Ullitz - Tausende Menschen stehen in bläulichen Abgasschwaden aus Zweitakter-Motoren – und freuen sich darüber. Sie lachen und winken und begrüßen die Trabis und Wartburgs, die sich langsam den Weg durch die Menschenmenge bahnen ... Es war überwältigend, was sich gestern, am 25. Jahrestag der Grenzöffnung, in Ullitz am einstigen Eisernen Vorhang abgespielt hat.
Mit etwa 100 DDR-Fahrzeugen hatten die Veranstalter für den Konvoi von Plauen nach Hof ursprünglich gerechnet. Doch es werden fast 200. Die meisten Fahrer haben sich für den Konvoi angemeldet, etliche schließen sich aber noch auf der Strecke durchs Vogtland an.
Und wohl keiner von ihnen hat damit gerechnet, was sie am ehemaligen Grenzübergang in Ullitz erwartet: Die Ortsdurchfahrt, die B 173, ist schwarz vor Menschen, Tausende säumen die Straße, sie stehen auf Hunderten Metern dicht an dicht. Viele haben gemalte Begrüßungsschilder dabei, so auch Christine Blechschmidt aus Hof: „Herzlich willkommen“, steht darauf. „Genauso bin ich hier vor 25 Jahren gestanden“, erinnert sie sich. Auf einem anderen Schild heißt es: „Es ist längst zusammengewachsen, was zusammengehört.“
Auch Dutzende von Medienleuten sind da. Begehrte Fotoobjekte sind die ehemaligen Grenzsoldaten in Uniformen, einer hat eine Maschinenpistole dabei, in deren Lauf eine Blume steckt. Über den Menschen schwirrt eine kleine Drohne, die fürs Fernsehen filmt. Besonders dicht ist die Menge dort, wo schließlich, als sich der Konvoi nähert, die Straße mit zwei Sperren vorübergehend dicht gemacht wird. Die „Grenze“ ist wieder da – aber nur kurze Zeit.
Organisator Jürgen Stader von der Hofer Stadtverwaltung bemüht sich nach Kräften: Immer wieder muss er die Wartenden auffordern, Platz zu machen, „sonst kommt der Konvoi nicht durch“.
Von weiter vorn sind Begrüßungsrufe und Applaus zu hören: Sie kommen. Im Schritttempo nähert sich in seinem Trabant Albrecht Gemeinhardt aus Sachsgrün, der schon vor 25 Jahren bei Ullitz als Erster die Grenze überquert hat.
Die Oberbürgermeister von Hof und Plauen, Dr. Harald Fichtner und Ralf Oberdorfer, warten an der Sperre mit den Landräten Dr. Oliver Bär (Hof) und Dr. Tassilo Lenk sowie dem Trogener Altbürgermeister Karl Becher. Fichtner und Oberdorfer halten kurze Ansprachen, die jedoch im Trubel beinahe untergehen. Dennoch brandet Beifall auf, als der Plauener OB Oberdorfer sagt: „Wir danken Gott und Gorbatschow, dass die Tage vor 25 Jahren friedlich verlaufen sind. Wir danken den freundlichen Hofern, die uns damals ertragen haben.“ Im Gespräch spricht er später von diesem Tag als „krönenendem Abschluss“ der Hof-Plauener Feiern zum 25. Jahrestag. „Wie man sieht, lassen sich immer noch Tausende Menschen von den damaligen Ereignissen bewegen.“ Sein Amtskollege Fichtner äußert sich „überwältigt“: „Das hier zeigt doch, wie gut Deutschland zusammengewachsen ist.“
Im Moment haben aber alle nur Augen für die Trabis und Wartburgs. Fahrer werden durch die geöffneten Fenster mit Mikrofonen interviewt, Karosserien werden getätschelt, eine Zuschauerin ruft einer Familie in einem Wartburg zu: „Schön, dass ihr da seid!“ Die Insassen nicken gerührt und winken lächelnd zurück. Andere erhalten durch die Autofenster – ganz wie vor 25 Jahren – Schokoladentafeln oder nehmen lachend Bananen entgegen. Im Hintergrund spielt das „Hofer Blech“ zwischen zwei Jazz-Nummern „Lobet den Herren“. Hier und da wischen sich Ossis und Wessis über die Augen. Gänsehautgefühl. Hinter Lenkrädern klemmen alte DDR-Ausweise, ein Fahrer präsentiert hinter seiner Heckscheibe eine überdimensionale Todesanzeige, die schon vor 25 Jahren einen Abgesang auf die DDR gehalten hat. Ein anderer brüllt in seiner Euphorie „Scheiß-DDR!“ aus dem Auto und erntet Applaus und Gelächter. Der Star ist ein kleiner Junge, der stehend aus dem geöffneten Schiebedach triumphierend zwei Bananen in die Luft reckt.
