Hof und Plauen Partner seit 35 Jahren

Am 9. Oktober 1987 haben die Städte Hof und Plauen den Partnerschaftsvertrag unterzeichnet. Das ging nur, weil die Regierungsspitze der DDR damit einverstanden war.

Die Unterzeichnung. Foto: Stadt Hof

Vor 35 Jahren im Oktober 1987 ist die Städtepartnerschaft zwischen Hof und Plauen gegründet worden; daran erinnert die Stadt Hof in einer Pressemitteilung. Damals gab es noch zwei deutsche Staaten; die Errichtung dieser Partnerschaft war fast eine kleine Sensation.

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23 Kilometer liegen zwischen Hof und Plauen; beide Städte waren und sind immer noch politisch und wirtschaftlich eng miteinander verflochten. Erst die Schließung der Grenze im Jahr 1952 trennte die Region und damit auch viele Familien. Die Wiedervereinigung feierten beide Städte deshalb umso intensiver. Mit einem spektakulären Trabi-Konvoi haben Plauen und Hof am 9. November 2014 an den Fall der Mauer vor 25 Jahren erinnert. Rund 250 Trabis und viele weitere DDR-Fahrzeuge beteiligten sich an der historischen Fahrt.

Oberbürgermeisterin Eva Döhla schreibt in der Mitteilung: „Die beiden Städte schauen auf viele gemeinsame Projekte und Aktionen zurück. Nicht nur auf politischer Ebene sind Hof und Plauen gute Partner, sondern auch in kulturellen und wirtschaftlichen Bereichen sowie aber auch in der Freizeit.“ Viele Vereine, Schulen, Kirchengemeinden, Organisationen und Unternehmen besuchten sich gegenseitig zum Informationsaustausch und kooperierten miteinander.

Regelmäßig finden Führungen für Schüler beider Städte statt, bei denen die deutsch-deutsche Geschichte im Vordergrund steht. Außerdem gibt es den Partnerschaftswanderweg. Dieser 34 Kilometer lange Wanderweg vom Hofer Rathaus bis zum Rathaus in Plauen knüpft an die Partnerschaft beider Städte an.

Hof wäre keine Filmstadt, wenn es nicht auch mit den Partnern gemeinsame cineastische Aktionen geben würde. So finden jährlich die Deutsch-Deutschen Filmtage in Hof und Plauen statt und beleuchten mit verschiedenen Filmen den Weg von der Teilung zur Einheit. Das Besondere an der Veranstaltungsreihe ist auch, dass nach der jeweiligen Filmpräsentation Zeitzeugen, Schauspieler oder Regisseure für ein moderiertes Gespräch im Kino anwesend sind. Weitere Aktionen der Städtepartnerschaft sind die Sternwanderung im Oktober, der Städtelauf Plauen-Hof sowie die Städteradtour Hof-Plauen. Hof und Plauen sind auch im Sächsisch-Bayerischen Städtenetz und dem Egro-Net vertreten: Zwei Arbeitskreise für die Verbesserung des Schienennetzes, damit beide Städte und besonders die Bürgerinnen und Bürger gut miteinander vernetzt sind.

Eine Städtepartnerschaft zwischen Hof und Plauen kam damals aus Sicht der DDR fast einer Teilöffnung der Grenze gleich und war nicht zu akzeptieren. Doch der vom bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU) eingefädelte Milliardenkredit für die DDR öffnete im Vogtland die Türen: Im Frühjahr 1987 hatte sich Strauß an Honecker gewandt und sich die Partnerschaft Hof-Plauen gewünscht. Die SED-Bezirksleitung war strikt dagegen, doch um Strauß entgegenzukommen, erklärte sich Honecker am Rande der Leipziger Messe mit der Partnerschaft einverstanden.

Zunächst verliefen die Verhandlungsgespräche unkompliziert: Die Delegation aus Plauen unter Oberbürgermeister Dr. Norbert Martin kam im Juni 1987 nach Hof, und man wurde sich überraschend schnell über den Wortlaut der Vereinbarung einig. Beim Gegenbesuch im August wurde der Delegation aus Hof unter dem CSU-Oberbürgermeister Hans Heun jedoch ein vollständig neuer Vertragstext vorgelegt. Dieser war angefüllt mit politischen Forderungen nach Abrüstung, Rüstungsbegrenzung im All und vorbehaltloser gegenseitiger Anerkennung der Souveränität. Martin wurde bei seiner Verhandlungsführung offensichtlich von dem im Hintergrund agierenden Mitglied der SED-Bezirksleitung Werner Schweigler kontrolliert.

Die geschockte Delegation aus Hof lehnte den Text ab, und es begannen langwierige Detailverhandlungen um Begriffe, halbe Sätze, stilistische Akzente. Als die Verhandlungen schließlich an einer Passage zur Weltraumrüstung zu scheitern drohten, schaltete sich Politbüromitglied Egon Krenz telefonisch ein und ordnete Kompromissbereitschaft an, damit Honecker beim Septemberbesuch in München nicht in Erklärungsnöte käme. Am 9. Oktober 1987 wurde der Partnerschaftsvertrag in Hof unterzeichnet, und am 22. Oktober 1987 unterzeichneten die Oberbürgermeister in Plauen.