Hofer Land Flüchtlings-Welle fordert enge Verzahnung

Die Hilfsbereitschaft ist groß – und muss kanalisiert werden. Foto: dpa//Waltraud Grubitzsch

Allein im Landkreis Hof sind rund 600 Ukrainer untergekommen. Für sie braucht es weit mehr als nur Betten. Langfristig geht es auch um die Integration auf dem Arbeitsmarkt.

Der Krieg in der Ukraine tobt unvermindert – und die Flüchtlingswelle hat die Region Hof längst erreicht. Die Hilfsbereitschaft seitens der Bevölkerung ist genauso groß wie die Spendenbereitschaft. Aber damit ist es nicht getan. Von behördlicher Seite müssen nun viele Rädchen ineinandergreifen, damit das Schicksal der hilfesuchenden Ukrainer in die richtigen Bahnen gelenkt wird.

Nur ein Bett reicht nicht

Wie diese Verzahnung im Landkreis aussieht, hat Landrat Oliver Bär am Freitag im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz erklärt. Denn eines steht fest, so Bär: „Ein Bett bereitzustellen, ist nur der Beginn des Prozesses.“ Doch auch dieses Bett muss es erst einmal geben für so viele Menschen. Im Landkreis sind bislang rund 600 Flüchtlinge untergekommen, zwei Drittel davon privat, der Rest in offiziellen Unterkünften.

245 von ihnen sind bereits registriert, was Thomas Hertel, Fachbereitsleiter Ausländerwesen im Landratsamt, als „gute Wegmarke“ einschätzt. Immerhin sei die erkennungsdienstliche Erfassung inklusive Fingerabdrücken und biometrischen Fotos zeitsaufwendig. 260 der 600 Flüchtlinge sind jünger als 18 Jahre, 355 im arbeitsfähigen Alter zwischen 16 und 67 Jahren; nur 37 sind älter. Ein Drittel sind männlich, zwei Drittel weiblich.

App kann helfen

So gut privates Engagement in Sachen Unterbringung ist – eine dauerhafte Lösung ist das laut Katrin von Mammen, Geschäftsbereichsleiterin Kommunalrecht/Ausländerwesen, nicht in jedem Fall. Sie warb für die Integreat-App, die Angebot und Nachfrage zusammenführen soll. Momentan seien Mitarbeiter des Landratsamtes dabei, Bürger abzutelefonieren, die während der Flüchtlingswelle 2015/16 Wohnraum zur Verfügung stellen wollten. Müssen kurzfristig viele Neuankömmlinge Unterschlupf finden, steht die Turnhalle in Töpen bereit, wie Bürgermeister Alexander Kätzel erklärte. 80 Feldbetten gibt es dort, plus Nahrung und Ausstattung von Windeln bis Decken für bis zu 80 Flüchtlinge.

Wie viele bleiben?

Niemand verlässt freiwillig seine Heimat, und die meisten Ukrainer hoffen darauf, bald zurückkehren zu können. „Ob und wie viele aber dauerhaft hier bleiben, wissen wir nicht“, sagte Landrat Bär. Und so ist auch das Thema Integration auf dem Arbeitsmarkt ein großes. Sebastian Peine, Chef der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof, geht von einem hohen Bildungsniveau der Flüchtlinge aus: „Der Akademikeranteil ist deutlich höher als hier in Deutschland.“ Vorausgesetzt die sprachlichen Barrieren lassen sich abbauen und die Abschlüsse der Ukrainer werden anerkannt, könne die Zuwanderung ein Segen für den hiesigen Arbeitsmarkt sein. Rund 10 000 Stellen im Agenturbereich sind derzeit unbesetzt. Peine rechnet damit, dass die Ankömmlinge im Gesundheits- und Erziehungswesen wertvolle Dienste leisten können.

Erste Freundschaften

Ganz schnell ging es in den Schulen, wie Schulrat Stefan Stadelmann für Stadt und Landkreis Hof darlegte: In den Grundschulen sind bereits 51 ukrainische Kinder integriert (21 in Hof, 30 im Landkreis), in den Mittelschulen 50 Schüler (22 in Hof, 28 im Landkreis) und an den weiterführenden Schulen 27 Schüler (12 in Hof, davon sieben am Gymnasium, und 15 im Landkreis, davon fünf an einem Gymnasium). Die neueste Vorgabe des Freistaates, pädagogische Willkommensgruppen für die Flüchtlingskinder zu bilden, wird laut Stadelmann kontrovers diskutiert. Zwar soll es nach den Osterferien die ersten Gruppen geben, etwa am Jean-Paul-Gymnasium in Hof, „die Integration in normalen Klassen ist aber der bessere Weg“, ist Stadelmann überzeugt. Seinen Worten zufolge sind unter den Kindern erste Freundschaften entstanden: „Toll, was da im Moment läuft!“

Helfer gesucht

So richtig ins Laufen gekommen ist die Integration auch in Schwarzenbach an der Saale, wie Bürgermeister Hans-Peter Baumann berichtete. Allein im Jean-Paul-Hotel sind bis zu 150 Ukrainer untergebracht. Von der Wasserwacht bis zur Kirchengemeinde helfen Baumann zufolge viele Ehrenamtliche mit, den Geflüchteten das Ankommen zu erleichtern. Das geht beim Deutschkurs los und hört beim Erklären der Mülltrennung auf. „Wir suchen trotzdem weiter Bürger, die den Leuten bei Dingen wie der Kontoeröffnung helfen.“

Mit diesen Alltäglichkeiten hat es Hanna Vinichuk aktuell jeden Tag von früh bis spät zu tun. Bei der Integrationslotsin im Landratsamt laufen die Drähte heiß. Sie nutzte die Pressekonferenz, um sich für die kurzen Dienstwege zu bedanken, auf denen seit Wochen das meiste läuft – angefangen bei der Beschaffung von Kinderwagen bis hin zur Vernetzung ganzer Abteilungen der Behörde. „Die Hilfsbereitschaft ist riesig.“

Problem Impfung

Auch das Thema Impfen kam zur Sprache – und längst geht es hier nicht nur um Corona. So spielt für die Unterbringung der Kinder auch die Masernimpfung eine Rolle. Allgemein sei der Anteil der Corona-Geimpften unter den Ukrainern deutlich niedriger als hierzulande. Hinzu kommt, dass viele mit Impfstoffen immunisiert sind, die in Europa nicht zugelassen sind.

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