Unterstützung bekommt Nathalie B. kaum, im System eckt Richard ständig an. Eine Hoffnung war die Tagesklinik: Dort sollte er mehrere Wochen verbringen. Nach sechs Tagen versuchte er zu fliehen. Dabei zerstörte er ein Bügeleisen, das im Weg lag. Die Klinik schmiss ihn raus. Nathalie B. hatte den Eindruck, als wäre ihr Sohn „zu anstrengend“ für das Personal gewesen. Auch Richard leidet unter der Situation: „Die waren voll gemein“, erzählt er. Er spricht davon, ihnen eine Falle zu stellen.
Eine stationäre Aufnahme wäre machbar – doch dagegen wehrt sich Nathalie B.. „Mein Vertrauen in Institutionen ist weg“, sagt sie. Eigentlich sollte ihr Sohn eine Schulbegleitung bekommen. Die wurde gestrichen: zu teuer. Dabei bräuchte er dringend weitere Unterstützung, vor allem wegen seiner Fluchtversuche. Die Mutter hat bereits Einspruch erhoben – noch hat sie keine Rückmeldung. Seit zwei Jahren steht Richard auf einer Warteliste für Logopädie.
Zu Hause fühlt sich Richard sicher, dort verspürt er keinen Leistungsdruck. „Bei Mama kann er sich aufführen, wie er will“, erzählt Nathalie B.. Draußen ist das anders. Die reizüberflutende Welt überfordert ihn. In der Schule kann er sich in eine dunkle Höhle zurückziehen, wenn ihm alles zu viel wird. Bereits ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt kann ihn aus der Bahn werfen. Oft kommt die Überforderung erst am nächsten Tag an die Oberfläche. „Dann bricht alles aus ihm raus – in extremster Weise.“ Er schreit und weint. Manchmal droht er, indem er eine Hand hebt oder eine Faust formt.
Wenn Richard überfordert ist, flieht er in die Tierwelt. Dann faucht er oder „schlängelt“ sich in schlangenartigen Bewegungen aus der Situation heraus. Der Junge ist fasziniert von Tieren, vor allem von Schlangen und Krokodilen. Auch Musik begeistert ihn: Am liebsten hört er Reggae und Techno. Außerdem ist er kreativ. Schon immer hat er gerne Türme aus Legosteinen gebaut – das hat sich über die Jahre und die Diagnosen hinweg nicht verändert.
Spenden
Hilfe für Nachbarn:
Der Verein „Hilfe für Nachbarn“ unterstützt Menschen aus der Region, die unverschuldet in Not geraten sind. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, insbesondere Nathalie B. helfen wollen, überweisen Sie Ihre Spende auf das Konto von „Hilfe für Nachbarn“ bei der Sparkasse mit dem Verwendungszweck „Nathalie B.“ Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Für Beträge von mehr als 300 Euro gibt es eine Quittung (Adresse vermerken). Für kleinere Beträge reicht der Kontoauszug zu Vorlage beim Finanzamt.
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