Hof - Die Erde ist bedroht. Jeder denkt nur noch an sich. Ein Szenario, das nicht besonders von der aktuellen Situation auf unserem Planeten abweicht. Was kann man tun, um wieder eine friedlichere Form des Zusammenlebens herbeizuführen? Rainer Ihde, Lehrer an der Münster-Mittelschule und Autor, Komponist, Regisseur und Gesamtleiter des Musicals „Die 5 Ringe“, das am Donnerstagabend in der vollbesetzten Turnhalle der Schule aufgeführt wurde, lässt Forscher Jonathan Mendes eine Lösung finden: er hat eine Substanz entwickelt, die jene Region im Gehirn, in der das soziale Verhalten angelegt ist, stimulieren kann. Doch sind darüber nicht alle glücklich – schlagen doch nicht wenige Profit aus Krieg und Zwietracht. Und so beginnt das Schulmusical damit, dass Mendes entführt und von seinem Gegenspieler Secur Mendes (Alperen Sarikaya) versucht wird, an die Formel für die Substanz zu gelangen. Per Anrufbeantworternachricht gelingt es Mendes gerade noch, seine Tochter Emma (Sen Güzelel) und ihre beiden Freunde Tamin (Marvin Heinrich) und Marek (Sebak Blasini) auf eine Reise durch die Geschichte zu schicken. Dort hat er fünf Ringe mit je einem eingravierten Buchstaben versteckt, mit deren Hilfe und dem richtig entschlüsselten Code-Wort sich der Tresor mit der Formel öffnen lässt. Den Time-Shifter trägt Emma schon am Handgelenk, so dass die spannende Zeitreise sofort beginnen kann….

Und für diese Reise legen sich über 80 Schüler und Lehrer der Münster-Mittelschule ganz schön ins Zeug: die riesigen Projektionen im Hintergrund und die aufwändig- zusammengestellten Kostüme entführen nahtlos von Emmas Wohnzimmer ins alte Rom, zu Mutter Courage in den dreißigjährigen Krieg und Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Zuerst landen die drei aber in Ägypten, wo gerade die Cheops-Pyramide unter Mühe und Qual der ausgebeuteten Arbeiter fertiggestellt wurde und man nun vor aller Augen den Leichnam des Pharaos einbalsamiert. „Mann, Mann, Mann, Mann“ stöhnt Marek als Running Gag vor sich hin – ganz geheuer ist ihm das nicht. Kaum haben die drei den ersten Ring eingesammelt, setzen sie ihre Zeitreise fort ins alte Rom. Stets an ihrer Seite: die beiden Schicksen – äh: Schicksalinnen Katharina Nagel und Katharina Gneidin, die dem Schicksal der Kinder immer genau im richtigen Moment unter die Arme greifen und obendrein das Geschehen mit so unterhaltsamen wie kritischen Songs aus der Feder Rainer Ihdes vorantreiben.

„Beim Jubider, Herrgodd nochamal!“ beklagt der verkaterte Caesar seine Kopfschmerzen, bevor er von seinen Verschwörern hinterrücks erstochen wird. Lernen und Lachen liegen an diesem Abend ganz nah beieinander – und das zieht sich von den Beiträgen der fünften bis zu denen der zehnten Klassen durch. Mit der unheilverkündenden Trommel und verzerrter E-Gitarre begleitet die phantastische Lehrerband, die obendrein noch ein ganzes Heer an hervorragenden Background-Sängerinnen aus dem Kollegium an ihrer Seite hat, Mutter Courage, die mit ihrem Wagen durch die Publikumsreihen einzieht, bevor Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich unter Walzerklängen Opfer des Attentats von Sarajewo wird. „Mann, Mann, Mann! In der Geschichte ist echt was los: wo man hin kommt nur Mord und Totschlag!“, stellt Marek bestürzt fest.

„Sag mal, Kamerad, würdest du jetzt schießen, wenn einer rübermachen würde?“, möchte schließlich in köstlichem Gemisch aus Sächsisch und Berlinerisch ein Grenzpolizist an der Berliner Mauer von seinem Kollegen wissen. „Wenn es das Arschloch wäre, das meine Verlobte….“, gibt der Verlassene zurück – und der nun ungenutzte Ring eben jener Verlobten ist es, der den Kindern noch fehlt. Kaum ist die frisch aus Kartons gezimmerte Berliner Mauer unter „Wir sind das Volk!“-Rufen direkt wieder gefallen, gelangen die drei kleinen Helden mittels des Code-Worts „LIEBE“ und den fünf Ringen an die Formel von Emmas Vater und können in einer dramatische Schlussszene Secur Mendes überwältigen, bevor man im großen Schlusschor „Miteinander immer weiter Schritt für Schritt“ der Rettung der Welt entgegen geht. Was für eine Leistung! Der Saal tobt.