Hofer Zoo Affendame mit Karies – Zahnärztin hilft

red

Spannende OP im Hofer Zoo: Dr. Constanze Bruns befreit eine Gibbon-Dame von einem kaputten Schneidezahn.

 
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Ein kariöser Schneidezahn fiel dem Zooleiter und -tierarzt David Pruß bei einer routinemäßigen Gesundheitskontrolle der Hofer Weißhandgibbon-Dame auf. Der Zahn konnte während der Kurznarkose nicht extrahiert werden, also musste eine andere Lösung her. Doch der Zoo ist personell und maschinell nicht für einen aufwendigeren Eingriff ausgestattet. Kurzerhand wurde bei der Hofer Zahnarztpraxis Bruns & Heimke nachgefragt, ob Interesse bestünde, bei dem Eingriff zu assistieren. Sofort erklärte sich Dr. Constanze Bruns bereit, und die Vorbereitungen begannen.

Röntgenbilder von Gibbonköpfen wurden ausgewertet und die Verwendung von Spezialwerkzeug diskutiert. Am OP-Tag wurde die Affendame mittels Blasrohrpfeil in das Land der Träume geschickt, die Extraktion konnte beginnen. Während die Zoomitarbeiter sich um Narkose und die generelle Sicherheit kümmerten, konnte sich Zahnärztin Dr. Bruns mit einer Helferin auf den Zahn und seinen zügigen Abgang konzentrieren.

„Für mich als Humanzahnärztin war es eine seltene Gelegenheit, einem wilden Tier so nahe zu kommen“, erzählt Constanze Brunds. „Erstaunlich für mich war, dass ein Affe – etwa so groß wie ein mittlerer Hund – die dreifache Menge an Narkosemittel benötigte wie ein ausgewachsener Mensch.“

Dabei seien die Zähne des Gibbons, mit Ausnahme der langen und spitzen Eckzähne, sehr zierlich. Etwa vergleichbar mit den Milchzähnen des Menschen. „Dementsprechend schwierig war es, im filigranen Mundwerk des Affen atraumatisch, das heißt besonders gewebeschonend, zu arbeiten.“ Mit großer Vorsicht gelang es, den Zahnrest ohne weitere Verletzungen zu entfernen. Dabei zeigte sich, dass der zierliche Zahn mit einer durchaus langen Wurzel verankert war.

„Die Narkose eines potenziell gefährlichen Tieres ist nie einfach“, berichtet David Pruß. In diesem Falle war die Lokalisation der OP zusätzlich erschwerend, da vorher nicht abschätzbar war, wie groß das OP-Feld tatsächlich sein würde – und ob nicht sogar weitere Zähne bearbeitet werden müssten. Deshalb war die normalerweise bevorzugte Inhalationsnarkose nicht möglich, das Narkosemittel musste injiziert werden. Umso wichtiger war eine genaue Überwachung, um beispielsweise auf Blutdruckabfall sofort reagieren zu können.

Für die Gibbon-Dame lief jedoch alles gut und unkompliziert, bereits kurze Zeit nach der OP konnte sie ganz in Ruhe im Gibbonhaus aufwachen. Da ein spezieller Knochenschwamm in die Wundhöhle eingebracht worden war, gab es keine Komplikationen. Pruß erzählt: „Schon am nächsten Tag turnte sie wieder durch das Gehege und biss auch schon wieder herzhaft in einen Apfel.“

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