Hof Harter Kampf um Exklusivität

Großer Andrang herrscht in der sogenannten Mixed Zone, wo Journalisten auf Spieler und Trainer treffen, selbst in der 2. Fußball-Bundesliga. Foto: Michael Ott

Das gemeinsame Bier an der Hotelbar gibt es zwischen Sportlern und Reportern längst nicht mehr. Innerhalb weniger Jahre hat sich der Sportjournalismus gewandelt wie kaum ein anderes journalistisches Arbeitsfeld.

Damals durfte sogar die Tochter mit: Als der damalige Leiter der Frankenpost-Sportredaktion, Peter Langer, bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien von den Spielen der deutschen Nationalmannschaftmannschaft berichtete, war noch alles etwas anders als heute. Vor allem: lockerer. Und da nahm Langer auch mal seine Tochter mit zum Training der DFB-Elf - für ein Foto mit Thomas Häßler. "Sie hat damals für ihn geschwärmt", erinnert er sich.

Der Kontakt zu den großen Stars war damals selbst für eine Regionalzeitung noch einfach. Die Weltmeister gaben freimütig Interviews, plauschten auch mal neben dem Platz mit den Reportern. Es war die Zeit, als die heutigen Kommunikationsmanager noch Pressesprecher hießen - und vor der Saison auch mal die aktuellen Telefonnummern der Bundesliga-Spieler an die lokalen Pressevertreter verteilten.

Das alles ist längst Vergangenheit. "Der Sportjournalismus hat sich in den letzten zehn Jahren stärker verändert als in den 50 Jahren zuvor", sagt Bernd Nürnberger, der aktuelle Leiter der Frankenpost-Sportredaktion. Das Informationsangebot im Internet auf der einen Seite sowie die Professionalisierung und Kommerzialisierung - speziell im Fußball - auf der anderen Seite haben den Wandel beschleunigt. Wo in den 1990er-Jahren noch eine Handvoll Journalisten ohne starken Zeitdruck von den Bundesliga-Spielen berichteten, stehen heute Dutzende Journalisten in der Mixed Zone, um das aktuelle Statement eines Spielers zu erhaschen - immer mit dem Smartphone in der Hand, um gleich bei Twitter als Erster die Sätze in die Welt zu pusten. Ein Wettrennen um Exklusivität. Gerade im Fußball schotten sich die Profiklubs zunehmend ab - mit vereinseigenen TV-Kanälen oder -Magazinen. Die kritische Berichterstattung bleibt dabei auf der Strecke. Eine Stärke, die nur unabhängige Sportberichterstatter garantieren können. Allerdings wird ihnen das Leben zunehmend schwerer gemacht. "Ein Exklusiv-Interview mit einem Spieler zu bekommen, ist wie ein Staatsakt", sagt Nürnberger. Und wenn es dann schon klappt, geht nichts ohne Autorisierung - oftmals durch den Klub sowie den Spielerberater. "Daher ist eine Vertrauensbasis wichtig", sagt Nürnberger - und verweist auf regionale Fußball-Größen wie Michael Köllner, die dann auch mal mehr verraten als bei einem kuratierten Interview.

Ein weiterer Weg zu einer kritischen Berichterstattung ist die Anwesenheit von Reportern vor Ort: So profitieren die Leser der Frankenpost auch davon, dass eigene Reporter exklusiv zu Sport-Großereignissen reisen - und so einen ungefilterten Blick auf das Geschehen werfen können. Denn oft sind es Nuancen, die die TV-Kameras nicht einfangen, aber eine gute Berichterstattung ausmachen. Diese Aufgabe erfüllen die Sportreporter der Frankenpost unterdessen auch in der Region. Tag für Tag. Dass es keinen Klub in der Region in den obersten Ligen gibt, ist dabei Fluch und Segen zugleich. "Natürlich würde es der Region gut tun, einen Klub in der höchsten Liga zu haben", sagt Nürnberger. Andererseits ist gerade in den unteren Ligen die Kommerzialisierung noch nicht so weit vorangeschritten.

Allerdings: Das Sportressort bleibt selbst in den unteren Klassen ein Feld für Innovationen. "Liveticker oder Videos gab es zuerst im Sport", berichtet Nürnberger. "Daher müssen wir immer auf der Höhe der Zeit bleiben." Der Sportjournalismus bleibt also vor allem: stets im Wandel.

 

Autor

 

Bilder