37 Jahre lang führen sie eine glückliche Ehe, sind füreinander da, durchleben Höhen und Tiefen, ziehen ihre Kinder groß. Bis vor drei Jahren eine Diagnose das Glück zerstört: Brustkrebs.
Familiendrama im Landkreis Wunsiedel: Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau kämpft Matthias T. mit Trauer und Geldsorgen. Sein Sohn will ihm helfen – und stößt dabei an Grenzen.
37 Jahre lang führen sie eine glückliche Ehe, sind füreinander da, durchleben Höhen und Tiefen, ziehen ihre Kinder groß. Bis vor drei Jahren eine Diagnose das Glück zerstört: Brustkrebs.
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Zunächst scheint die Krankheit besiegt. Doch vor einem halben Jahr stellen die Ärzte erneut Metastasen fest. Gerda T. geht immer wieder ins Krankenhaus, wird operiert. Und immer wieder flammt Hoffnung auf: Ist der Krebs nun endgültig besiegt?
Es ist der 22. November, als Theodor T. ein Anruf seines Vaters erreicht. Seit fünf Stunden sitzt seine Mutter auf der Toilette, kann sich plötzlich nicht mehr bewegen. Keine Zeit zu verlieren: Im Krankenhaus folgt sofort die Notoperation.
In ihren letzten Tagen geht alles rasend schnell. „Mutterkrebsbefall“ lautet die Diagnose. Die Metastasen verteilen sich wie Ameisen in ihrem Körper – in Wirbelsäule, Rückenmark, Beine, Gehirn, Leber. Eine Bestrahlung ist nicht mehr möglich. Ihr Zustand verschlechtert sich immer weiter. Gerda T. spricht nicht mehr, ist gelähmt, nimmt immer weniger wahr. Ihr Sohn spürt, dass sie sich dem Ende nähert. Am Ende dringt Wasser in ihre Lunge. Um 5.50 Uhr, sechs Tage nach der Einlieferung ins Krankenhaus, stirbt sie. Ausgerechnet dort, wo sie ihren Sohn vor 33 Jahren zur Welt brachte.
Als Theodor T. die Geschichte zum ersten Mal per Telefon erzählt, steht er vor der Arztpraxis. Der 33-Jährige redet hektisch, hat nur einen kurzen Moment Zeit. Im Anschluss wartet ein Gespräch mit der Ärztin: Sie soll seinen Vater Matthias T. überzeugen, ins Krankenhaus zu gehen. Warum? „Ich kann es nicht zulassen, dass innerhalb von zwei Wochen mein Vater und meine Mutter sterben.“
Seit dem Tod seiner Frau versinkt Matthias T. in tiefer Trauer. Er isst kaum, trinkt kaum, lässt sich gehen. „Fix und fertig“, beschreibt sein Sohn seinen miserablen Zustand. Zur Trauer gesellen sich finanzielle Sorgen. Niemand – weder der Ehemann noch der Sohn – hat eine Vollmacht für das Konto der Verstorbenen. Weiterhin läuft dort das Wohngeld ein, doch niemand kann das Geld abheben.
Vor ein paar Tagen wollte Theodor T. Geld vom Konto seiner Mutter abheben. Die Bank zog die Karte ein. Der Berater erklärte ihm, dass niemand auf das Konto zugreifen könne, weil sein Vater keine Vollmacht besitzt. Daraufhin reichte der Sohn die Sterbeurkunde ein. Nun liegt der Fall beim Nachlassgericht. Bis zur Entscheidung bleibt das Konto gesperrt. Die Bearbeitung wird wohl mehrere Monate dauern, schätzt er.
Dabei wäre gerade jetzt dringend Geld nötig. Finanziell bewegt sich Rentner Matthias T. am unteren Ende. Das zeigt die Rechnung, die sein Sohn am Telefon wiedergibt: 700 Euro Rente, 720 Euro Miete. Hinzu kommen Strom, Gas, Lebensmittel. Vor Kurzem kaufte sich die Familie ein neues Auto – die Raten laufen weiter. Auch die Wohnung des Vaters ist in schlechtem Zustand. Finanziell sind die Hinterbliebenen dringend auf Unterstützung angewiesen – deswegen wendet sich Theodor T. verzweifelt an unsere Zeitung: „Ohne Hilfe schaffen wir das nicht.“
Wenn es seinem Vater Matthias T. besser geht, will sich Theodor T. um die Papiere kümmern. Doch zuerst muss der Mann stabilisiert werden. Allein schafft er das nicht. Die einzige Hilfe kommt von seinem Sohn und dessen Frau. „Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll“, sagt Theodor T. Er unterstützt seinen Vater finanziell, aber auch sein eigener Kontostand geht gegen null. Sein letzter Cent floss in Essen und Trinken für den Vater.
Und auch seine eigenen Probleme verschwinden nicht. Erst kürzlich ist Theodor T. umgezogen, hat sich beruflich neu orientiert, zuhause warten die Kinder. „Ich bin jeden Tag nur noch unterwegs“, sagt er. Zeit hat er nicht – weder für eigene Sorgen noch zum Trauern.
Aufgeben kommt trotzdem nicht infrage. Er ist es gewohnt. „Ich habe schon so viel erlebt, das können Sie sich nicht vorstellen.“ Verluste begleiten sein Leben: In jungen Jahren verlor er seinen Bruder, dann beide Großeltern, vor Kurzem starb seine Schwiegermutter in seinen eigenen Händen. „Ich bin immer wieder aufgestanden“, sagt Matthias T., der sich als starken Menschen beschreibt. Geprägt habe ihn seine Mutter. „Sie war eine gute Frau.“
Anfang Dezember wäre Gerda T. 72 Jahre alt geworden. Dieses Jahr feierten Theodor T. und seine Frau ihren Geburtstag am Grab. Sie ließen ein Lied spielen, brachten Luftballons mit, zündeten eine Kerze an. Ihr siebenjähriger Sohn musste zuhause bleiben – zu tief trifft auch ihn die Trauer um seine Oma.
Inzwischen liegt Matthias T. auf der Intensivstation, wie sein Sohn später erzählt. Beinahe hätten seine Nieren versagt. Sein Zustand? „Desolat.“ Noch immer ist der Vater krank vor Sorge. Die Frau fehlt, das Geld fehlt, er weiß nicht, wohin mit sich, wie es weitergeht. Und ausgerechnet jetzt steht Weihnachten vor der Tür – das erste Fest ohne seine Frau.
Der Verein „Hilfe für Nachbarn“ unterstützt Menschen aus der Region, die unverschuldet in Not geraten sind. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, insbesondere „Matthias T.“ helfen wollen, überweisen Sie Ihre Spende auf das Konto von „Hilfe für Nachbarn“ bei der Sparkasse mit dem Verwendungszweck „Matthias T.“ Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Für Beträge von mehr als 300 Euro gibt es eine Quittung (Adresse vermerken). Für kleinere Beträge reicht der Kontoauszug zu Vorlage beim Finanzamt.
IBAN: DE 29 7805 0000 0220 0204 16 BIC: BYLADEM1HOF