Hof - "Was Gott tut, das ist wohlgetan." Wirklich? Auch ausgehärteten Christenmenschen kommen schon mal Zweifel. Wer das finstere Tun und Trachten der Menschheit beobachtet - wie darf sich der einen Himmel voll lichter Liebe zur Welt vorstellen? Wer jetzt in Hof jener Choralzeile zuhörte - wie sollte der das Werk, das da in Sankt Michaelis erklang, für eine Frohbotschaft halten? Vielmehr vollzog sich dort eine alt- und weltbekannte, gleichwohl immer aufs Neue himmelschreiende Tragödie um Güte und Verrat, Erniedrigung und Foltertod: "Die Passion" des Jesus von Nazareth, wie sie der halbvergessene Spätromantiker Heinrich von Herzogenberg in einem "Kirchen-Oratorium" vertonte, setzte am Karfreitag eine Reihe von Aufführungen fort, mit denen Kirchenmusikdirektor Georg Stanek chorsymphonische Raritäten ins Licht einer aufgeschlossenen Öffentlichkeit zurückholt.