Hobby-Künstler aus Wunsiedel Eine Wurzelbehandlung der anderen Art

Horst Schubert genießt sein Reich, vor ihm einer der von ihm gefertigten außergewöhnlichen Tische. Foto: /Christian Schilling (2); pr. (2)

Holz in allen Variationen ist das Hobby des Wunsiedlers Horst Schubert. So wird zum Beispiel aus dem Stock einer Fichte ein Blickfang in Form eines Tisches.

Ein kleines, fast mediterran anmutendes Paradies hat sich Horst Schubert in seinem Garten in der Dr-August-Tuppert-Straße in Wunsiedel geschaffen. Übermannshohe Palmen wechseln zwischen Blumenbeeten mit Bonsais und Kakteen. Dazwischen immer wieder Skulpturen aus Stein und Holz. Ab der Abenddämmerung erleuchtet das einer Parkanlage ähnliche Areal in Rot und Neonblau. „Die meisten meiner Werke sind aus weggeworfenen oder ausgemusterten Sachen entstanden“, betont der Wunsiedler mit Blick auf ein besonders gelungenes Stück – einem Tisch aus einer Fichtenwurzel.

Upcycling nennt man das wohl auf Neudeutsch. „Ich mache aus alten Sachen etwas Neues“, lacht Schubert. Seit zwei Jahren ist der Rentner quasi im sprichwörtlichen Unruhestand. Handwerklich begabt sei er schon immer gewesen. Das erschließt sich auch aus seinem Arbeitsleben. Gelernt hat der 65-Jährige Flaschner, arbeitete fünf Jahre „in der Weberei“, schließlich 35 Jahre in der Fatex, ehe er bis zu seiner Rente im Bauhof der Stadt Wunsiedel tätig war. „Das war der schönste Job“, sagt Schubert. Noch immer habe er Kontakt zu seinem ehemaligen Chef Hubert Steinberger. Der wusste, dass sich Schubert seit seinem Ruhestand sehr viel mit Holz und vor allem mit Wurzeln beschäftigte.

Fichte mit Wucherung

Steinberger war es dann auch, der den Hobby-Tischler auf ein besonderes Stück aufmerksam machte, das die Stadtarbeiter bei Baumfällarbeiten im Stadtwald gefunden hatten: den Wurzelstock einer Fichte mit einer enormen Wucherung am Wuchsansatz. Mit Spitzhacke und Motorsäge bewaffnet machte sich Schubert ans Werk, den ungewöhnlichen Fund auszugraben. Dabei hatte es bereits frisch geschneit. „Zum Glück war der Boden noch nicht gefroren“, erinnert sich der 65-Jährige.

In seiner Werkstatt im Keller seines Hauses begann er schließlich, das unförmige Holzteil in Form zu bringen. „Manchmal liege ich nächtelang wach, bis mir ein Verwendungszweck einfällt“, erklärt der Familienvater. Bei der Wurzel sei ihm aber schnell die Idee gekommen, einen Tisch daraus zu fertigen. Nachdem der Stock getrocknet, von Rinde befreit, lasiert und per Motorsäge ins Lot gebracht worden war, montierte Schubert eine runde Glasplatte, wobei die Wucherung als stabiles Standbein und die Wurzelausläufer als Halterung dienten. Die Glasplatte habe er geschenkt bekommen.

Lampe aus Wurzel

Geld gebe er allenfalls für die Beleuchtung aus, so auch bei seinem ersten Kunstwerk, einer Stehlampe, die ebenfalls aus einer Wurzel entstand und seither sein Wohnzimmer ziert. „Wenn es geht, mache ich aus Blödsinn etwas Schönes“, schmunzelt der Rentner. Und so gestaltete er aus den Bohlen seines alten Balkons eine Terrasse im Garten. Als Abgrenzungen dienen Metallbögen aus dem Jugendbett seiner 26-jährigen Tochter.

Frei nach Michelangelo sieht der Autodidakt die Formen bereits in den Materialien, muss sie nur von allem Überflüssigen befreien. Und so entstehen aus alten Balken, Leimholz und PVC-Rohren neue Gestalten, hauptsächlich Tiere von der Schnecke bis zum Vogel, aber auch Schalen, Blumenvasen und Skulpturen. Schöpferisch tätig wird Schubert meist am Vormittag.

Am späten Nachmittag geht es dann zum Dämmerschoppen zu den Griechen des ASV Wunsiedel, obwohl er mit Fußball wenig am Hut habe. Und dies, obwohl Schubert früher sportlich sehr aktiv in verschiedenen Kampfsportarten war. Zudem ist er immer noch amtierender Mr. Wunsiedel, da er den bislang einzigen Bodybuilding-Wettbewerb gewonnen hat, der damals in den 80er-Jahren in der Fichtelgebirgshalle stattfand. „Damals hat noch keiner irgendwelche Mittelchen eingenommen“, sagt der Familienvater. Aktiv war er auch als Falkner mit einer Voliere für einen Wüstenfalken im Garten sowie als Züchter von Frettchen. Auch war er als Mitveranstalter eines Country-Festivals beteiligt, da seine Frau eine begeisterte Line-Dancerin ist.

Palmen im Garten

Sein neuestes Faible ist das Malen. Und so hängen auch bereits verschiedene Bilder an den Wänden seines Hauses. Einige seiner Stücke stellt Horst Schubert in einem Schaufenster des ehemaligen Haushaltswarengeschäft Povenz in der Ludwigstraße aus. Für Interessierte ist dort auch die Handynummer von Schubert zu finden. Auch wenn er sich nur ungern von seinen Werken trennt: Abschied nehmen muss der Pflanzenliebhaber allerdings von seinen Palmen im Garten: „Der Raum für die Überwinterung der Palmen ist nicht mehr hoch genug.“

Schubert hofft nun auf Abnehmer für die riesigen Pflanzen, ebenso wie für einige seiner Werke.

Autor

 

Bilder