Hof Lehrer bilden sich in der Frankenpost fort

Der Einsatz von digitalen Medien im Unterricht spielt eine immer wichtigere Rolle. Es mangelt an Weiterbildung und Ausstattung. Unser Medientag gab Impulse.

Hof - Tablet-Klassen, Lern-Apps und Programmieren als Unterrichtsfach: Die Digitalisierung kommt nach und nach in den Klassenzimmern an. Um die Herausforderungen zu meistern, die damit verbunden sind, veranstaltete die Frankenpost am Mittwoch parallel zu 15 anderen Zeitungsverlagen in Bayern und Thüringen zum zweiten Mal einen Lehrermedientag.

"Die Begegnung mit den Lehrern ist uns wichtig, denn sie legen das Fundament bei Kindern und Jugendlichen für eine spätere Mediennutzung", sagte Hans Pirthauer, Chefredakteur der Frankenpost und der Neuen Presse Coburg. Sowohl für Zeitungen als auch für Schulen haben sich die Zeiten durch die technischen Innovationen der vergangenen Jahre geändert. Die Digitalisierung wirkt sich auf die Art der Berichterstattung ebenso wie auf die Unterrichtsmethoden aus. Während Zeitungshäuser sich zu Multimedia-Häusern wandeln und nach Möglichkeiten suchen, ihr digitales Angebot zu verkaufen, fehlt es Lehrern unter anderem an Angeboten zur Weiterbildung, um die neuen Medien im Unterricht einsetzen zu können. Auch aus diesem Grund haben sich Verlage unter dem Dach des Verbandes bayerischer Zeitungsverleger (VBZV) zusammengetan, um Mittler zwischen Pädagogen, Bildungsforschern und Medienmachern zu sein.

Während der Fortbildungsveranstaltung am Mittwoch in Hof tippen einige Teilnehmer auf ihren Notebooks mit, andere machen sich ganz klassisch Notizen mit Kugelschreiber und Papier, wiederum andere notieren sich das Gesagte nah am Puls der Zeit: mittels eines speziellen Stifts fürs Tablet, mit dem man auf dem Display Informationen handschriftlich festhalten kann. So unterschiedlich die Praktiken der Teilnehmer, so unterschiedlich ist es auch um die technische Ausstattung an den Schulen bestellt. Die Situation in der Region entspricht der im gesamten Land: Während in manchen Klassen bereits jeder Schüler mit einem eigenen Tablet-Computer arbeiten kann, verfügen andere Schulen noch nicht einmal über Wlan. "Das müsste mittlerweile aber absolute Grundvoraussetzung sein", sagte Andy Lüdemann während seines Vortrags. Als Berater entwickelt er Konzepte für Unternehmen und Schulen rund um den Einsatz digitaler Medien in Lehr- und Arbeitsprozessen.

Längst gehörten moderne Medien zum Lebensalltag der Schüler samt vieler Kompetenzen, die damit einhergehen. Nun sei die Bundesregierung an der Reihe, den Ländern endlich die Fördergelder aus dem lange angekündigten Digitalpakt zur Verfügung zu stellen, damit alle Schulen technisch aufrüsten können. Fünf Milliarden Euro seien immer noch zu wenig, damit das deutsche Bildungssystem nicht weiter von anderen Ländern abgehängt werde: "Gemessen an der Gesamtzahl der Schulen in Deutschland bekommt dann jede wenige tausend Euro. Schon eine saubere Verkabelung kostet mehr."

Derzeit sind Schulen noch auf andere Förderer angewiesen, wenn sie Unterricht mit digitale Medien halten möchten. Das Hofer Schiller-Gymnasium hat Unterstützer in der Frankenpost und der Firma Lamilux gefunden, die die Anschaffung von 80 iPads bezuschusst haben, mit denen die Schüler von drei Tablet-Klassen seit Anfang des Schuljahres arbeiten (wir berichteten). Stefan Bäumler, Lehrer für Mathematik sowie Wirtschaft- und Recht am "Schiller", berichtete während des Medientages von den ersten Erfahrungen. "Der Unterricht hat maßgeblich davon profitiert. Die Geräte kommen aber nicht immer zum Einsatz, sondern nur dann, wenn wir einen Mehrwert sehen", erklärte er. Dafür fächerübergreifend. Sogar im Sportunterricht: Zum Beispiel sei es durch die Technik möglich, einen Schüler zu filmen, wenn er einen Felgaufschwung am Stufenbarren macht und ihm seinen Bewegungsablauf anschließend in Zeitlupe zu zeigen. "Dann kann man ihm anschaulich erklären: ,Schau mal, drehe deine Hand mal so, dann klappt es besser‘", berichtete Bäumler aus der Praxis.

Aus der Praxis einer Zeitungsredaktion sprach Harald Werder, Lokalredakteur für die Stadt und den Landkreis Hof. Er gab den Lehrern Tipps für die Pressearbeit an Schulen mit an die Hand. Unter anderem erklärte er ihnen, wie man eine gute Ankündigung für eine Veranstaltung verfasst: "Es braucht einen starken Einstiegssatz, sonst ist der Leser weg", sagte er. Dabei lernten die Lehrer auch ein wenig Journalisten-Jargon: Der "Küchenzuruf", so erklärte Werder, sei die zentrale Aussage eines Textes. "Das sind die Informationen, die sie jemandem auch aus der Küche in ein anderes Zimmer zurufen würden, wenn sie ihm kurz und schnell eine Neuigkeit mitteilen möchten."

Kerstin Dolde, Leseranwältin der Frankenpost , sprach über den Umgang mit falschen Informationen. Sie erklärte, auf welche Weise Berichterstattung verzerrt sein könne, und wie sich Zeitungen im Gegenzug um Transparenz bemühten. "Heutzutage landen falsche Nachrichten gerne sofort im Topf der Fake News, den Begriff der Zeitungsente verwendet niemand mehr", sagte Dolde und machte sich für eine genauere Differenzierung stark. Die Kommunikation mit dem Leser sei wichtiger denn je, um einen Einblick in die Redaktionsarbeit zu gewähren - so zum Beispiel beim Lehrermedientag.

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