Hof Start-up macht Holz zu Wasserstoff

Andy Gradel und Andreas Molle (Btx Energy) am Versuchscontainer zur Restholzvergasung in Hof Foto: Btx Energy

„Btx Energy“ heißt ein junges Unternehmen aus Hof, das die Energiewende voranbringen möchte. Nun will es mobile Container auf den Markt bringen: Pellets aus Restholz kommen rein, Wasserstoff kommt raus.

Hof - Die Wasserstofftechnologie, große Hoffnungsträgerin in Sachen Energiewende und grüne Mobilität, hat ein Henne-Ei-Problem: Besonders im ländlichen Raum, wo die Bevölkerung vor allem auf das eigene Auto angewiesen ist, gibt es kaum Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb. Hauptargument gegen den Kauf sind oft die fehlenden Tankstellen. Weil es aber kaum Fahrzeuge gibt, scheint es den Unternehmen wenig lohnenswert, solche zu installieren.

Ein Teufelskreis, den ein erst im Jahr 2020 gegründetes Start-up durchbrechen möchte: „Btx Energy“ ist daran beteiligt, mobile Container zu entwickeln, in denen es möglich ist, aus Holzpellets Wasserstoff zu gewinnen – und zwar ein Kilogramm aus zwölf bis 15 Kilogramm Holz. „Das entspricht einem Wirkungsgrad von über 50 Prozent“, erklärt das Unternehmen in einer Pressemitteilung. „Mehr als jeder Verbrennungsmotor und dabei vollständig erneuerbar.“

Ist der Wasserstoff gewonnen, wird er für die spätere Nutzung gespeichert. Schafft also beispielsweise eine Kommune einen solchen Container an, wäre es dort sofort möglich, Wasserstoff zu tanken, obwohl es noch keine Wasserstofftankstelle in der Region gibt. Geeignet wären die neuartigen Container als Übergangs- genauso wie als Dauerlösung.

Unternehmensgründer von „Btx Energy“ ist Andy Gradel. Der 30-Jährige ist gelernter Maschinenbauer und leitender Ingenieur am Institut für Wasser- und Energiemanagement der Hochschule Hof. Erst kürzlich stellte er seine Doktorarbeit fertig. Bereits seit 2016 beschäftigt er sich damit, wie aus Biomasse saubere Energie und Wärme entstehen kann. Im Zuge seiner Promotion gelang es ihm, einen neuartigen Holzvergaser zu entwickeln. Um die Technik auf den Markt zu bringen, gründete er schließlich sein Unternehmen, das momentan am Digitalen Gründerzentrum an der Hochschule Hof angesiedelt ist.

Mit dem Vergaser Strom zu erzeugen, sei für den Anwender inzwischen nicht mehr rentabel, sagt Gradel im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Konditionen auf dem Energiemarkt hätten sich geändert. Jedoch rechnet Gradel damit, dass „der Wassterstoffbedarf in den nächsten zehn Jahren stark steigen“ wird. So kam es schließlich zu dem Entschluss, in die Wasserstoffproduktion einzusteigen. Er ist überzeugt von dem Verfahren, das begehrte Element aus Holzgas zu gewinnen: „Fast das ganze Land stürzt sich auf Wind- und PV-Strom. Diese Technologien sind aber unzuverlässig und immer mit Verlusten behaftet – auch wenn ich daraus zum Beispiel Wasserstoff herstelle. Das hat man bei der Bioenergie nicht.“

Das Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) fördert das Projekt, genannt „BiDroGen“, mit insgesamt 630 800 Euro. Kooperationspartnerin ist die Firma A.H.T. Syngas Technology N.V aus Overath in Nordrhein-Westfalen.

Das Verfahren funktioniert so: In einem Vergaser werden Holzpellets gewissermaßen „teilverbrannt“ – mit weniger Luft, als es in einem Ofen der Fall wäre. So entsteht wasserstoffhaltiges Brenngas. Das gelinge in seinem Vergaser im Vergleich zu Konkurrenzprodukten besonders sauber, erklärt Gradel. Nur so sei es möglich, das Holzgas weiterzuverarbeiten.

In einem zweiten Schritt wird es in einen kleinen Reaktor geleitet, der den Wasserstoffgehalt in dem Stoffgemisch maximal ansteigen lässt: In dieser sogenannten Wassergas-Shift-Reaktion entsteht Wasserstoff aus Kohlenmonoxid und Wasserdampf.

Um den Wasserstoff von allen anderen Bestandteilen zu trennen, kommt dann der „Ferro-Hy-Tunnel“ zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein Produkt des Partnerunternehmens, das sich aktuell noch in der Entwicklung befindet. Nun ist der Wasserstoff fertig, um in den Speicher zu wandern.

Ein Container, der alle Technik beinhaltet, wird nach ersten Schätzungen Gradels in der Anschaffung wohl zwischen 300 000 und 400 000 Euro kosten. Profitieren könnten davon zunächst vor allem Sägewerke und landwirtschaftliche Betriebe, erwartet der Jungunternehmer. Dort fallen Holzspäne an, die in Pellets gepresst werden. „Diese Pellets werden sonst mit einem Diesel-Lkw durchs halbe Land kutschiert.“ Das könne man sich in Zukunft sparen – wenn das Restholz in Zukunft statt Abgase Wasserstoff produziert, der den eigenen Fuhrpark antreibt.

Autor

 

Bilder