Hof Super Auftakt mit kleinem Makel

Das Volksfest läuft traumhaft an. Auf dem Festplatz tummeln sich die Menschen, in der Halln entwickeln die Besucher besonderen Feier-Eifer. Das stellt die Akteure vor große Aufgaben - so wie der Wind.

Hof - Jürgen Heinritz freut sich auf seine zweite Chance. Am Montagabend um 22 Uhr bekommt der Pyrotechniker die Gelegenheit, das abzufeuern, was er eigentlich schon am Samstag hätte in den Hofer Himmel schießen sollen: Die Stadt Hof hatte aufgrund der sturmartigen Böen am Samstag das Eröffnungsfeuerwerk verschoben. Das hat die Festgäste am Samstag tüchtig beschäftigt - doch litt die Party nicht darunter. Das Volksfest 2015 hat ein Eröffnungs-Wochenende nach Maß hinter sich. Und einige spannende Aktionen noch vor sich.

Am Sonntagvormittag zelebrieren einige handverlesene Gäste den Frühschoppen - diese Kunst ist etwas, das die Hofer noch lernen müssen, da haben die Rehauer oder die Selber den Saalestädtern mit ihren Wiesenfesten noch einiges voraus. Dem ging am Samstagabend ganz anderes voraus: Die Besucher der Halln haben so viel Durst, dass am Ende des Abends das Meinel-Bier ausverkauft ist. Was freilich über Nacht behoben wird. Dafür zeigen Sonntagnachmittag die Kleinsten ihren Eltern, wie Feiern richtig geht: Zur Musik von "Rodscha aus Kambodscha" und Tom Palme hüpfen mehr als 100 Kinder vor der Bühne auf und ab - und die Mamas und Papas im Publikum haben alle Hände voll zu tun, den Nachwuchs im Zaum zu halten. So ist es auch schon am Volksfest-Samstag, als nachmittags die Familien den Festplatz zu ihrem Territorium erklären.

"Ich war schon Enten angeln und Tüten fischen", erklärt der siebenjährige Nick. Für die großen Fahrgeschäfte kann er sich noch nicht begeistern - da sind ihm die ruhigeren Dinge lieber. Macht aber nichts: Zwischen Losbude, Motordrom und allerlei anderen Belustigungs-Ständen kommt der junge Mann am Samstagnachmittag auf jeden Fall zu seinem Recht. "Wir sind um zwei Uhr gekommen, und wir bleiben bis fünf - mindestens", verkündet er denn auch selbstbewusst.

Eine stolzgeschwellte Brust hat auch Calvin: Der Siebenjährige hat gerade mit großem Vorsprung im Motordrom gegen seine Mama gewonnen. Einmal kurz gezielt, einmal geschwind den richtigen Schwung dosiert - schon rollt die Kugel in die richtigen Löcher, um dem Motorradfahrer auf der kleinen Bahn den nötigen Schub zu verleihen. Calvin siegt souverän, angefeuert von der jungen Dame hinterm Tresen - und als sie die Glocke zu seinem Sieg läutet, steht er vor der kniffligen Frage: einen kleinen Preis mitnehmen oder die Gewinnpunkte sammeln? Calvin sammelt: Schließlich will er wiederkommen. Aber zunächst geht es jetzt einen Stand weiter: zur Schießbude. Dort warten die nächsten Gewinne.

Die siebenjährige Mira hat mehr den Nervenkitzel im Sinn. Sie hat sich schon vom Kettenkarussell Bayerischer Wellenflug die Haare durchwirbeln lassen und ist im Autoskooter gegen ihren Vater angetreten. Jetzt noch eine Fahrt mit der Wilden Maus und ein paar gebrannte Mandeln, dann geht es wieder nach Hause. Zumindest bis zum nächsten Tag.

Viel zu entdecken hat auch die vierjährige Leni: Drei Mal hat der Opa sie jetzt auf dem Pony reiten lassen, als Nächstes wird unbedingt ein Eis fällig. Vanille, Erdbeere, alles okay - "aber am besten schmeckt mir Schokolade", verkündet sie. Und der Opa stellt sich schon darauf ein, die Geldbörse zu zücken.

Auch die Akteure freuen sich über die gut gelaunten Gäste: Am Samstagnachmittag bevölkern die Familien den Festplatz, drehen ihre Runden in den Fahrgeschäften und suchen nach Leckereien. "Wir freuen uns, wieder hier zu sein, wir haben hier so viele Freunde", erklärt Edmund Kaiser vom Ponyreiten. Das Hofer Volksfest ist nicht zuletzt auch Treffpunkt für die Schausteller untereinander - sie kommen aus allen Ecken der Republik hier zusammen. Und die Saalestadt hat einen ganz besonderen Stellenwert für die Fieranten: "Hof gehört zu den Standorten, die wir immer anfahren - davon gibt nicht besonders viele", bekräftigt Kaiser.

So ist auch der Marktmeister zufrieden mit dem Fest-Beginn: Uwe Voigt dreht seine Runden auf dem Platz, spricht mit den Beteiligten, holt Meinungen ein und fragt nach Verbesserungsvorschlägen. Von denen er bisher wenig hört: Denn die Vorbereitungen waren gut, das Fest ist reibungsfrei angelaufen. Daran ändern zunächst auch die starken Sturmböen nichts: Gegen den starken Wind am Samstagnachmittag wird alles angeschraubt und angeklebt, was nicht niet- und nagelfest ist - so sind die Böen keine Beeinträchtigung für den Betrieb. Bis Samstagabend, 20 Uhr.

Da sagt die Stadt das Feuerwerk ab. - der erste Einschnitt in die ansonsten fröhliche Feier. Die Verantwortlichen hatten den ganzen Tag die Wetterberichte verglichen, haben sich am Ende für die Sicherheit entschieden. Eine Ansage, die ihnen am Ende des Tages viel Lob einbringt: Denn auch, wenn die Festgäste den Wegfall des Feuerwerks natürlich bemängeln, beteuern sie, dass die Entscheidung richtig war - die Gäste wollen dafür einfach am heutigen Montag wiederkommen.

So ist auch die vorherrschende Meinung am Sonntag: Ob beim Frühstück im Riesenrad, auf dem Frühschoppen oder nachmittags und abends im Zelt - eine Aussage bestimmt das erste Volkfest-Wochenende: "Schee ham se's wieder gmacht." Dieser Satz fällt öfters an den ersten drei Festtagen. Die Akteure hoffen, dass er auch die nächsten Feier-Tage bestimmen wird.

Wir freuen uns, wieder hier zu sein.

Schausteller Edmund Kaiser

Das ganze Fest im Netz

Alle Infos zum Fest, viele Bildergalerien und zahlreiche Hintergrundgeschichten finden sich täglich neu im Internet unter www.frankenpost.de/volksfest.

 

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