WC-Verbund in Hof Sie erleichtern das Erleichtern

Werben für den WC-Verbund (von links): Klaus-Jochen Weidner, Dieter Sörgel und Carsten Reichel. Foto: Frank Mertel

Die Toilettensituation ist in Hof unbefriedigend. Jetzt springen vier Gastronomen und ein Kino in die Bresche. Als WC-Verbund schaffen sie Abhilfe. Nachahmer erwünscht.

Hof - Wenn das Unvermeidliche unvermeidbar wird: Der ausgedehnte Einkaufsbummel durch Hof hat seine Grenzen spätestens dann, wenn die Blase drückt. Zumindest ist es dann mit der Gemütlichkeit vorbei, denn die Toiletten-Situation in der Saalestadt ist knifflig. Eine Lösung soll der WC-Verbund darstellen. Das Konzept bietet den Bürgern eine Alternative zu den öffentlichen Örtchen. Dabei bieten Gastronomen ihre Toiletten nicht nur für die eigenen Gäste an, sondern für alle, die dringen mal müssen.

Das Zauberwort: kostenlos. Alle Menschen können kostenfrei die Toiletten in den teilnehmenden Restaurants und Einrichtungen benutzen – eben auch, wenn sie dort Nichts kaufen. Aktuell ist das bei fünf Gewerbetreibenden möglich, die Teil des WC-Verbundes sind: Nordsee, Rossini, Eiscafé Rialto, Maximilians und das Central-Kino. Seit August bieten sie ihre Toiletten an.

Der große Stresstest kommt nun vermutlich zu den Filmtagen – und besonders zu dem verkaufsoffenen Sonntag am 30. Oktober. Bislang ist „alles überschaubar“, berichtet Dieter Sörgel vom Rossini. Ihn nerve es nicht, wenn Nicht-Kunden seine Toiletten benutzen. „Wenn Leute nett fragen, ist das alles kein Problem“, sagt der Gastronom. Wenn sie allerdings „einfach reinspatzieren“, schon. Doch um solche Fälle muss er sich jetzt nicht mehr kümmern: Jetzt gibt es 150 Euro Aufwandsentschädigung von der Stadt. Die Verträge laufen zunächst bis Ende des Jahres. „Aber auch im Haushalt 2022 ist der WC-Verbund schon mit eingerechnet“, erklärt der Wirtschaftsförderer Klaus-Jochen Weidner. Damit sei die „Ernsthaftigkeit“ des Projektes bewiesen. Es sei kein Projekt für ein paar Monate, auch wenn die Verträge zunächst tatsächlich nur für ein paar Monate geschlossen wurden. „Mit den fünf Partnern sind wir sehr glücklich: Sie sind gut in der Innenstadt verteilt“, sagt Stadtmarketingleiter Carsten Reichel. Selbstverständlich sei die Stadt trotzdem immer auf der Suche nach weiteren Partnern. Man wolle die Stadt attraktiver machen. Auch den Einzelhandel habe man angefragt, doch keine positive Rückmeldung bekommen.

Und wie erkennen Menschen jetzt, dass sie ohne schlechtes Gewissen und kostenlos müssen dürfen? „Wir haben an unsere Partner Aufkleber verteilt“, erzählt Reichel. Die können sich die Gastronomen an die Türe oder ins Fenster kleben. Wer noch mehr Infos braucht und auch von anderen Toiletten-Mitstreitern erfahren möchte, für den gibt es Info-Flyer. Wichtig ist Reichel, dass es Partner sind, die tagsüber eine Anlaufstelle für Gäste sind: „Reine Abendgastronomie nutzt uns nicht“, sagt er.

Nun wollen alle zusammen schauen, wie die nächsten Monate laufen. Mit den acht öffentlichen Toiletten kann die Stadt hingegen keinen Blumentopf gewinnen, das weiß man im Rathaus: „Die sind nicht immer in so einem erquickenden Zustand“, sagt Reichel. Ob der WC-Verbund tatsächlich ein Gegenmaß zu den städtischen Örtchen sein wird, bleibt abzuwarten. Wie genau die Evaluierung des WC-Verbundes aussehen wird, bleibt offen. Auf den neuen WC-Verbund, der seit August besteht, wurde Dieter Sörgel noch nie angesprochen. Man müsse abwarten, ob sich die Gäste anständig verhalten und die Toiletten nicht verunreinigen.

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