Hof Sattelfest über Stock und Stein

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Die Frankenpost radelt. Jede Woche schwingt sich im Sommer Redakteur Christoph Plass auf dem Drahtesel und strampelt durch die Region. Um Menschen zu treffen und Geschichten zu sammeln. Die erste Tour führt von Münchberg in Richtung Waldstein.

Münchberg - Die Idylle hat ihren Preis. Zwischen den golden glänzenden Weizenfeldern und den wogenden Wiesen unter den Wolkengebilden und im Wechsel zwischen Schattenwänden und Abendsonnenstrahlen tummelt sich kaum Menschliches. Es ist Juli in der Region, und fühlt sich an wie Spätseptember, Aprilanfang, allerhöchstens Mitte Mai.

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Und die Leute sind vorsichtig: Nicht viele von ihnen suchen an diesem Mittwochabend den Gang an der frischen Luft - zu viel davon würde ihnen wohl um die Ohren brausen. So, wie die Abendsonne vereinzelt warme Flecken auf die Erde zaubert, so tröpfeln Spaziergänger und Radfahrer, Reiter und Hundeausführer übers Land. Und erzählen.

"Viele meiner Freunde haben ja schon lange das Zeitliche gesegnet", sagt Hans Hanke, ein Münchberger. 77 Jahre hat er auf dem Buckel. "Und ich werd noch weitermachen, solang' es geht, das können Sie mir glauben!" Mit seinem Hund Addy ist Hans Hanke an diesem Abend auf den Wiesen nahe Eiben unterwegs. "Hier ist das, was ich suche: Ruhe, Natur." Demnächst geht's in den Urlaub nach Bulgarien - ans Wasser, und schönen Wald haben sie dort auch.

Ansonsten, das sagt der Münchberger, habe er keine Wünsche mehr: "Ein bisschen mehr könnte schon los sein bei uns, für die jungen Leute halt, meine Kinder und Enkel. Ich selber brauche nicht viel." Seit es seinen Stammtisch nicht mehr gibt, seit "Harmonie" und "Braustüberl" geschlossen haben, suche er nicht mehr so intensiv das Gespräch am Biertisch. "Ich bin kein Eigenbrödler, wirklich nicht. Aber ich mag mir kein Gejammer anhören - jeder muss irgendwie irgendwo durch, da hilft lamentieren nie", betont er. Und pfeift den großen Schäferhund an seiner Seite zurück, und zeigt in Richtung Waldrand, wo eine Schar Spatzen sich ein Wettrennen liefern in der Luft. "Und fei nicht runterfallen!", ruft Hans Hanke dem Radler nach, bevor er sich umdreht und geht.

Familienbande

20 Minuten später, einige Kilometer weiter, die weiten Wiesen haben getauscht mit engen Häusergassen, kommen die Rauschers in Sparneck den Berg herunterspaziert. Sascha Rauscher kocht heute Abend, es gibt Chili. Seine Frau ist noch in der Arbeit, also hat er seine Eltern eingeladen - die sich aufs Essen ebenso freuen wie auf Enkelin Emma, die dem kleinen Trupp in schnellen Schrittchen vorauseilt. Die Wiesenfeste sind das große Thema, als die Familie auf Nachbarin Berta Buchta trifft. "Das Fest in Münchberg hat's ja ein bisschen zerregnet", sagt Siegfried Rauscher, Emmas Opa. Ganz allgemein, bemängelt er, habe das Wetter ja einiges kaputtgemacht. Ohnehin: "Die Leute haben nicht mehr das Geld, auf alle Feste zu gehen", sagt Siegfried Rauscher. Doch Sohn Sascha widerspricht: "Bei uns in Sparneck kommen die Leute, wenn etwas los ist." Wenn Feuerwehr oder Fichtelgebirgsverein einladen, dann feiern alle gerne mit: "Der Zusammenhalt in den Vereinen stimmt", sagt Sascha Rauscher.

Nach der Schließung des Edeka-Marktes im Ort vergangenes Jahr gebe es mittlerweile auch wieder einen neuen Treffpunkt für die Einwohner. "Das Dorflädchen läuft, glaube ich, ziemlich gut", sagt Renate Rauscher, Saschas Mutter. Und die Nachbarin schiebt ein: "Für den Großeinkauf fahren wir halt nach Münchberg, aber wenn's um Kleinigkeiten geht, ist das schon praktisch." Zu allen Tageszeiten sehe man hier wieder Menschen miteinander schwatzen oder beim Kaffee zusammensitzen. Berta Buchta: "Und das ist schon gut so."

Kaffee in Weißdorf

Auch in Weißdorf gebe es einen guten Kaffee, sagen die drei Damen, die nahe der Hauptstraße auf einer Bank in der Abendsonne sitzen. Jeden Tag im Sommer, wenn die Temperaturen mitmachen, nehmen die drei Nachbarinnen nebeneinander Platz. "Bis zu den Nachrichten, die darf man ja nicht verpassen", sagt eine der drei, die sich zieren, ihre Namen für die Zeitung preiszugeben.

"Hier darf ruhig alles so bleiben, wie es ist", sagt die Nächste der drei Damen. Für den täglichen Bedarf könne man im Ort einkaufen, ansonsten gehe es mit dem Bus nach Münchberg, wenn sie einen Arzt oder Apotheker bräuchten. Ihre Kinder, so berichten die Damen, haben Arbeit im Landkreis bekommen - im Ort selbst tue sich wenig, sagen sie.

"Deshalb sind auch viele Häuser nur noch teilweise bewohnt", erklärt eine der drei. Wer hier lebt, der hält zusammen: Im Ort kennt man sich, klar. Aber vor allem achtet man aufeinander. "Wir haben eine Vereinbarung: Wenn eine von uns am Vormittag den Rollo nicht hochzieht, kommen die anderen nachsehen", erklärt eine das System. "Hier in Weißdorf kümmern wir uns umeinander."

Serie, Teil 1


Die Route

Eine gute Stunde reine Fahrtzeit dauerte die Runde durch den Altlandkreis Münchberg, die für gemütliche Radler geeignet ist. Für die Gespräche mit den Menschen habe ich mir eine Stunde Zeit genommen. Das Rad aus dem Kofferraum geholt habe ich am Münchberger Schützenhaus, von dort fuhr ich nach Eiben. Nach einer kurzen Fahrt durch Wald und Felder und vorbei an einem Reitstall, bin ich rechts auf die Straße nach Mechlenreuth abgebogen und anschließend nach links in Richtung Waldstein. Durch Stockenroth bin ich nach Sparneck gerollt, bevor ich am Mühlteichplatz per Handzeichen links "geblinkt" habe und nach Weißdorf geradelt bin. Über Wilmersreuth und Eiben führte der Weg zurück zum Ausgangspunkt in Münchberg.