In der Nähe eines Mehrfamilienwohnhauses stürzte der Boden etwa fünf Meter tief ein und ein auf den ersten Blick unscheinbares Loch tat sich auf. Wir berichteten hier >>>

Experten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, der Stadt Hof sowie der Eigentümer selbst bemühen sich derzeit darum, mögliche Gefahren für die Wohnbevölkerung auszuschließen. Auch wenn derzeit noch keine näheren Erkenntnisse über Umfang und Größe des Tagbruches existieren, so erlaubt das Loch dennoch bereits jetzt einen interessanten Blick in die Vergangenheit der Stadt, berichtet die Stadt Hof in einer Pressemitteilung am Donnerstag.

Die Anwohner des Schützenweges hatten bereits in den Wintermonaten 2016/2017 bemerkt, dass an der nun eingebrochenen Stelle der Schnee nicht zum Liegen kam. Heute weiß man: Damals zeichnete sich an dieser Stelle bereits die sogenannte Verbruchzone ab. Die Erklärung für dieses Phänomen ist einfach: Durch die Hohlraumerweiterung nach oben ist die Luft im Loch selbst deutlich wärmer als an der Oberfläche. Dadurch taute Neuschnee auf dem erwärmten Boden schneller ab als auf der Wiese ringsherum.

Tagbruch im Schützenweg

Als sich am Montag das Loch auftat, wurde die Stadt Hof durch die Eigentümer davon unterrichtet. Die Verantwortlichen baten das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege um Unterstützung, da es sich wohl um historische Keller handelt. Bei der Begehung des Areals zeigte sich, dass die Kelleranlage zum einen nach Norden zum Schützenweg und nach Südosten unter das Gebäude Schützenweg 5 weiterführt. Die Verfüllung ließ jedoch keine weitere Begehung zu und so kann derzeit noch nicht mit endgültiger Sicherheit gesagt werden, wie groß das Loch ist und wohin der Hohlraum führt. Hierzu sind weitere Untersuchungen notwendig.

Untersuchungen ermitteln Größe und Verlauf

Geplant ist derzeit, das heruntergebrochene Deckengewölbe aus der Kelleranlage zu entfernen und zu entsorgen. Anschließend wird eine Dokumentation der Kelleranlage erfolgen. Auf Basis dieser Dokumentation kann ein Gutachten über die weitere Vorgehensweise erarbeitet werden. Derzeit ist der Tagbruch weiträumig abgesperrt.

Hof war eine Bergbaustadt

Die Stadt Hof war gegen Ende des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit - weit über die heutigen Grenzen hinaus - eine bekannte Bergbaustadt. Zahlreiche Gruben, Fördertürme und Hochöfen brannten Tag und Nacht. Bereits im Jahre 1561 waren 27 Zechen bekannt und eine Schmelzhütte stand im Bereich der Lorenzkirche. Mit dem Niedergang des Bergbaues im 19. Jahrhundert verfielen die Bergwerksanlagen zusehends und am Silvestertag des Jahres 1920 wurde das letzte obertägige sichtbare Zeichen der ehemaligen Bergbaustadt Hof, das Eisenhüttenwerk an der Alsenberger Straße in Hof abgerissen. Damit endete eine jahrhundertelange Bergbautradition in Hof, die heute in der Stadt nicht mehr zu sehen ist. Was jedoch noch übrig geblieben ist, das sind die Stollen- und Kelleranlagen im Untergrund.

Ursachen für Löcher im Boden

"Bei den Bebauungen durch Straßen, Kanäle und Hausbau wird jedoch kaum Rücksicht auf die Hohlräume im Untergrund genommen. Diese werden meist einfach plombiert, verschlossen und geraten dadurch in Vergessenheit. Dies führt zu nicht kalkulierbaren Verbruchzonen im Untergrund, die letztlich zu einem sogenannten Tagbruch, also einem Loch im Boden führen können", heißt es in der Mitteilung.

Die Ursachen hierfür sind vielschichtig. Durch die Verfüllung oder Plombierung des Hohlraumes werden die Wasserführungsstollen ebenfalls verschlossen und das Wasser kann nicht abgeleitet werden. Dadurch steigt die Luftfeuchtigkeit ebenso wie die Feuchte an, was zur weiteren Korrosion und damit zu einer Zersetzung des Felskörpers führt. Es kommt zu Verbruchzonen. Diese verlaufen im Untergrund meist unbemerkt. Wenn jedoch die Decke eines Stollens oder Kellers soweit eingebrochen ist, dass die darüber liegenden Erdschichten dem Druck nicht mehr stand halten können, bricht auch der obertägig sichtbare Boden ein und es entsteht ein Tagbruch. Auch werden immer wieder die Lüftungsschächte derartiger Hohlräume durch die obertägige Bebauung verschlossen, so dass keine Luftzirkulation stattfinden kann. Auch dies sei eine Kernursache für den vor Ort einbrechenden Boden.

Ältere Vorfälle in Hof

Tagbrüche sind eher selten, kommen aber in Hof ebenfalls vor. So brach vor einigen Jahren ein LKW auf dem ehemaligen Gelände der Zeltbräu im Stadtzentrum in eine Stollen- und Kelleranlage ein. Auch im Bereich der Bühlstraße/Leimitzer Straße kam 2013 ein Tagbruch vor.

Hohlräume sind letztlich - außer den schriftlich erhalten gebliebenen Zeugnissen - die einzigen historisch erhalten Zeichen der einst weit über die Grenzen Hofs hinaus bekannten Bergbaugeschichte der Stadt. Diese sollen in einem mehrjährigen Projekt der Stadt Hof mit Unterstützung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege dokumentiert werden. Ein Ziel ist es anhand der Unterlagen Bewertungsgrundlagen dafür zu erhalten, ob es sich um Denkmäler handelt.