Damit hatte die Union wohl nicht gerechnet: Mitten im Wahlkampf, kurz vor der vorgezogenen Bundestagswahl am 23. Februar, hatten sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche die Migrationspolitik der CDU und CSU kritisiert. Der Anlass war ein von Kanzlerkandidat Friedrich Merz angestoßener Gesetzesentwurf für eine sogenannte Zustrombegrenzung, den der Bundestag am 31. Januar mit knapper Mehrheit ablehnte. Die Berliner Büros der großen Kirchen warnten Merz, für eine Verschärfung der Migrationspolitik Stimmen von AfD-Mitgliedern im Bundestag in Kauf zu nehmen – und bezeichneten die Vorschläge der Union als teilweise verfassungswidrig. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder reagierte auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg und legte den Kirchen nahe, sich bei politischen Fragen zurückzuhalten. Söder wünschte sich mehr Einsatz für „christliche Themen“ seitens der Kirchen und erinnerte daran, dass seine Partei „noch an der Seite der Institution Kirche steht“. Unsere Redaktion hat mit Andreas Müller, dem evangelisch-lutherischen Dekan für Hof, über die Aussagen Söders, die Aufgaben der Kirchen und die Rolle der Religion in der Politik gesprochen. Der Dekan reagiert auf Söders Worte mit ähnlich deutlichen Aussagen.