Hof Tatort-Premiere während der Hofer Filmtage: Gefährliche Liebe

Eine verbotene Beziehung: Nach der minderjährigen Emily (Meira Durand) und ihrem älteren Begleiter (Andreas Lust) fahndet die Polizei. "Für Immer und Dich", ein "Tatort" aus Freiburg, feiert am heutigen Donnerstag Premiere bei den Hofer Filmtagen. Foto: SWR/Internationale Hofer Filmtage Quelle: Unbekannt

Ein 13-jähriges Mädchen wird vermisst. Ist sie mit einem älteren Mann durchgebrannt? In Hof präsentiert Regisseurin Julia von Heinz ihren ersten "Tatort". "Für Immer und Dich" ist inspiriert von einem echten Fall.

Hof - Ein junges Mädchen zieht sich im Autospiegel den Lippenstift nach, leckt lasziv an ihrem Eis am Stiel und küsst den bestimmt dreißig Jahre älteren Mann am Steuer liebevoll auf den Nacken. Das beklemmende Gefühl, dass das wohl nicht der Vater ist, bestätigt sich, als er dem Teenager mit dem Finger einen Tropfen Eiscreme vom nackten Oberschenkel streicht. Was passiert hier? Ist das Mädchen etwa freiwillig mit dem Mann unterwegs? In "Für Immer und Dich", dem neuen SWR-"Tatort" aus Freiburg, erzählt Regisseurin Julia von Heinz die Geschichte einer Beziehung, die es nicht geben darf. Eine verhängnisvolle Affäre, die dann gefährlich wird, als sich andeutet, dass sie an ihr Ende kommt.

Es ist der neueste Fall der Freiburger "Tatort"-Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner). Sie ermitteln in einem alten Vermisstenfall: Vor fast zwei Jahren ist die 13-jährige Emily verschwunden - und plötzlich gibt es eine neue Spur.

Für Julia von Heinz ist es der erste "Tatort". Die Regisseurin, regelmäßiger Gast bei den Hofer Filmtagen, gehört inzwischen zu Deutschlands renommierten Filmemachern. Zuletzt verfilmte sie Hape Kerkelings Bestseller "Ich bin dann mal weg" und drehte zum Reformations-Jubiläumsjahr für die ARD "Katharina Luther". Das klassische Krimi-Schema - zuerst der Mord, dann Ermittlungen und am Ende die Aufklärung - bricht Julia von Heinz in ihrem "Tatort"-Debüt auf. "Ich wollte keinen klassischen Krimi machen, es war mir wichtiger, die Geschichte aus der Perspektive des Mädchens zu erzählen", sagt Julia von Heinz. Auf das Drehbuch des krimi-erfahrenen Autors und Grimme-Preis-Träger Magnus Vattroth hat sie entscheidend Einfluss nehmen können. "So habe ich mich auch nicht in ein Korsett gepresst gefühlt", sagt die Regisseurin. Sie zeigt, dass man auch in einem TV-Format Kinofilme machen kann: "Dafür eignet sich der ,Tatort‘ ganz gut", sagt sie.

Spannung baut Julia von Heinz auf über die unheilvolle Stimmung, die sie über die ambivalente Beziehung von Emily (Meira Durand) zu dem etwa 40-jährigen Martin (Andreas Lust) legt. Was ist das für eine Partnerschaft, die immerhin schon fast zwei Jahre hält? Was ist das für ein Mann, der sich zu Teenagern hingezogen fühlt? Der seiner Mutter einen Blumenstrauß schenkt und seiner Partnerin bunte Baumwollslips aus der Kinderabteilung?

Die "Tatort"-Macher haben sich von einer wahren Begebenheit inspirieren lassen: In Freiburg ist vor fünf Jahren tatsächlich ein 13-jähriges Mädchen mit einem älteren Mann verschwunden. Viel mehr war dazu nicht bekannt, bis jetzt die Vermisste wieder aufgetaucht ist. Erst kürzlich ist die inzwischen 18-Jährige aus Italien zurückkehrt. Die Dreharbeiten zum "Tatort" waren da schon gelaufen.

Was im "Tatort" als Roadtrip zweier Verliebter beginnt, weicht langsam der Ernüchterung. Die anfangs kindlich wirkende Emily, die am liebsten mit dem Handy spielt und den Hund mit Haarspangen frisiert, beginnt zu rebellieren. Wie wird diese Geschichte enden? Durch die Ermittlungen der Polizei gerät Martin unter Druck. Er spürt zugleich, dass ihm die Kontrolle über Emily entgleitet. Er will sie nicht verlieren - und ist bereit alles dafür zu tun. Die Situation kippt. Kommt Emily heil aus der Sache heraus? Sie ist ein Stück weit erwachsen geworden, doch der ältere Mann ist dem Teenager immer noch in vielerlei Hinsicht überlegen - an Lebenserfahrung, körperlicher Macht und Skrupellosigkeit. Für die Polizei beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.

Der Filmtitel ist übrigens dem gleichlautenden Rio-Reiser-Song entlehnt - ein Liebeslied. Und ein Lieblingslied der Regisseurin: "Es ist wunderschön, hat aber durch das ,für immer‘ zugleich etwas Bedrohliches." Für Julia von Heinz verbindet der Song Hoffnung und Melancholie: "Leichtigkeit und Schmerz zu verbinden, das war mir wichtig. Beides drückt dieses Lied aus."

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Donnerstag, Cinema, 12.15 Uhr. Samstag, Scala, 20 Uhr. Sonntag, 13.15 Uhr, Regina.

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