Hof Hofer Protest gegen Corona-Maßnahmen

Rund 80 Menschen haben am Samstagnachmittag in Hof für "Freiheit, Grundrechte und Demokratie" demonstriert. Sie halten viele Corona-Maßnahmen für unverhältnismäßig.

Hof - Seit Ende März ist in Hof und Umgebung eine Gruppe aktiv, die in unregelmäßigen Abständen Corona-Demos am Kugelbrunnen in der Hofer Altstadt organisiert. Sie nennt sich "Hof steht auf". Auf Facebook und Telegram stehen die Mitglieder in Kontakt. Am vergangenen Samstag hatte die Gruppe zu einer zweistündigen Demo mit "Spaziergang" eingeladen. Nach Schätzungen des Veranstalters nahmen etwa 80 Menschen teil.

Mehrfach weist der Organisator Nino Schrepfer aus Feilitzsch die Teilnehmer darauf hin, sich an die Regeln zu halten, Masken aufzusetzen und Abstand zu halten. Nur zwei bis drei Leute halten sich nicht daran, sie haben offensichtlich ein Attest, das sie von der Maskenpflicht befreit. Mehrere "Ordner"sorgen dafür, dass Abstände eingehalten werden.

Die Anhänger sehen die Maßnahmen im Rahmen der Pandemiebekämpfung kritisch und halten sie für überzogen und unverhältnismäßig. Sie werben für Solidarität mit denen, die die Einschränkungen und der Lockdown hart treffen: Die Alten, die in den Pflegeheimen isoliert sind, Menschen, die ihre Jobs verloren haben. "Meine Motivation ist, für Frieden, Freiheit und Solidarität einzutreten", sagt Organisator Nino Schrepfer. "Wir kämpfen für unsere Grundrechte, die eingeschränkt sind und gegen pauschalen Sanktionszwang."

Eine der Forderungen lautet, man wolle "über seinen eigenen Körper und Gesundheit" selbst bestimmen, wie einige Teilnehmer auf Nachfrage erklären: "Jeder muss für sich entscheiden können, ob er eine Maske trägt oder nicht", sagt eine Frau, die ihren Namen nicht nennen will. Auch alle anderen Demonstranten, die angesprochen werden, wollen anonym bleiben. Die Frau fügt noch hinzu, man solle doch bitte in der Zeitung objektiv berichten. Sie habe schon oft das Gegenteil erlebt. Ein anderer Mann erzählt, er sei auf der Demo, weil er sich Sorgen um seine Enkel mache, die in der Schule bei offenen Fenstern frieren müssten. Er hält es für unverhältnismäßig, dass Einrichtungen wie der Hofer Zoo oder der Eisteich schließen müssen, obwohl die Einrichtungen "an der frischen Luft" seien. Eine Frau, die mit Behinderten arbeitet und auf deren Maske das Wort "Diktatur" prangt, berichtet, dass behinderte Menschen unter Depressionen litten. Dass sie ihren Geburtstag alleine feiern müssen, ohne Angehörige.

Auf die steigenden Infektionszahlen und immer knapper werdenden Intensivbetten angesprochen, reagiert ein Mann mit dem Ratschlag: "Lesen Sie Mal alternative Medien, dann wissen Sie, dass das alles übertrieben ist." Die "zweite Welle" gebe es gar nicht, sagt ein anderer. Ein kleiner hagerer Mann murmelt etwas von einer "Verschwörung". Was er denn darunter meine? Das könne er auch nicht erklären, antwortet er. Er sei ja schließlich kein Redner.

Von den Schaulustigen ernten die Demonstranten vielfach entrüstetes Kopfschütteln. "Ihr Idioten", "Vollpfosten" oder "unglaublich" rufen einige Passanten in Richtung der Demonstrierenden.

Im Fokus der Kritik steht auch das neue Infektionsschutzgesetz, das die Corona-Maßnahmen auf eine neue rechtliche Grundlage stellt. Ein neuer Paragraf legt etwa fest, in welchen Bereichen die für die Umsetzung zuständigen Länder Corona-Einschränkungen verhängen dürfen. Das sind etwa Kontaktbeschränkungen, Abstandsgebote, Maskenpflicht im öffentlichen Raum oder auch die Schließung von Geschäften. Auch die "Mainstreammedien" sorgen für Unmut, genauso wie die Regierung, die sich "allein auf die Aussagen des Virologen Christian Drosten" verlasse und zu wenig anderen Wissenschaftlern zuhöre. Ein Mann sagt, er trete gegen das ein, was er für den Beginn einer Diktatur halte.

