Hof Jokers Heimpleite sorgt für dicke Luft

Die American Footballer aus Hof verlieren auch das letzte Heimspiel der Saison gegen Erlangen. Nach dem Spiel, bei dem Jokers- Legende Markus Wachter das letzte Mal aufläuft, wird Tacheles geredet

Die Hof Jokers unterliegen im Heimspiel den Erlangen Sharks mit 6:20. Damit bringt auch der letzte Saisonauftritt vor heimischen Fans keine Punkte aufs Konto des Bayernliga-Schlusslichts. Die Stimmung im Spielerkreis ist dieses Mal jedoch besonders aufgeheizt. Deutliche Worte reichen von „mangelnder Trainingsbeteiligung“ bis hin zu „dem Druck nicht gewachsen sein.“ Am deutlichsten wird Jokerslegende Harald Rausch, der beim Team in der Halbzeit zwei gar fehlenden Willen, sich nochmals aufzubäumen, ausmachte – harte, deutliche Kritik – aber wohl zurecht. Hinterher reichen sich alle die Hände. Es bleibt die Frage, ob das Gewitter ein reinigendes war. „Wir reden doch das ganze Jahr schon drüber. Wenn es im Training mal vorwärts geht, bringen wir es im Spiel nicht auf die Straße “, meint ein sichtlich konsternierter Johannes Wellner. Und auf Nachfrage zur Trainingsbeteiligung schiebt der Headcoach nach: „Einmal die Woche ist sie gut – einmal die Woche schlecht. Da verliert man dann eben eine Trainingseinheit. Da kannst du nur die Basics üben, aber nicht an der Teamabstimmung arbeiten.“

Während einige Kids in einem am Spielfeld aufgestellten Planschbecken toben, sind die American Footballer bei 30 Grad im Schatten in voller Montur in der prallen Sonne zugange. Das Spiel ist eine echte Hitzeschlacht. Im ersten Viertel neutralisieren sich beide Teams weitestgehend. Demzufolge wandern auch keine Punkte aufs Scoreboard.

Das ändert sich im zweiten Quarter nach dem ersten First Down für die Jokers-Offense, die sich wieder einmal sehr schwer tut, schlagen die Sharks dann zu. Ein guter Pass in den Rücken der Jokers-Defense führt zum Touchdown und 0:6 – Extrapunkte gibt es keine. Die Gastgeber kommen aber schnell zur Antwort. Ein schöner Pass auf Gunnar Knöckel bringt ordentlich Raumgewinn, der sich einige Male weiter erhöht, weil Erlangen für sein teilweise überhartes Spiel Strafen kassiert. Nachdem ein erster Touchdown der Violetten wegen einer Regelwidrigkeit noch nicht anerkannt wird, gelingt dieser drei Versuche später als das „Ei“ den letzten Yard im Pulk über die Goalline der Gäste gewuchtet wird. Auch hier keine Extrapunkte – 6:6 ist der Stand zur Halbzeit, vor der es aber noch einmal emotional wird. Markus Wachter, 1992 Gründungsmitglied der Hof Jokers, langjähriger Spieler, Vereinslegende, läuft zu einem letzten, verabredeten Ehrenspielzug auf, um offiziell vor den Fans verabschiedet zu werden. Auf die Frage, wie er sich in dieser Situation gefühlt habe, dauert es geraume Zeit bis zur Antwort. „Es gibt dann so Situationen, da kann man nichts sagen, wie jetzt eben“, ist Wachter emotional angefasst. „Es ist unbeschreiblich. 30 Jahre – das ist halt ein Teil vom Leben.“

Zunächst spielte Wachter als Runningback – später dann in der Defense Line. An seinen letzten richtigen Einsatz für die Jokers in der Saison 2020/21, der auch nicht geplant war, erinnert sich Wachter wie folgt: „Da hat mich Jo angerufen und gesagt, wir haben einige Verletzte, wir brauchen Dich. Da hab ich gesagt, Du hast aus Versehen mich angerufen. Dann hat sich rausgestellt, dass es kein Versehen war. Und dann habe ich eben ohne Training mal eben 80 Spielzüge abgerissen.“

Jetzt ist für den 49-jährigen also Schluss bei den Jokers als Spieler. Zwischenzeitlich hatte er auch sieben Jahre lang den Nachwuchs trainiert, seit Rückkehr in seine thüringische Heimat fehlt aber auch dazu die Zeit. Wachter schlüpft jetzt in die Rolle als Edelfan. „Auf jeden Fall. Wenn ich sonntags mal frei habe, genieße ich es total, mir ein Heimspiel in Hof anzuschauen.“

Wie gerne hätte Wachter gesehen, wie seine Jungs in Halbzeit zwei den ersten Saisonsieg perfekt machen. Es hätte den Abschied gekrönt – kommt aber anders. Hof offenbart in der Offense einige technische Fehler bei Ballübergaben, kommt kaum zu Raumgewinn. Anders die Sharks. Viele kurze aber erfolgreiche Läufe sind das Rezept gegen das Hof kein Mittel findet. „Das ist ihr Spielstil. Sie punten ja nicht, spielen die vier Versuche immer aus. Immer zwei, drei, vier Yards – und zack haben sie das First Down“, bemerkt Wellner schulterzuckend. „Und wenn wir in unserer Defense einen Haufen Leute haben, die das noch nicht gewohnt sind und noch nicht gespielt haben, dann kommt Erlangen damit eben durch.“

Nach weiteren zwei Touchdowns und einer Two-Point Conversion ist mit 6:20 der Drops gelutscht und bei den Jokers die Stimmung im Keller. Aber Wellner hat sich nach der Aussprache nach Spielende schnell wieder gestrafft und übt sich in Richtung des wohl saisonentscheidenden Spiels in Bamberg am 17. Juli in Zuversicht. „Das haben wir die ganze Zeit ja erwartet. Darauf wird es hinauslaufen. Wir haben noch zwei Wochen Zeit, müssen dranbleiben, immer weitermachen.“

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