Hof Youtube gibt Nachhilfe

Digitale Medien kommen immer häufiger im Schulunterricht zum Einsatz. Unsere Veranstaltung gab Lehrern Impulse.

Hof - Schmink-Tutorials, Pannen-Videos, Musik-Clips - viele Jugendliche können sich die Welt ohne Youtube nicht mehr vorstellen. Doch geht es den Heranwachsenden lange nicht mehr nur um Vergnügen und Zeitvertreib. Viele Kids suchen auf der Videoplattform gezielt nach Inhalten, die ihnen für die Schule weiterhelfen. "Meistens um Unterrichtsstoff zu wiederholen, den sie nicht verstanden haben", erläutert Matthias Ehmann von der Universität Bayreuth während des Lehrermedientages am Buß- und Bettag in der Frankenpost . Zum dritten Mal hatte unsere Zeitung parallel zu 15 anderen bayerischen Verlagen zu der Fortbildung eingeladen, um mit Pädagogen aller Schularten ins Gespräch zu kommen - über neue Medien und die damit verbundenen Gestaltungs- und Spielräume im Schulunterricht.

Ehmann, Sprecher des Kompetenzzentrums für digitales Lehren und Lernen, berief sich in seinem Vortrag auf eine Studie des Rats für Kulturelle Bildung. Demnach gab fast die Hälfte der befragten Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren an, dass Youtube "wichtig" oder gar "sehr wichtig" für sie ist, wenn es um Schulthemen geht. Ehmann motivierte die Zuhörer deshalb, Youtube-Videos bei der Unterrichtsgestaltung zu berücksichtigen. "Die Schüler halten sich dort eh schon auf." Lehrer sollten sie deshalb an die Hand nehmen, indem sie zum Beispiel Erklärvideos auf Youtube empfehlen oder selbst im Unterricht zeigten. Mittlerweile seien dort qualitativ gute und kreative Clips zu finden, zu denen die Jugendlichen einfacher Zugang fänden, als wenn der Lehrer den Stoff erklärt. "Das hat nichts mit der Qualität des Unterrichts zu tun, die Videos sind einfach zielgruppenorientierter", sagte Ehmann. Als Beispiel zeigte er das Video eines jungen Youtubers, der den Satz des Pythagoras samt seiner vollständigen Bedeutung für mathematische Probleme in einen Song verpackt hat. "Das ist witzig und bleibt einfach im Ohr."

Blick hinter die Kulissen der Zeitung

Ein weiterer Programmpunkt des Lehrermedientages: Die Gäste nahmen auch an der Redaktionskonferenz teil. Dort sahen die Lehrer, wie die Frankenpost entsteht. „Die Branche ist stark im Umbruch“, betonte Hans Pirthauer, Chefredakteur der Frankenpost und der Neuen Presse Coburg. Informationen seien in Echtzeit im Internet zu haben. Deshalb bevorzugten Zeitungen zunehmend erläuternde Hintergrundberichte, die die reinen Nachrichten ergänzten. Als zukunftsträchtig erachtet Pirthauer lokale Nachrichten, überregional-investigativen Journalismus und Texte über persönliche Nischenthemen. Die Gäste erfuhren, wie die Redaktion mit Leserbriefen umgeht, welche Rolle der Datenschutz für die Presse spielt und schnupperten schon mal in die Themen der Donnerstagsausgabe.

Kerstin Dolde, Leseranwältin der Frankenpost, sprach zum Thema Hassreden im Netz. Das betreffe Journalisten gleichermaßen wie Lehrer. „Der Ton wird immer rauer, weil es einfach ist, anonym im Netz etwas zu behaupten.“ Dolde gab den Lehrern einige Hinweise, wie sie gegen Hetze im Netz rechtlich vorgehen können, sollten sie davon mal betroffen sein. G.P./aks

Auch wie man selbst kurze Erklärvideos erstellen kann, zeigte Ehmann. Der Fachmann hatte dafür etliches Equipment aus den hochmodernen Räumen des Kompetenzzentrums mitgebracht, wo er und seine Kollegen Methoden für den Unterricht der Zukunft entwickeln.

Zugleich warnte der Referent davor, die Technik nur um ihrer Willen einzusetzen. "Videos machen nur Sinn, wenn sie einen Mehrwert bieten." Manchmal könne der schon darin liegen, dass die Schüler motivierter bei der Sache seien. Filmaufnahmen seien auch sinnvoll, um ein Experiment im Unterricht nochmals in der Zeitlupe zu betrachten.

Unterricht mit virtuellen Schülern

Während des Workshops „Die digitale Welt analog begreifen“ stellte Alexander Werner, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Angewandte Informatik an der Universität Bamberg, den Lehrern das „Planspiel Schulalltag“ und die „Experimentierkiste Informatik für Vor- und Grundschule“ vor. Während des Planspiels bestreitet der Spieler eine Schulstunde mit virtuellen Schülern, die alle verschiedene Vorkenntnisse und Motivationen mitbringen. Mit diesen Informationen bildet er Hypothesen, etwa wie ein neu zugezogener Schüler besser in die Klasse integriert werden kann. „Ziel des Spiels ist es, dass der Spielende sein Verhalten überdenkt, dass die Lehrer-Schüler-Interaktion rückgemeldet wird und über die verschiedenen Unterrichtsmethoden nachdenkt“, erklärte Werner. Eine erste Testphase hat das Spiel bereits durchlaufen, derzeit tüfteln die Macher an Verbesserungen.

Während das „Planspiel Schulalltag“ für Lehramtsstudenten und Lehrer konzipiert ist, ist die „Experimentierkiste Informatik“ eine Art großer Baukasten, der Vor- und Grundschülern Medienkompetenz vermitteln möchte. Kinder lernen damit, Informationen im Internet zu verarbeiten und damit umzugehen. „Kinder lieben es, im Netz zu surfen, online zu spielen, Videos im Netz zu gucken“, betonte Werner. Nur hinterfragten die wenigsten diese virtuelle Welt, die sie konsumierten. Deshalb biete der Experimentierkasten Spiel- und Lernmaterialien, die erklären, wie die digitale Welt funktioniert. Etwa, wie ein Algorithmus funktioniert. Gertrud Pechmann

Um so modernen Unterricht halten zu können, muss eine Schule über die entsprechende Ausstattung verfügen. Bislang scheiterte das oft an der Finanzierung - auch bei vielen Schulen in der Region. Der Hofer Schulrat Ulrich Lang gab einen Überblick über den Status quo der Fördergelder in Millionenhöhe. Mittlerweile seien die Mittel aus dem Digitalpakt für Wlan-Infrastruktur, Arbeits- und mobile Endgeräte abrufbar. Jede Schule könne den Betrag, den sie erhält, einsehen.

 

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