Das erste Mal findet an diesem Samstag auch ein "Spaziergang" statt. Vier Polizeibusse begleiten den Demonstrationszug, der vom Kugelbrunnen über die Ludwigstraße Richtung Sigmundsgraben schreitet. Einige weitere Polizisten laufen nebenher. Außer ein paar Diskussionen mit Teilnehmern haben die Beamten nicht viel zu tun, die Veranstaltung verläuft friedlich. Der Kopf der Demo, Nino Schrepfer, führt den Zug an, die Teilnehmer halten Transparente in den Händen, auf denen Losungen prangen wie: "Wer jetzt noch schläft, hat die Diktatur verdient!", "Zurück zur Normalität in Altenheimen Schulen Kindergärten - unser Leben" oder "Es geht um mehr". Viele Menschen halten rote und weiße herzförmige Luftballons in den Händen, auf die sie mit Filzstift "Freiheit" oder "Liebe" gekritzelt haben.

Es sind junge und ältere Menschen dabei, Eltern, die einen Kinderwagen schieben. Ein Mann mit Aluhut kann den Hintergrund für seine Kopfbedeckung nicht erklären, wünscht sich aber eine "offene Auseinandersetzung" mit dem Thema. Schrepfer skandiert, "Regierung, Freiheitsentzug, Coronamaßnahmen, Isolation, Arbeitslosigkeit" seien "nicht gut für das Immunsystem". Im Chor wiederholen die Leute seine Parolen.

Ein Zwischenhalt findet am Altenheim am Unteren Tor statt. Der Ort ist bewusst gewählt: Der symbolische Akt mit Reden und Liedern am Vorplatz des Altenheimes soll "allen Pflegern und Bewohnern zeigen, dass auch in Krisenzeiten an sie gedacht und für ihre Rechte demonstriert wird", wie die Veranstalter in der Ankündigung erklären. Genau das findet aber ein Mann, der den Zug aus dem Fenster beobachtet, offenbar befremdlich: "Jetzt laufen die auch noch zum Altenheim!"

Am Vorplatz des Altenheimes tritt ein Sänger auf, der seinen Namen nicht nennen will, er begleitet sich auf einer Gitarre. Schrepfer hält eine Rede, die er dramaturgisch an die berühmte Rede von Martin Luther King „I have a dream“ anlehnt, die er im Jahr 1963 beim Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit vor mehr als 250.000 Menschen hielt und darin Rassentrennung und Ungleichheit anprangerte. Schrepfer hingegen träumt von einer Welt, in der die Menschen ihre Nachbarn nicht anschwärzen, in der Menschen sich umarmen dürfen und nicht krampfhaft auf eine erlösende Impfung warten müssen: "Wir brauchen keine Impfung, wir sind gesund", sagt er. Menschen würden unter Generalverdacht gestellt: "Kriminalisiert sie nicht!" Er sei kein Egoist, er mache sich nur Sorgen.

Zurück am Kugelbrunnen angekommen, spricht auch der Geologe Heiko Herold aus Rehau, der unter anderem die große "Anzahl der unnötigen Tests" für übertrieben hält. Das dafür investierte Geld solle man lieber für die Sanierung der maroden Sanitäranlagen in Schulen verwenden. Zu viele Gelder würden für den "Corona-Irrsinn" verschwendet. Auch "Ich bin nur der Jan" tritt ans Mikro – er zitiert Auszüge aus der Zeit oder der Tagesschau, die von "Zwangseinweisungen von Quarantäne-Verweigerern" oder von einem Netzwerk von Professoren berichten, das Forscher unterstützen soll, die aufgrund ihrer Thesen unter Druck geraten.

Die Demonstranten wollen nicht "Corona-Leugner" genannt werden, und auch nicht "Verschwörungstheoretiker", schon gar nicht "Radikale", "Nazis" oder "Menschen, die andere gefährden wollen". Es gehe ihnen darum, offen die Meinung sagen zu dürfen. "Wir haben Angst, dass Willkür und Angst unseren Alltag bestimmen", sagt Schrepfer.

Passanten in der Altstadt fragen sich gegenseitig, was da wohl vor sich geht. Auch Jörg Ogrowsky, der sich unter anderem beim Hofer Bündnis für Toleranz engagiert und die Demo aus einiger Entfernung beobachtet, kann die Intention der Demonstranten nicht richtig einordnen: "Ich bin entsetzt", sagt er. "Zu leugnen, was auf der Welt passiert..." Die Demo reihe sich in die Querdenker-Bewegung ein. Das sei aber für ihn eigentlich "schwer einzuordnen".

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