Schließlich ist es so weit: Die Ehrengäste räumen die Sperren beiseite, die „Grenze“ öffnet sich. Da es immer noch kaum ein Durchkommen gibt, betätigt der Fahrer eines Vopo-Fahrzeugs das Blaulicht und den gellenden Signalton. Die Menschen treten zur Seite. Einer nach dem anderen rollen die Trabants und Wartburgs in Richtung Hof.
Entlang der Strecke, zum Beispiel im Hofer Ortsteil Jägersruh, stehen sich derweil wartende und fröstelnde Zuschauer die Beine in den Bauch. Sie wissen noch nichts von dem Spektakel in Ullitz; manch einer geht enttäuscht nach Hause, da er wegen der Verzögerungen innerhalb von einer Stunde nur vereinzelt vorbeirollende Trabis zu Gesicht bekommen hat. Doch auf dem Parkplatz der Hofer Freiheitshalle sind Autos, Fahrer und Publikum miteinander vereint. Das Technische Hilfswerk bietet den Ankömmlingen wie vor 25 Jahren Kartoffelsuppe an, vor den in Reih und Glied stehenden Fahrzeugen bilden sich Menschentrauben. Es wird gefachsimpelt, Wessis lassen sich von Ossis erklären, was so alles unter der Motorhaube steckt.
Langsam leert sich der Platz, Trabi & Co. rollen wieder heimwärts. Aus dem Lautsprecher eines Mannschaftsbusses der Volkspolizei quäkt es in schönstem Vogtländisch: „Macht’s gut – bis zum nächsten Mal.“.
Mit etwa 100 DDR-Fahrzeugen hatten die Veranstalter für den Konvoi von Plauen nach Hof ursprünglich gerechnet. Doch es werden fast 200. Die meisten Fahrer haben sich für den Konvoi angemeldet, etliche schließen sich aber noch auf der Strecke durchs Vogtland an.
Und wohl keiner von ihnen hat damit gerechnet, was sie am ehemaligen Grenzübergang in Ullitz erwartet: Die Ortsdurchfahrt, die B 173, ist schwarz vor Menschen, Tausende säumen die Straße, sie stehen auf Hunderten Metern dicht an dicht. Viele haben gemalte Begrüßungsschilder dabei, so auch Christine Blechschmidt aus Hof: „Herzlich willkommen“, steht darauf. „Genauso bin ich hier vor 25 Jahren gestanden“, erinnert sie sich. Auf einem anderen Schild heißt es: „Es ist längst zusammengewachsen, was zusammengehört.“
Auch Dutzende von Medienleuten sind da. Begehrte Fotoobjekte sind die ehemaligen Grenzsoldaten in Uniformen, einer hat eine Maschinenpistole dabei, in deren Lauf eine Blume steckt. Über den Menschen schwirrt eine kleine Drohne, die fürs Fernsehen filmt. Besonders dicht ist die Menge dort, wo schließlich, als sich der Konvoi nähert, die Straße mit zwei Sperren vorübergehend dicht gemacht wird. Die „Grenze“ ist wieder da – aber nur kurze Zeit.
Organisator Jürgen Stader von der Hofer Stadtverwaltung bemüht sich nach Kräften: Immer wieder muss er die Wartenden auffordern, Platz zu machen, „sonst kommt der Konvoi nicht durch“.
