochter ist noch im Grundschulalter, die andere ein Teenager. Katharina L. ist psychisch erschöpft und finanziell am Limit. Ihr Mann war der Hauptverdiener. Sie selbst arbeitet als Reinigungskraft in einem Minijob. Nach seiner Festnahme musste sie Bürgergeld beantragen: 136 Euro bleiben ihr monatlich – Kindergeld und Unterhalt werden angerechnet. Das Geld reicht gerade für das Nötigste. Kleine Freuden wie eine Schokolade könne sie ihren Töchtern noch ermöglichen. Für Weihnachtsgeschenke fehlt das Geld. Und doch wünscht sie sich so sehr, ihren Kindern wenigstens für ein paar Stunden den Horror zu nehmen, den sie erleben mussten.

Mann wurde gewalttätig

Die Probleme begannen vor 20 Jahren. Ihr Mann verhielt sich immer seltsamer, verlor die Orientierung, hörte Stimmen, fühlte sich verfolgt und bedroht. Immer wieder wurde er gewalttätig. Immer wieder kam er in eine psychiatrische Klinik. Er sprach jedoch nie mit ihr über das, was in ihm vorging. Von seiner Diagnose – paranoide Schizophrenie – erfuhr sie erst später. „Hätte er mir erzählt, was mit ihm los ist, hätte ich etwas tun können. Ihm helfen oder auch gehen.“

Doch stattdessen kamen Alkohol, Drogen und Spielsucht hinzu. Sie verwaltete das gemeinsame Konto und hielt die Finanzen im Griff. Als er vor drei Jahren während eines Klinikaufenthalts auch dieses Konto sperren ließ, wusste Katharina L., dass sie handeln musste. „Ohne Arbeit und ohne Geld war ich aufgeschmissen. Ich musste mich unabhängig machen.“ Sie suchte sich einen Minijob.

Tochter bringt alles ins Rollen

Einmal zeigte sie ihn an – und zog die Anzeige wieder zurück. „Ich wusste nicht, wo ich Hilfe bekomme. Ich hatte nicht den Mut, das alleine durchzuziehen.“ Erst als ihre Tochter sich an eine Vertrauenslehrerin wandte, kam alles ins Rollen. „Es gibt so viele Stellen, die helfen. Hätte ich das früher gewusst, hätte ich schon längst etwas getan“, sagt Katharina L. heute. Der Frauennotruf, das Jugendamt, die Sozialberatung – überall habe sie Unterstützung erfahren.

Bei der Gerichtsverhandlung riet ihr der Richter: Sie solle nach vorne blicken, ein neues Leben anfangen. Doch die Vergangenheit lässt sie nicht los. „Ich begreife bis heute nicht, wie das alles passieren konnte. Ich habe meinen Mann an die Krankheit verloren. Ich muss alles neu denken und fühlen.“

Kinder verarbeiten übers Malen

Katharina L. nimmt psychologische Hilfe in Anspruch. Mit ihren Töchtern spricht sie viel über die Erlebnisse; sie wollen sich bisher jedoch noch nicht professionellen Helfern öffnen. „Sie verarbeiten vieles über das Malen“, sagt die Mutter. Die Wände der Wohnung sind voller Bilder. Immer wieder muss sie Malblöcke und Farben kaufen – Kleinigkeiten, die dennoch Geld kosten, das sie nicht hat. Dazu kommen weitere wichtige Ausgaben für die Kinder wie Klassenfahrten oder neue Schulmaterialien. „Ständig das Geld zählen zu müssen, macht mich fertig.“

Der Alltag der Familie ist eingeschränkt, die Angst bleibt. Katharina L. hat alle spitzen Gegenstände aus der Wohnung entfernt. In Gegenwart von Männern fühlt sie sich unwohl, sie fühlt sich beobachtet. Die Tür ist immer verriegelt, die Rollos sind unten. Sie und ihre Töchter schlafen schlecht, leiden unter Albträumen.

Auch die Geburtstage ihrer Töchter feierten sie in diesem Sommer zum ersten Mal ohne den Vater. Dennoch freuen sich alle auf Weihnachten – „die schönste Zeit im Jahr“, wie Katharina L. sagt. Gerne würde sie ihren Töchtern etwas schenken.

Spenden an

Der Verein „Hilfe für Nachbarn“ unterstützt Menschen aus der Region, die unverschuldet in Not geraten sind. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, insbesondere „Katharina L.“  helfen wollen, überweisen Sie Ihre Spende auf das Konto von „Hilfe für Nachbarn“ bei der Sparkasse mit dem Verwendungszweck „Katharina L.“ Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Für Beträge von mehr als 300 Euro gibt es eine Quittung (Adresse vermerken). Für kleinere Beträge reicht der Kontoauszug zu Vorlage beim Finanzamt.

IBAN: DE 29 7805 0000 0220 0204 16 BIC: BYLADEM1HOF