Hof Bläserkonzert in der Freiheitshalle

Gut 1000 Zuhörer bejubeln die etwa 200 jugendlichen Musikerinnen und Musiker. Das Konzert ist so unterhaltsam wie berührend.

Als das Licht im Großen Haus der Freiheitshalle ausgeht und Rainer Streit, der Leiter des ersten Ensembles,  die Bühne betritt, rechnet jeder mit einem schwungvollen Auftakt der jüngsten Schülerinnen und Schüler des Abends. Doch stattdessen nimmt der Tubist der Hofer Symphoniker sein Instrument selbst in die Hand, dreht sich zum Publikum und spielt die ersten Töne eines Welthits von Louis Armstrong. Zeitgleich betritt von links der Moderator des Abends, Florian Spieler, die Bühne und singt die letzte Zeile dann sogar mit: What a Wonderful World. Ein Gänsehautmoment.

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Während Streit unter dem Applaus der knapp 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer die Bühne verlässt, eröffnet Spieler den Abend. Es soll nicht der einzige Hinweis auf die aktuelle weltpolitische Situation sein, doch dieser ist eindringlich: „Louis Armstrong hat den Ersten  Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg erlebt   und hat es trotzdem geschafft, in diesem Lied das Schöne der Welt zu beschreiben.“ Und auch Spieler sieht das Schöne im Saal: Kinder, die zusammen mit ihren Freunden und Klassenkameraden ein Konzert für ihre Eltern spielen, die nicht im Krieg, sondern hier in der Hofer Freiheitshalle sitzen. „Wenn Sie heute Abend schlechte Gedanken haben, lassen sie die Musik diese einfach aus ihrem Kopf tragen. Und wer das mit dem ,Da rein, da raus!’ nicht beherrscht, der fragt einfach seine Kinder, die sind darin ja Experten!“,  sagt der Moderator,  bevor er  zu den Hauptakteuren des Abends kommt: den Musikerinnen und Musiker.

„Playing Together, So Much Better“,   könnte auch das Motto des Abends lauten, aber es ist der Name des ersten Stückes. Dargeboten wird es von der Bläserklasse der 5. Jahrgangsstufe des Schiller-Gymnasiums in Kooperation mit der Musikschule der Hofer Symphoniker. Nach über einem halben Jahr Unterricht am Instrument das erste Konzert für die Schülerinnen und Schüler.

Dr. Anke Emminger, Schulleiterin des Schiller-Gymnasiums, hat dann ebenfalls Premiere: Zum ersten Mal darf sie ein Konzert ihrer Schule eröffnen. Für sie geht damit ein Wunsch in Erfüllung,  und das, da sie seit bereits fast 1000 Tagen im Amt ist.

Und die jungen Musikerinnen und Musiker der 5. Jahrgangsstufe haben ihren ersten Auftritt noch nicht beendet: Mit „Cyclist in Moscow“ präsentieren sie bereits gewandt die filigranen Klänge des Jacob-de-Haan-Stücks, bevor dann zum „Hard Rock Blues“ Slawek Dudar die Leitung übernimmt, um zusammen mit dem Ensemble die nächsten schwungvollen Klänge in den Raum zu zaubern. Die Zuschauer sind begeistert und spenden den Schülerinnen und Schülern den ersten Applaus ihrer noch jungen musikalischen Karriere.

Den möchte sich im Anschluss auch die Bläserklasse der 6. Jahrgangsstufe des Schiller-Gymnasiums verdienen. Obwohl diese bereits seit über eineinhalb Jahren ihre Instrumente erlernen, ist auch für sie dies coronabedingt das erste Konzert. Und welcher Titel könnte die freudigen Emotionen besser ausdrücken als Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“? Ein Auftritt mit viel Forte, erstmals unter der Leitung von Elisabeth Nußrainer.

An die schwungvolle Darbietung des „Trombo Mambo“, der ein bisschen kubanisches Flair ins an diesem Abend regnerische Hof bringt, schließt sich dann die Premiere von „The Music Mill“ an. Ebenfalls neu als Dozentin der Bläserklasse, gibt Ji Eun Kim ihr Debüt am Dirigentinnenpult des Bläserensembles.

