Hof Alles andere als ein Spielzeug

Am Hofer Schiller-Gymnasium sind Tablet-Computer keine blinkenden Sensationen mehr für die Schüler. Ganz selbstverständlich arbeitet man dort mittlerweile in der Unterstufe mit den Geräten.

Hof - Mathelehrer Stefan Bäumler fotografiert die Hausaufgabe von Leonhard mit seinem Tablet. Zwei Klicks. Nur wenige Sekunden dauert es und der Heft-Eintrag des Sechstklässlers strahlt über einen Apple TV gut sichtbar an der Wand. Die Mitschüler können die Verbesserungen des Lehrers nun Schritt für Schritt nachvollziehen. Rotes Häkchen hinter Aufgabe eins, rotes Häkchen hinter Aufgabe zwei, Gekritzel und Korrekturen bei Aufgabe drei. Bruchrechnung bleibt eben Bruchrechnung und zuweilen schwierig - auch wenn man mit neuester Technik lernt.

In der Unterstufe des Hofer Schiller-Gymnasiums pendeln Lehrer und Schüler ständig zwischen der digitalen und der analogen Welt. Der Unterricht ist in den vergangenen Jahren hochmodern geworden. So modern, dass Lehrer von anderen Schulen und sogar Mitarbeiter des Klett-Verlages an der Schule hospitieren, um sich Anregungen für die Weiterentwicklung seiner elektronischen Schulbücher zu holen (wir berichteten).

Vier fünfte Klassen und drei in der sechsten Jahrgangsstufe arbeiten seit Beginn ihrer Gymnasium-Laufbahn am "Schiller" neben Büchern und Heften mit personalisierten I-Pads (wir berichteten ausführlich). Das bedeutet, die Geräte gehören den Schülern beziehungsweise wurden von ihren Eltern gekauft. Das sei das einzig sinnvolle Modell, um mit neuen Medien für die Schule arbeiten zu können, sagt Lehrer Stefan Bäumler, Mitglied der erweiterten Schulleitung und Initiator der I-Pad-Klassen.

Das liebe Geld

Bei der Umsetzung von Tablet-Klassen ist oft die Finanzierung ein Problem. Zwar stellt die Bundesregierung Fördermittel aus dem Digitalpakt zur Verfügung, diese Gelder dürfen jedoch nur für die Schulausstattung, also zum Beispiel Wlan, aber nicht für private Geräte nach dem Modell des Schiller-Gymnasiums verwendet werden.

Schulleiterin Anke Emminger bedauert das. Sie wünscht sich eine Anerkennung von Tablets als offizielles Lernmittel, die Schüler kostenlos wie etwa Bücher vom Staat zur Verfügung gestellt bekommen. So müssten Eltern nicht mehr zur Kasse gebeten oder Sponsoren akquiriert werden. Das „Schiller“ hatte im ersten Jahr des Tablet-Projekts in der Rehauer Firma Lamilux und der Frankenpost Förderer gefunden.

„Wir müssen die Kinder für eine Welt ausbilden, in der diese Geräte eine Rolle spielen“, sagt Emminger. Dafür fehle es auch an einem ganzheitlichen Konzept seitens des Kultusministeriums: „Momentan entwickeln viele Schulen ihr eigenes Finanzierungs-Modell – das ist unsinnig“, sagt Emminger. Sie appelliert für einen zentral organisierten Finanzierungs-Plan, um die Zukunft nicht zu verschlafen. „Wir freuen uns zwar über unser Alleinstellungsmerkmal und darüber, dass andere Schulen von unseren Erfahrungen profitieren, aber eigentlich müsste es ein Konzept für alle bayerischen Schulen geben.“ aks

"Die Sechstklässler sehen das Tablet mittlerweile als Arbeitsgerät an - und nicht als Spielzeug." Weil die handlichen Computer regelmäßig im Unterricht und auch bei Hausaufgaben zum Einsatz kommen, hätten sie für die Schüler den "Reiz des Neuen" verloren, erklärt Schulleiterin Anke Emminger. Davon habe der Unterricht maßgeblich profitiert, da es in der Klasse nicht mehr unruhig werde, bloß wegen der Geräte selbst. "Außerdem muss man den I-Pad-Schülern nichts mehr zur Handhabung erklären oder technische Hinweise geben", berichtet Bäumler. In herkömmlichen Klassen hingegen, in denen man die Tablets nur hin und wieder ausleihe, gehe ein Großteil der Zeit dafür verloren.

Wie geschickt die I-Pad-Schüler im Umgang mit den Tablets sind, zeigt ein weiteres Beispiel aus Bäumlers Mathe-Unterricht in der sechsten Klasse: Eingeteilt in Gruppen sollen die Schüler mittels eines Programms eine Präsentation über die verschiedenen Arten von Brüchen erstellen. In flinken Bewegungen lassen die Kinder ihre Finger über die Oberflächen der I-Pads gleiten: "Warte ich lade dich schnell per E-Mail ein", sagt ein Mädchen zu ihrer Mitschülerin, damit diese Zugriff auf das bereits gemeinsam erarbeitete Material bekommt.

Die smarten Geräte sollen die Kinder im Unterricht auf eine digitale Berufswelt vorbereiten - Präsentationen halten gehört da zum Alltag. Aber auch für den Schulalltag bringen die Geräte Vorteile. Vor allem in den Sprachen, wie man im Englischunterricht bei Lehrer Nicolas Zehe sieht: Die Klasse sieht sich den Dialog einer zuvor im Buch gelesenen Szene nochmals als Video an - in der elektronischen Version des Schulbuchs ist der Clip abrufbar. Auch von digitalen Quizzen, die er dank der Technik nun mit seinen Schülern spielen kann, ist der Lehrer begeistert: "Den Schülern macht das total Spaß und ich kann ganz unkompliziert sehen, ob sie den Stoff verstanden haben." Die Multiple-Choice-Aufgaben werden an die Wand projiziert. Die Schüler schalten sich über ihre Tablets als Kandidaten zu.

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