Hof Was nun, SpVgg Bayern Hof?

Ege Özkan Foto: Kickers Selb

Dem Fußball-Bayernligisten laufen die Spieler weg. Nach Martin Holek hat am Wochenende auch Ege Özkan die Gelb-Schwarzen verlassen. Der sportliche Leiter Fulvio Bifano schäumt vor Wut.

Hof - Alarmstufe Rot bei der SpVgg Bayern Hof. Zwei Wochen vor dem anvisierten Re-Start der abgebrochenen Saison wird der Spielerkader des Bayernligisten immer dünner. Am Freitag hat Martin Holek, wie berichtet, beim tschechischen Zweitligisten FK Blansko einen Profivertrag unterschrieben, am Samstagnachmittag verabschiedete sich völlig überraschend und ohne Vorwarnung der als großes Talent geltende Ege Özkan, 19, zum Landesligisten Kickers Selb. Zuvor hatte sich auch schon Innenverteidiger Alexander Seidel den Selber Kickers angeschlossen. Die Freigabe haben die Hofer dem 20-Jährigen allerdings noch nicht erteilt. Auch Torhüter Jonas Lang trainiert seit einigen Wochen in Selb mit. Zudem muss der neue Trainer Roman Pribyl mit Yannick Frey (Mittelfußbruch) und Matej Kyndl (Kreuzbandananriss) länger auf zwei wichtige Stützen verzichten. Bereits vor einigen Wochen verließen die tschechischen Spieler Ondrej Chocholousek, Adam Hajek, Patrik Kavalir und Adam Sevcik Hof, die Verträge wurden nicht verlängert.

Ende eines Missverständnisses?

Martin Holek ist weg, und alle sind froh: der Spieler selbst und natürlich auch der Verein. Der 31-jährige Profi hat bei seiner Rückkehr nach Hof die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen können. Lediglich vier Tore erzielte der Stürmer bei 13 Einsätzen. In einigen Spielen musste der Tscheche verletzungsbedingt pausieren.

Martin Holek und die SpVgg Bayern Hof - ein Missverständnis? So weit will sportlicher Leiter Fulvio Bifano nicht gehen. "Martin Holek ist Profi, und er will das Profitum weiter pflegen", nennt Bifano den Hauptgrund, warum die Ehe Holek - Hof kein zweites Mal mehr funktioniert hat. "Natürlich hat auch Corona vieles verändert. Doch das, was Martin Holek will, können wir ihm, Corona hin oder her, unmöglich in Hof bieten - weder sportlich noch finanziell", verweist Bifano auf die beschränkten Möglichkeiten des Bayernligisten. "Martin ist Profi, und er würde am liebsten sechs Mal in der Woche trainieren, und das gleich zwei Mal am Tag." Wegen der Corona-Pandemie war lange kein Mannschaftstraining möglich, darüberhinaus musste auch Holek aufgrund der Kurzarbeit finanzielle Einschnitte in Kauf nehmen. Jetzt hat er in Tschechien mit dem Zweitligisten FK Blansko wieder einen Proficlub gefunden, und Hof hat seinen wohl teuersten Spieler von der Gehaltsliste. B. N.

Während der Wechsel von Martin Holek am Freitag nach Tschechien mit Zustimmung der Hofer relativ geräuschlos über die Bühne ging (siehe Infobox), stößt die Entscheidung von Özkan, der aus Selb stammt und alle Jugendmannschaften in Hof durchlaufen hat, auf großes Unverständnis bei den Gelb-Schwarzen. "Ich bin jetzt 40 Jahre im Fußballgeschäft tätig und habe so etwas noch nicht erlebt", schäumt sportlicher Leiter Fulvio Bifano vor Wut. Özkan, dem eine wichtige Rolle in Pribyls Team zugedacht war, hatte nach einer fünftägigen Verletzungspause am Samstagvormittag wieder mit der Mannschaft trainiert. "Da gab es noch überhaupt keine Anzeichen für einen Wechsel", sagt Bifano. Doch am Nachmittag hat den sportlichen Leiter dann "wie vom Blitz getroffen" eine Whatsapp-Nachricht erreicht, in der der 19-Jährige mitteilt, dass er aus beruflichen Gründen den Aufwand nicht mehr leisten könne und deshalb den Verein wechseln werde. "Da hat vermutlich mal wieder jemand mit Geldscheinen gewedelt", sieht Bifano den eigentlichen Grund für Özkans Entscheidung. Doch so einfach ist der Wechsel nicht: Der Spieler hat in Hof einen gültigen Vertrag bis Juni 2021. Da aber die Hofer auf der anderen Seite unbedingt Danny Wild und Andreas Knoll von den Kickers verpflichten wollen, könnte sich ein Kuhhandel zwischen beiden Vereinen abzeichnen: Die Selber erteilten die Freigabe für Wild und Knoll, auf der anderen Seite stimmen die Hofer den Wechseln von Seidel und Özkan zu. Offen ist dann noch die Personalie Jonas Lang. Bis 31. August muss alles über die Bühne gehen, ansonsten sind die Spieler mehrere Monate gesperrt.

Hofs langjähriger Präsident Reiner Denzler, der in der Spielbetriebs-GmbH im Hintergrund immer noch die Fäden zieht, will, wie Insider berichten, einen Deal mit dem Selber Teammanager Jakob Schleicher unter allen Umständen vermeiden, hat deshalb auch einen Anwalt eingeschaltet, um Wild und Knoll freizubekommen.

Doch die Zeit drängt. Bis zum 31. August sind es nur noch knapp zwei Wochen. Knickt Denzler ein? Fulvio Bifano ist auch hin- und hergerissen, weiß um die Zwickmühle, in der sich die Hofer befinden: "Natürlich brauchen wir in den nächsten Tagen Klarheit. Mal abwarten, was die Verhandlungen ergeben." Bifano will sich aber nicht darauf verlassen, dass Wild und Knoll kommen, er ist auch noch mit einigen anderen Spielern im Gespräch. Dass Handlungsbedarf besteht, ist für den 57-Jährigen unbestritten.

Autor

 

Bilder