Hof Schulen und Zeitungen in neuen Rollen

Pädagogen aller Schularten tauschen sich beim Lehrermedientag mit Frankenpost -Redakteuren aus. Es geht um brisante Themen wie Fake News und die Digitalisierung.

Hof - Auf Fake News hereinzufallen, ist schnell passiert. Wie schnell, das bewies Marcus Schädlich beim ersten Lehrermedientag der Frankenpost am Mittwoch in Hof. Bevor der Redakteur das Phänomen hinter den gezielt verfälschten Nachrichten erklärte, stellte er den 25 Teilnehmern zunächst eine kleine Falle. Schädlich berichtete von seinem Besuch bei einer Journalisten-Tagung in Berlin. Dort sprach auch Claus Kleber, bekannter Moderator des ZDF-"Heute Journals", und gab einen Einblick in die Berichterstattung des Senders während der Flüchtlingskrise. Demnach hätte sich der Nachrichtenmann mit Kanzlerin Merkel getroffen, um zu besprechen, wie man den Flüchtlingsstrom im "Heute Journal" am besten darstellt. Ob so eine Absprache zwischen Medien und Politik für die Demokratie förderlich ist, wollte Schädlich von den Lehrern wissen. Eine Diskussion nahm ihren Lauf. Am Ende um etwas, das es nie gegeben hat: Denn das Treffen zwischen Claus Kleber und Angela Merkel ist reine Erfindung. Schädlichs Erfindung. Fake News vom Feinsten.

Der Lehrermedientag schärfte die Sinne der Besucher in vielen Bereichen. Parallel zu 15 anderen Verlagen in Bayern richtete unsere Zeitung diese Fortbildungsveranstaltung zum ersten Mal aus. In Hof berichtete Redakteurin Gertrud Pechmann, wie "Journalismus 4.0" im Zeitalter von solchen "Fake News" funktioniert. Mehr denn je sei es wichtig, sorgfältig zu recherchieren, Quellen und Kontexte kritisch zu prüfen, sich Fachwissen über die eigenen Schwerpunktthemen anzueignen. Echte von gefälschten Nachrichten zu unterscheiden - das übten die Teilnehmer ihres Workshops an Beispielen aus dem Redaktionsalltag. Sie bewerteten Pressemitteilungen auf ihre Glaubwürdigkeit hin, suchten nach den Urhebern von Nachrichten. "Das hat richtig Spaß gemacht, gerade bei den kniffligen Fällen", freute sich eine Mathelehrerin.

Während der Fortbildungsveranstaltung konnten die Pädagogen hautnah miterleben, wie ihre Tageszeitung entsteht: Sie nahmen an der Redaktionskonferenz teil, lernten die Redakteure kennen und bekamen einen Überblick über die Nachrichten des Tages in den verschiedenen Ressorts - zum Beispiel die geplante Anbindung der Region Oberfranken an China, das Kräftemessen zwischen Horst Seehofer und Markus Söder, die Nachfolge für den zurückgetretenen Präsidenten Mugabe in Simbabwe. Dabei brachten sich die Besucher aktiv ein, schlugen den Ausbau der Leserbriefseiten oder Videos auf der Frankenpost -Homepage vor, um mehr junge Leser anzusprechen. Eines wurde klar: Die Zeiten haben sich sowohl für die Zeitung als auch für die Schulen geändert. Die Digitalisierung wirkt sich auf die Art der Berichterstattung und auf die Unterrichtsmethode aus. Während Zeitungshäuser sich zu Multimediahäusern wandeln, fehlt es in so mancher Schule noch an den finanziellen Mitteln für Laptops, Tablets oder Beamer - und den Zeitungen an Möglichkeiten, ihr digitales Angebot zu verkaufen. "Wir können viel voneinander lernen", freute sich Frankenpost -Chefredakteur Hans Pirthauer über den Austausch. Sowohl Medien als auch Schulen vermittelten Informationen, die Menschen dazu befähigen sollen, kritisch und mündig zu denken. Das sei eine wichtige Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie.

Welche Funktionen Medien dabei übernehmen, erläuterte Redakteur Christopher Michael. "Information, Kontrolle und Meinungsbildung sind die drei großen Aufgaben der Presse", erklärte er den Lehrern. Journalisten berichteten über die Jamaika-Sondierungsgespräche und die Panama Papers, stellten Manager-Boni zur Diskussion und ordneten Ereignisse in Meinungsbeiträgen ein. So erfüllten die Medien neben Legislative, Exekutive und Judikative die Rolle der "vierten Gewalt". Bei seinem Vortrag lernten die Pädagogen auch Journalisten-Jargon - etwa, was es mit Informationen "unter drei" (streng vertraulich), "unter zwei" (Veröffentlichung ohne direktes Zitat) oder "unter eins" (Veröffentlichung mit Nennung der Quelle) auf sich hat und wie Journalisten diese für ihre Arbeit nutzen. "Sie sind die Multiplikatoren für Qualitätsjournalimus. Leiten Sie Ihre Schüler zu einer bewussten Mediennutzung an", appellierte Michael an die Lehrer.

Redakteurin Ann-Kristin Schmittgall stellte das digitale Nachrichtenangebot der Frankenpost vor: Seit 2006 postet die Frankenpost ausgewählte lokale oder regionale Nachrichten auf Facebook. Rund 23 500 Abonnenten nutzen das Angebot und besuchten über den Link auch die Homepage der Zeitung. Seit 2015 gibt es die wichtigsten Nachrichten auch per Whatsapp auf das Mobiltelefon. Jüngst hat das Online-Team der Frankenpost erstmals die Hofer Filmtage auf Instagram präsentiert. "Für uns sind die sozialen Medien ein Weg, in Echtzeit zu berichten", sagte Schmittgall.

Andreas Hofmann, Lehrer an der Waldschule Hatten im Landkreis Oldenburg und medienpädagogischer Berater, gab den Lehrern zum Abschluss einen Einblick in den Unterricht mit Tablet-Computern. Der Pädagoge war 2012 einer der ersten in Deutschland, der die Geräte im Unterricht einsetzte und hat seither bundesweit bereits etliche Schulen bei der Umsetzung von Tablet-Klassen begleitet. Mit der neuen Technik habe sich die Rolle der Lehrer gewandelt, erklärte Hofmann. "Jedes Tablet ist klüger als wir." Im Internet fänden Schüler schließlich alle Informationen. Die neue Rolle der Lehrer müsse es deshalb sein, Schülern einen verantwortungsvollen Umgang mit der Technik beizubringen. Das heißt, sie anzuleiten, was es beispielsweise in Sachen Urheberrecht zu beachten gibt und wie man geeignete Quellen findet. gp/aks

 

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