Hof Filmtage-Chef sorgt für Überraschung

Ralf Sziegoleit

Im Galeriehaus in Hof fand die Hauptversammlung des Vereins Cine-Center statt.

Thorsten Schaumann. Foto: Thomas Neumann

„Viele wissen immer noch nicht, wie toll Hof ist“, sagt der in München lebende Thorsten Schaumann. Um das zu ändern, sei er ganzjährig als Interessenvertreter für die Stadt und ihr vom Cine-Center veranstaltetes Festival unterwegs.

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Dass die 56. Internationalen Hofer Filmtage im vergangenen Oktober erfolgreich verlaufen seien, betonte zu Beginn der Hauptversammlung die Vereinsvorsitzende Ana Radica. Sowohl das Publikum als auch die Förderer hätten das Programm gelobt. Zudem zeige sich, dass Hof immer mehr zum Vorbild für andere Festivals werde, vor allem mit der Online-Plattform „Hof on Demand“ und mit Ideen aus dem von Schaumann initiierten Hof-plus-Rahmenprogramm.

Besondere mediale Aufmerksamkeit hätten beim Festival 2022 zwei politische Filme zur Lage in der Ukraine und im Iran gefunden. Donya Madani aus Teheran, die in Hof als Weltpremiere ihren Kurzfilm „Noghreb“ präsentierte, war unter Lebensgefahr aus ihrer Heimat ausgereist und danach in Deutschland geblieben, wo sie inzwischen einen Asylantrag gestellt hat. Ana Radica begleitete sie zu zwei viel beachteten Interviews für das Kulturmagazin „ttt“ und Stern-TV. Die Cine-Center-Chefin musste aber auch bekannt geben, dass die Filmtage bei der 56. Auflage trotz erhöhter Einnahmen ein kleines Defizit einfuhren. Schuld daran waren gestiegene Kinomieten, Reise-, Hotel- und Personalkosten.

Thorsten Schaumann, der künstlerische Leiter des Festivals, hatte für seinen Bericht ein überraschendes Thema gewählt: Was er selbst „das ganze Jahr über macht“. Er macht viel, denn er ist ständig unterwegs, sucht nach neuen Ideen und interessanten Filmen. „Jedes Gespräch, das ich führe, ist eine Kommunikationsplattform“, betonte er. „Ich versuche, kontinuierlich präsent zu sein und ein ganzjähriges Hofer-Filmtage-Feeling zu erzeugen.“ Schaumann führt Publikumsgespräche in München und Nürnberg, ist Mitglied in diversen filmpolitisch tätigen Beiräten, Mitorganisator von Meetings der Deutschen Filmakademie und Dozent an einer Hochschule. In diesem Jahr werden die am 16. Mai beginnenden Filmfestspiele in Cannes das siebente internationale Festival sein, das er besucht. Beispielhaft war der Einblick, den Schaumann in seinen Terminkalender vom vergangenen November gewährte: Für den Monat nach den Hofer Filmtagen waren neun wichtige Stationen notiert.

Das 57. Hofer Festival findet vom 24. bis zum 29. Oktober 2023 statt. Obwohl die Corona-Pandemie nun offiziell vorbei ist, wird das umfangreiche Programm abermals nicht nur im Kino, sondern auch online zu sehen sein. Schaumann sagte, man wolle eine barrierefreie Teilhabe für alle möglich machen, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht nach Hof kommen könnten. Für das Festival sei nun „Hybrid das neue Normal“.