Hof Poetische Reise

Ralf Sziegoleit
Zwei bekannte Filmjournalisten standen im Mittelpunkt der Ausstellungseröffnung: Moritz Holfelder und Katja Nicodemus. Foto: asz

Eine Fotoreportage vom Filmfestival in Venedig ist in der Freiheitshalle zu sehen. Der Münchner Filmjournalist Moritz Holfelder hat sie inszeniert.

Hof - Man kennt seine Stimme aus dem Bayerischen Rundfunk, für den er über Filme berichtet; den Hofer Filmtagen ist er als Gesprächsleiter verbunden; vor ziemlich genau einem Jahr nahm er als Laudator an einer Ausstellungseröffnung in der Freiheitshalle teil; und nun, am Freitagabend, stellte ihn Hofs Kulturamtsleiter Peter Nürmberger als "Künstler" vor: Moritz Holfelder, vielseitiger Journalist und Buchautor, präsentiert eigene Fotos, 75 Stück unter dem an einen Film von Wim Wenders erinnernden Titel "Der Strand des Kinos". Und um das Kino, um das Filmfestival von Venedig, geht es in seinen Bildern.

"Venedig hat es vorgemacht", sagte Nürmberger. Vorgemacht, dass es möglich ist, in Corona-Zeiten eine Kulturveranstaltung mit Publikum durchzuführen. Und Hof will es nachmachen, in vernünftigen und vorsichtigen Schritten, wie Nürmberger sagt. Etwas bizarr wirkte sie schon, diese erste Vernissage in der Region nach beinahe gewohnter Art: Zirka 80 Menschen durften nach Anmeldung dabei sein und wurden unter Wahrung von Abständen im Großen Foyer verteilt, obwohl die Kunst im Kleinen Foyer zu besichtigen war. Alle Besucher bedeckten Mund und Nase mit der vorgeschriebenen Maske, sodass man sich schon mal fragte, ob das nicht derjenige oder diejenige gute Bekannte sei, und tatsächlich handelte es sich um jene lose Gruppierung, die Nürmberger als "unsere Ausstellungsgemeinde" begrüßte; für ihn war es ein "Glücksmoment sondergleichen".

Einen solchen hatte Moritz Holfelder erlebt, als er seine Venedig-Fotos vor einem Jahr der berühmten, damals in Hof ausstellenden Fotografin Isolde Ohlbaum zeigte und diese mit einer Begeisterung reagierte, die sich für ihn "seltsam und traumhaft" anhörte. An gleicher Stelle wie sie darf er nun seine Fotos zeigen, die wie die ihren thematisch zum Hofer Festival passen, das vom 20. bis 25. Oktober — natürlich unter Corona-Zwängen — wieder stattfinden wird. Einem ausgeklügelten Hängeplan folgend, laufen die Bilder dicht an dicht an den Wänden entlang, wie eine Erzählung in sechs Kapiteln, die jeweils von einem Großformat wie von einer Überschrift eingeleitet werden. Von der "Ankunft" führen sie zu Stationen wie "Schaulustige & Fans", "Stars & Strand" und "Hinter den Kulissen". Gemieden wird das Venedig, wie man es kennt, denn nicht die Stadt selbst, sondern ein Arbeiter- und Seniorenviertel ist Schauplatz des Spektakels, und auch dessen glamouröse Seite mag Holfelder nicht in den Mittelpunkt rücken. In einer Mischung aus Neugier und Gelassenheit inszeniert er die Reportage als poetische Reise, die bewusst zwischen Schwarz-Weiß und Farbe wechselt und viele Stimmungen in einen spannenden Rhythmus bringt.

Als Rednerin zur Eröffnung konnte Nürmberger die Filmkritikerin Katja Nicodemus von der Wochenzeitung "Die Zeit" gewinnen, die auch die Filmtage in Hof gut kennt. Über das Festival in Venedig sprach sie "wie über einen alten Freund", dem sie an einem Sehnsuchtsort begegne, jeweils zum Sommerende, wenn man spüre, "dass das Leben endlich ist". Ebendieses Gefühl der Vergänglichkeit stellt sich ja auch durch Corona ein. So haben wir hier eine Ausstellung, die dem Ort und der Zeit in jeder Hinsicht gerecht wird.

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Bis zum 27. September, Montag bis

Freitag von 10 bis 17 Uhr und nach

Vereinbarung.

 

Bilder