Die nächste Stufe der Bläsermusik betritt im Anschluss die Bühne: Das Jugendblasorchester Hof. Hier steht erstmals Benjamin Sebald am Dirigentenpult. Der Fachbereichsleiter für Schulen der Hofer Symphoniker wird vom Moderator als „Mann des Abends“ angekündigt, der an der Spitze eines großen Teams am Ende der Zeit strikter Coronaauflagen sofort ein Konzert im großen Stil auf die Beine gestellt hat. Und musikalisch dreht er mit den Musikerinnen und Musikern der Mittelstufe des Schiller-Gymnasiums den Lautstärkeregler gleich ein ganzes Stück nach oben: „They are Coming“ demonstriert eindrucksvoll die Kraft eines Bläserorchesters, bevor dann die Klänge des „The Mamas and the Papas“-Klassikers „California Dreamin‘“ das Publikum schon fast zum Mitsingen bewegen.

Beim „The James Bond Theme“ wartet man dann darauf, dass im Hintergrund sich jemand im Lauf einer Pistole bewegt, um sich dann schwungvoll in Richtung Publikum zu drehen. Während James Bond in Person ausbleibt, ist die Musik doch sehr nahe am Original. Das Publikum feiert die Darbietung mit frenetischem Applaus.

Für das nächste Ensemble hat Benjamin Sebald extra den Namen des Abends angepasst: „Konzert live“ nennt er ihn, da im nächsten Orchester nicht nur Bläser sitzen, sondern auch Streicher. Es ist das Jugendsymphonieorchester Hof. „Der Applaus ist das Brot des Künstlers“, kündigt der Moderator das Ensemble an,  und Benjamin Sebald möchte an diesem Abend so vielen Jugendlichen wie möglich den wohlverdienten Applaus zukommen lassen. Das Orchester, in dem sich Schülerinnen und Schüler aus insgesamt zehn Schulen aus ganz Hochfranken befinden, bestechen durch die zauberhaften Klänge von Ralph Fords „Bellingrath Gardens“, bevor sie dann mit dem „Lascia Ch’io Pianga“ aus der Feder Georg Friedrich Händels die Gesamtheit musikalischer Klasse des jungen Symphonieorchesters darbieten.

Anschließend dirigiert Benjamin Sebald das „Dark Adventure“, bevor sie dann mit der Filmmusik der Neuauflage des Westernklassikers „The Magnificent Seven“ das Publikum musikalisch in die weite Steppe des Wilden Westen versetzen.

Vor dem letzten Orchester ergreift die Intendantin der Hofer Symphoniker, Cora Bethke, das Wort. Sie lässt es sich nicht nehmen, allen Musikerinnen und Musikern des Abends von ganzem Herzen zu danken,  und betont die Wichtigkeit der Musik in der heutigen Zeit, da diese so viele Grenzen überwinden kann.

Seit 20 Jahren besteht die erfolgreiche Kooperation im Bläserklassenbereich zwischen dem Hofer Schiller-Gymnasium und der Musikschule der Hofer Symphoniker nun schon.

Es ist also auch ein Jubiläumskonzert, an dessen Ende das als „Spitze der orchestralen Musik“ angekündigte Symphonische Blasorchester Hof spielt. Erneut unter der Leitung Benjamin Sebalds, spielen die rund 80 Schülerinnen und Schüler die Stücke „Olympic Fire“, von Michael Geisler, und „Mountain Wind“ von Martin Scharnagl. Man merkt, es ist die junge Creme de la Creme der Hofer Bläserkunst, die hier auf der Bühne sitzt. Sie begeistern das Publikum mit filigranen Wechseln zwischen dem kraftvollen Fortissimo einer Trompete und dem zarten Pianissimo einer Querflöte.

Der Applaus des Publikums geht dann nahtlos über in die an all diejenigen, die geholfen haben, den musikalischen Betrieb auch während der Coronazeit aufrecht zu erhalten.

„Heute gibt es keine Zugabe, wegen gestiegener Heizkosten“, scherzt Florian Spieler dann zum Abschluss und kündigt mit „Palladio“ und „Oregon“ die letzten beiden Stücke eines musikalischen Abends an, der Lust auf mehr macht und schon fast wieder an früher erinnert. Und so werden am Ende die gut 200 Mitwirkenden vom Publikum gefeiert und bejubelt. What a Wonderful world!