Hof Diebe verladen Hunderte von Bierfässern

Aus Justizvollzugsanstalten in ganz Nordbayern wurden die Angeklagten des "Bierfass-Prozesses" nach Hof gebracht. Foto: Joachim Dankbar

Im Hofer "Bierfass-Prozess" haben zwei Angeklagte schon ein weitreichendes Geständnis abgelegt. Die anderen könnten in der kommenden Woche folgen.

Hof - Es war so etwas wie eine Sternfahrt: Aus Justizvollzugsanstalten in ganz Nordbayern sind am gestrigen Freitag die Angeklagten des Hofer "Bierfass-Prozesses" angefahren worden. Im Schwurgerichtssaal des Gerichtsgebäudes trafen sich am Morgen fünf Ukrainer im Alter zwischen 23 und 37 Jahren. Für alle war es das erste Wiedersehen seit dem 9. Juli des vorigen Jahres. In jener Sommernacht wurden sie allesamt in und um Hof festgenommen. Sie sollen sich hier getroffen haben, um bei der Scherdel-Brauerei Hunderte von Edelstahl-Fässern zu stehlen. Nach der Festnahme waren die Ukrainer für ihre Untersuchungshaft in verschiedenen Gefängnissen untergebracht worden.

Erwischt wurden sie, weil einem aufmerksamen Anwohner der Brauerei das nächtliche geschäftige Treiben in einer Sonntagnacht auf dem Brauereigelände verdächtig vorkam. Er rief deshalb die Polizei an. Als wenig später mehrere Streifen bei der Scherdel-Brauerei vorfuhren, trafen die Beamten die Ukrainer mitten bei der Arbeit an. Sie hatten von einem Nachbargrundstück her ein Loch in den Maschendrahtzaun des Firmengeländes gezwickt und einen Lkw rückwärts an das Loch rangiert. Durch das Loch wurden eifrig Fässer nach außen gereicht. Das gute Hofer Bier interessierte die Ukrainer wenig, sie hatten es nur auf die Edelstahl-Behälter abgesehen. Alle Fässer waren leer. Als die Polizei in jener Nacht eingriff, waren 54 der 30 Liter fassenden Fässer der Brauerei Scherdel und acht Fässer der Brauerei Paulaner schon verladen. Sie hatten einen Wert von rund 6200 Euro.

Ein viel größerer Schaden war allerdings schon in der Nacht zuvor entstanden: Dieselben Täter hatten fast 600 Edelstahl-Fässer vom Gelände der Brauerei geschleppt und auf einen anderen Lkw verladen.
Der Wert der Fässer: 58 600 Euro. Ein bislang noch unbekannter Mittäter war mit der Beute vermutlich noch in der Nacht in Richtung Osten gestartet.

In der Nacht zum Sonntag, ihrem zweiten "Arbeitstag", wurden alle der jetzigen Angeklagten noch auf dem Gelände der Brauerei oder unweit davon festgenommen. Die Fahndung nach Mittätern hatte
hingegen trotz großen Aufwands keinen Erfolg. So wurde bei Selbitz
sogar ein Hubschrauber eingesetzt, um noch flüchtige Mittäter festzunehmen.

Die Polizei ermittelte jedoch, dass die Täter planvoll handelten. Sie waren schon in der Arbeitswoche zuvor angereist und hatten sich in verschiedenen Pensionen im Umland einquartiert. Vermutlich nutzten sie die Werktage, um das Gelände der Brauerei auszukundschaften.

Im Vorfeld des Prozesses hatten einige der Angeklagten angegeben, dass sie von einer legalen Arbeit ausgegangen seien, für die sie in Zeitungsanzeigen angeworben wurden. Auftraggeber sei ein - unbekannter - Pole gewesen. In der gestrigen Hauptverhandlung räumte der 34-jährige Maksym P. über seinen Verteidiger Jürgen Schmidt ein, dass ihm spätestens vor Ort aufgrund der Umstände schon klar geworden sei, dass es sich um keinen legalen Auftrag handeln konnte. Er sei aber nur am zweiten Tag des Raubzuges beteiligt gewesen. Dafür habe er 150 Euro als Bezahlung erhalten sollen. Der 37-jährige Serhii P., ein Autoschlosser, ging noch weiter: Er legte über seinen Verteidiger Jörg Meringer ein vollinhaltliches Geständnis ab. Alles, was in der Anklage stehe, stimme. Er sei auch an beiden Tagen auf dem Gelände der Scherdel-Brauerei aktiv gewesen.

Nach diesen beiden Einlassungen wurde die Hauptverhandlung für ein Rechtsgespräch von Richtern, Staatsanwalt und Verteidigern unterbrochen. Ein Ergebnis wurde nicht mehr bekannt gegeben. Dem Vernehmen nach können die Angeklagten im Falle eines Geständnisses mit einer relativ milden Strafe rechnen.

Bei dem Hofer Fall handelt es sich nicht um den ersten seiner Art. Immer wieder sind in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland bei Brauereien größere Mengen von Edelstahlfässern gestohlen worden - immer leer. Wo die Täter gefasst werden konnten, waren es immer Ukrainer.

Offen ist auch die Frage, was mit den verschwundenen Fässern eigentlich passiert ist: ob sie in Osteuropa wieder mit Bier befüllt wurden oder ob es den Tätern und ihren Auftraggebern nur um den Materialwert ging.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

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