Hof - Der Hofer Oberbürgermeister Harald Fichtner hat das gestrige Gedenken an die Reichspogromnacht 1938 am Hofer Hallplatz dazu genutzt, zu einem entschlosseneren Kampf gegen jede Form des Antisemitismus aufzurufen. Dort, wo vor 81 Jahren die Synagoge Ziel antijüdischer Übergriffe war, erinnerte Fichtner an die Ereignisse im Jahr 1938, ging aber vor allem auf die Gegenwart ein. Angesichts von Gewalttaten wie jenen in Halle forderte Fichtner alle Parteien und Gruppierungen auf, ihre Routine im Umgang mit Antisemitismus zu überdenken. "Hierbei geht es nicht um eine Diskussion um einen Einzeltäter - das ist meine tiefe Überzeugung. Hier geht es um die grundsätzliche Kultur, um Veränderungen in unserer Gesellschaft, in der es offenbar wieder möglich wird, ganz offen und oftmals sogar lauthals antisemitische Bekenntnisse abzulegen und in der judenfeindliche Äußerungen wieder viel zu oft toleriert werden. Und das darf einfach nicht sein - hier brauchen wir eine politisch deutliche Umkehr", sagte Fichtner. Konkret forderte der Hofer OB den Gesetzgeber auf, antisemitische Äußerungen aus jeder Richtung stärker zu verfolgen und zu bestrafen, seinen Kampf gegen Antisemitismus nicht auf einige wenige Bereiche zu beschränken und Verstöße gegen grundgesetzlich festgelegte Normen auch in Bleiberechtsverfahren stärker zu ahnden. Jacob Gonczarowski von der israelitischen Kultusgemeinde erinnerte an die Opfer des Holocaust. "Diese Zahl wird gerne anonym gesehen, aber es handelt sich um sechs Millionen Einzelschicksale."