Von weiter vorn sind Begrüßungsrufe und Applaus zu hören: Sie kommen. Im Schritttempo nähert sich in seinem Trabant Albrecht Gemeinhardt aus Sachsgrün, der schon vor 25 Jahren bei Ullitz als Erster die Grenze überquert hat.
Die Oberbürgermeister von Hof und Plauen, Dr. Harald Fichtner und Ralf Oberdorfer, warten an der Sperre mit den Landräten Dr. Oliver Bär (Hof) und Dr. Tassilo Lenk sowie dem Trogener Altbürgermeister Karl Becher. Fichtner und Oberdorfer halten kurze Ansprachen, die jedoch im Trubel beinahe untergehen. Dennoch brandet Beifall auf, als der Plauener OB Oberdorfer sagt: „Wir danken Gott und Gorbatschow, dass die Tage vor 25 Jahren friedlich verlaufen sind. Wir danken den freundlichen Hofern, die uns damals ertragen haben.“ Im Gespräch spricht er später von diesem Tag als „krönenendem Abschluss“ der Hof-Plauener Feiern zum 25. Jahrestag. „Wie man sieht, lassen sich immer noch Tausende Menschen von den damaligen Ereignissen bewegen.“ Sein Amtskollege Fichtner äußert sich „überwältigt“: „Das hier zeigt doch, wie gut Deutschland zusammengewachsen ist.“
Im Moment haben aber alle nur Augen für die Trabis und Wartburgs. Fahrer werden durch die geöffneten Fenster mit Mikrofonen interviewt, Karosserien werden getätschelt, eine Zuschauerin ruft einer Familie in einem Wartburg zu: „Schön, dass ihr da seid!“ Die Insassen nicken gerührt und winken lächelnd zurück. Andere erhalten durch die Autofenster – ganz wie vor 25 Jahren – Schokoladentafeln oder nehmen lachend Bananen entgegen. Im Hintergrund spielt das „Hofer Blech“ zwischen zwei Jazz-Nummern „Lobet den Herren“. Hier und da wischen sich Ossis und Wessis über die Augen. Gänsehautgefühl. Hinter Lenkrädern klemmen alte DDR-Ausweise, ein Fahrer präsentiert hinter seiner Heckscheibe eine überdimensionale Todesanzeige, die schon vor 25 Jahren einen Abgesang auf die DDR gehalten hat. Ein anderer brüllt in seiner Euphorie „Scheiß-DDR!“ aus dem Auto und erntet Applaus und Gelächter. Der Star ist ein kleiner Junge, der stehend aus dem geöffneten Schiebedach triumphierend zwei Bananen in die Luft reckt.
Schließlich ist es so weit: Die Ehrengäste räumen die Sperren beiseite, die „Grenze“ öffnet sich. Da es immer noch kaum ein Durchkommen gibt, betätigt der Fahrer eines Vopo-Fahrzeugs das Blaulicht und den gellenden Signalton. Die Menschen treten zur Seite. Einer nach dem anderen rollen die Trabants und Wartburgs in Richtung Hof.
Entlang der Strecke, zum Beispiel im Hofer Ortsteil Jägersruh, stehen sich derweil wartende und fröstelnde Zuschauer die Beine in den Bauch. Sie wissen noch nichts von dem Spektakel in Ullitz; manch einer geht enttäuscht nach Hause, da er wegen der Verzögerungen innerhalb von einer Stunde nur vereinzelt vorbeirollende Trabis zu Gesicht bekommen hat. Doch auf dem Parkplatz der Hofer Freiheitshalle sind Autos, Fahrer und Publikum miteinander vereint. Das Technische Hilfswerk bietet den Ankömmlingen wie vor 25 Jahren Kartoffelsuppe an, vor den in Reih und Glied stehenden Fahrzeugen bilden sich Menschentrauben. Es wird gefachsimpelt, Wessis lassen sich von Ossis erklären, was so alles unter der Motorhaube steckt.
Langsam leert sich der Platz, Trabi & Co. rollen wieder heimwärts. Aus dem Lautsprecher eines Mannschaftsbusses der Volkspolizei quäkt es in schönstem Vogtländisch: „Macht’s gut – bis zum nächsten Mal.“.