Himmelkron Anfassen ausdrücklich erwünscht

Werner Reißaus

"Touch and turn" heißt das neue Kunstwerk von Ursula Opitz-Böhm in der Baille-Maille-Allee. Am Freitag hat es der Förderkreis enthüllt.

Das neue Kunstobjekt von Ursula Opitz-Böhm, hier im Bild mit ihrem Ehemann Professor Gerhard Böhm: Ein halbierter Farbkreisverlauf aus gleich großen, quadratischen, drehbaren Elementen, rückseitig mit den Komplementärfarben versehen, erlaubt eine vielseitige Interaktion. An der Enthüllung des Kunstwerks am Freitag konnte die Künstlerin nicht selbst teilnehmen. Foto: Werner Reißaus Quelle: Unbekannt

Himmelkron - Der Förderkreis zur Erhaltung und Verschönerung der Kulturlandschaft im Bereich der Gemeinde Himmelkron hat am Freitag das Kunstwerk "Touch and turn" der heimischen Künstlerin Ursula Opitz-Böhm enthüllt und der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist ein farbenfrohes Kunstwerk, das dem Besucher am Ende der Baille-Maille-Allee durch Sehen, Berührung und Veränderung ermöglicht, mit dem Objekt in Kontakt zu kommen und quasi zu kommunizieren. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde durch Dr. Anette Mytzka und Mirjam Mytzka. Als Dank für die Unterstützung eines weiteren Projektes, das im Frühjahr nächsten Jahres abgeschlossen sein wird, wurde Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz ein Lindenbaum gewidmet.

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Das Kunstwerk

Das neue Kunstobjekt von Ursula Opitz-Böhm, ein halbierter Farbkreisverlauf aus gleich großen, quadratischen, drehbaren Elementen, rückseitig mit den Komplementärfarben versehen, erlaubt eine vielseitige Interaktion. Es können Farbverläufe entwickelt oder unterbrochen, dunkle durch helle, kalte durch warme Töne ersetzt oder nur einzelne Farben verändert und dadurch immer neue Farbklänge entdeckt werden. Das Objekt besteht aus 24 drehbaren Farbtafeln. Die Variationen sind unbegrenzt. Mathematisch ergeben sich 16 777 216 Möglichkeiten. Die Künstlerin beschreibt ihr Werk so: "Mit Reihung, Versatz, Linien, Struktur durch Schrägstellung der Quadrate, sich leiten lassen vom eigenen Empfinden und Befinden, um am Ende im Grün der Natur eine selbst geschaffene farbige Komposition zurückzulassen, für sich selbst, für den nächsten Betrachter, ein Zeitzeichen."


Vorsitzende Inge Tischer verwies darauf, dass es seit vielen Jahren das Ziel des Förderkreises gewesen sei, in der Allee für Konzerte und andere Veranstaltungen "Theaterhäuser" zu errichten. Das sei in den Jahren 2012 bis 2014 im Rahmen eines Leader-Projektes verwirklicht worden. Wunsch sei auch gewesen, die 2004 auf Initiative von Professor Gerhard Böhm und Reinhard Stelzer entstandene Kunstmeile mit damals sieben Werken oberfränkischer Künstler zu erweitern. 2011 und 2016 kamen zwei weitere Werke hinzu. "Dass wir heute das Kunstobjekt ,Touch and turn’ von Ursula Opitz-Böhm enthüllen können, haben wir glücklichen Fügungen zu verdanken."

Mit dem Regionalbudget der ILE "Fränkisches Markgrafen- und Bischofsland" hatte der Förderkreis eine Chance gesehen, das Kunstwerk zu finanzieren. Inge Tischer dankte den Verantwortlichen der ILE, die das Werk als förderfähig beurteilt und auch eine Förderzusage gegeben haben: "Ohne die Förderung der ILE stünden wir heute nicht hier, denn die Gesamtkosten wären für den Förderkreis untragbar gewesen. Dank der Zusammenarbeit aller Beteiligten konnte unter großem Zeitdruck ein Kunstwerk geschaffen werden, welches ein weiteres Highlight in unserer Allee darstellt."

Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz erinnerte zunächst an die barocken Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth, die das einstige Zisterzienserkloster Himmelkron zum Sommerschloss umgestalteten. In diesem Zusammenhang wurde in den Jahren 1662/63 eine erste Lindenallee gepflanzt, die aber nach dem Ende der Markgrafenzeit im Jahr 1792 rigoros abgeholzt wurde. Piwernetz: "Es ist dem Förderverein zu verdanken, dass die Allee ab 1986 wieder erstanden ist. Dass mir heute eine Linde gewidmet wird, ehrt mich ungemein." Mit Blick auf das neue Kunstwerk stellte die Regierungspräsidentin fest, dass es dem umtriebigen Förderverein gelungen ist, mit einer modernen Kunst-Installation einmal mehr den Blick der Öffentlichkeit auf die Allee zu richten: "Heute wird die Kunstmeile, eine Galerie unter freiem Himmel, um ein Werk der Diplom-Designerin Ursula Opitz-Böhm erweitert." Ursula Opitz-Böhm habe zusammen mit ihrem Ehemann Gerhard Böhm - beide leben seit einem halben Jahrhundert in Himmelkron - das kulturelle Leben vor Ort, aber auch weit darüber hinaus in der Region bereichert.

Das neue Kunstwerk "Touch and turn" will nach den Worten von Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz nicht ehrfurchtsvoll angestaunt, sondern angefasst werden: "Der Betrachter wird zum Akteur, er gestaltet selbst. Die beweglichen Farbtafeln bieten dazu viele Chancen, denn über 16 Millionen Kombinationen sind möglich. Wenn jede Stunde eine andere Variante hergestellt würde, Tag und Nacht, dann wären ums Jahr 3950 herum alle Optionen durchprobiert, ein faszinierender Gedanke." Piwernetz betonte, dass eine barocke Allee und moderne Kunst durchaus zusammenpassen. Beides werde einander bereichern: "Die nach barockem Vorbild angelegte, für ein untergegangenes Spiel bestimmte Allee wird durch die Kunstmeile gleichsam in die Gegenwart geholt. Die Kunst erhält durch die Baumreihen einen einzigartigen Rahmen. Geschichtsbewusstsein und Kunstpflege sind hier ein inniges, fruchtbringendes Miteinander eingegangen."

In den weiteren Grußworten hoben Landrat Klaus Peter Söllner und Bürgermeister Gerhard Schneider die Bedeutung der Baille-Maille-Allee nicht nur für die Gemeinde Himmelkron, sondern für die gesamte oberfränkische Region hervor. In seiner Eigenschaft als Bezirksrat machte Söllner deutlich, dass in Sachen Kunst und Kultur in Oberfranken vieles ohne das segensreiche Wirken der Oberfrankenstiftung nicht möglich wäre. Söllner würdigte auch die Unterstützung der ILE bei diesem Kunstwerk. Das Kunstwerk bezeichnete der Landrat als etwas Besonderes, weil es zum Mitmachen einlädt und gerade jüngeren Menschen viel Spaß machen wird. Bürgermeister Gerhard Schneider gratulierte zu einem gelungenen Kunstwerk, das die Baille-Maille Allee ohne Zweifel bereichere. Auch Schneider stellte die ILE heraus, die das neue Kunstwerk entscheidend gefördert habe. Mit einem Zitat von Pablo Picasso beendete Vorsitzende Inge Tischer die Feierstunde: "Die Kunst wäscht den Staub das Alltags von der Seele."

An der Fertigung des Kunstwerkes waren beteiligt: Corinna und Klaus Seifert von Zanner Fahrzeugbau GmbH, Himmelkron, Walter Herold von der Metallbau GmbH aus Schwarzenbach/Saale, Roh-Bau Egon Rohleder, Ködnitz, und Reinhard Jahreis, Möbelschreinerei Lanzendorf.

Ursula Opitz-Böhm, der es nicht möglich war, persönlich mit ihrem Ehemann an der Vorstellung ihres Kunstwerks teilzunehmen, ließ in einem Grußwort durch Vorsitzende Inge Tischer verlesen: "Die Idee zu ,Touch and turn" war schon lange geboren. Deshalb freue ich mich besonders, dass sie nun in die Realität umgesetzt wurde. Dies ist auch der Tatsache zu verdanken, dass sich zur rechten Zeit am rechten Ort die richtigen Persönlichkeiten zusammengefunden haben." Die Künstlerin dankte besonders Inge und Erwin Tischer, die mit Elan und Ausdauer das Projekt tatkräftig begleitet haben.