Höllentalbahn Gutachten dämpft Chancen

Entsteht hier eine neue Strecke? Die Chancen stehen nicht gut, dass der alte Waggon weichen muss, damit in Zukunft im Höllental wieder Züge fahren. Foto: Manfred Köhler

Der mögliche Bau der Höllentalbahn unterliegt strengsten Umweltschutzrichtlinien. In Blankenstein präsentiert die thüringer Staatsregierung das, was unsere Zeitung bereits exklusiv vermeldete.

Blankenstein - Auf großes Interesse ist am Dienstagnachmittag die Vorstellung des Umweltverträglichkeits-Gutachten für eine etwaige Reaktivierung der Höllentalbahn gestoßen. Rund 100 Teilnehmer hatte sich zur Präsenz-Veranstaltung in den Rennsteigsaal in Blankenstein eingefunden. Mehrere Dutzende weitere Interessierte nutzten das Angebot des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft (TMIL), die Konferenz online zu verfolgen und per Chat Fragen zu stellen.

Ob die Höllentalbahn nun tatsächlich reaktiviert wird oder nicht, diese Frage wurde während der zweistündigen Informationsveranstaltung nicht beantwortet. Staatssekretärin Susanna Karawanskij hob hervor, dass es sich bei dem nun vorliegenden Gutachten um den ersten Schritt handelt.

„Auswirkungsabschätzungen der Reaktivierung der Höllentalbahn“ lautet der Titel der Untersuchung, mit dem das TMIL das Nürnberger Gutachterbüro Anuva beauftragt hatte. Gegenstand der Expertise war nur das Höllental zwischen Hölle und der Landesgrenze, das nicht nur ein Naturschutzgebiet ist, sondern als FFH- und Natura-2000-Gebiet sowie im Bereich des Grünen Bandes einen besonders hohen Schutzstatus hat.

Die Anuva-Gutachter Tanja Weinhold und Klaus Albrecht hatten keine Kartierungen nach einzelnen Tier- und Pflanzenarten vorgenommen, sondern die verschiedenen Lebensräume im Höllental untersucht sowie die Auswirkungen, die eine reaktivierte Bahn auf der historische Trasse für diese Lebensräume hätte. Dabei geht es um die Buchenwälder in den höheren Bereichen, um die Schlucht- und Hangmischwälder sowie um die Auenwälder mit Erlen, Eschen und Weiden. Die beiden letzteren Lebensräume sind dem Gutachten zufolge der Knackpunkt. „Die entscheidende Hürde für die Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens ist die Unvereinbarkeit mit den Schutzzielen des FFH-Gebietes Selbitz, Muschwitz und Höllental“, lautet das Fazit der Gutachter.

Bedingt durch einen je neun Meter breiten Freihaltestreifen vor hohen Bäumen beiderseits der Bahntrasse würden die Schlucht- und Hangmischwälder sowie die Auenwälder einen zu hohen Anteil einbüßen, erläuterten die Anuva-Mitarbeiter. Um das Ziel einer Bahnstreckenreaktivierung weiter verfolgen zu können, sei der Nachweis eines gewichtigen öffentlichen Interesses an dem Bauvorhaben sowie die Prüfung von Alternativen nötig.

Der Quellschutz im Bereich des Höllensprudels sowie der bewohnte Abschnitt des Selbitztals zwischen Hölle und Marxgrün waren nicht Gegenstand der Untersuchungen. Nach der Vorstellung des Gutachtens fand eine einstündige Diskussion statt, bei der Befürworter und Gegner der Höllentalbahn leidenschaftliche ihre Positionen darlegten.

 

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