Hohe Investition in die Sicherheit Wunsiedel saniert Hochbehälter

Damit auch künftig bestes Wasser aus den Leitungen kommt, sanieren die Stadt Wunsiedel und die SWW zwei Hochbehälter. Foto: /Matthias Bäumler

Die Festspielstadt kann aus mehreren Quellen und Brunnen Wasser schöpfen. Allerdings muss sie ab und an in ihre Infrastruktur investieren, so wie jetzt.

Strom kommt aus der Steckdose und Wasser aus dem Hahn. Im Prinzip ist das richtig, aber ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht. Damit Energie und Wasser beim Bürger ankommen, ist jede Menge Technik und Infrastruktur notwendig. Diese muss immer mal wieder erneuert und gepflegt werden. Das können die Wunsiedler ab dem heutigen Dienstag erleben. „Wir sanieren die beiden Hochbehälter an der Kappel und in der Bibersbacher Straße“, sagt Bürgermeister Nicolas Lahovnik bei einem Ortstermin mit der Frankenpost. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis April kommenden Jahres dauern.

Hochbehälter speichern eine riesige Menge Wasser in großer Höhe und speisen dieses ins Wassernetz ein. In der Regel liegen die Gebäude höher als der höchste Wasserhahn, sodass das Wasser allein durch den natürlichen Druck in die Haushalte fließt. Der Hochbehälter in der Bibersbacher Straße stammt aus dem Jahr 1954 und fasst in zwei Behältern jeweils 500 Kubikmeter Wasser. Jener an der Kappel ist zehn Jahre später gebaut worden und speichert in drei Kammern 800 Kubikmeter Wasser.

Schwachstellen und Überlastungen

„An beiden Speichern haben wir Überlastungen und Schwachstellen festgestellt“, sagt Marco Krasser, Geschäftsführer der SWW, die für die Infrastruktur zuständig ist. Knapp zwei Millionen Euro kosten die Generalsanierung der Hochbehälter und der Bau einer neuen Wasserleitung nach Holenbrunn. Mit dieser lassen sich laut Krasser Geld und Energie sparen, da die Pumpen für die Druckerhöhung kleiner dimensioniert werden können.

Unter anderem stehen in den kommenden Monaten die Sanierung des Betons, der Einbau einer Lüftung, ein neues Dach, eine Wärmedämmung sowie der Tausch der gesamten Elektrik an. Auch die Hydraulik und das Rohrleitungssystem werden modernisiert.

Dadurch beseitigen Stadt und SWW nicht nur die im Laufe der Jahre entstandenen Baumängel, sondern bringen die Anlagen auf den neuesten Stand. „In Zukunft wird es im Gebäude kein Schwitzwasser mehr geben“, sagt Wassermeister Lukas Malzer. Auch sind dann die Sichtkontrollen durch eine Glasscheibe in die Wasserbehälter nicht mehr notwendig. „Wir können demnächst über eine Kamera ins Innere sehen.“ Da die Rohre im „Kellergeschoss“ des Hochbehälters zudem ergonomischer verlegt werden, gehören auch die beschwerlichen Wartungsarbeiten in dem engen Gemäuer der Vergangenheit an.

Besserer Schutz vor Keimen

Wie Marco Krasser sagt, kann der Wassermeister ab Frühjahr kommenden Jahres einzelne Sektoren des Leitungsnetzes trennen. „Dies hat den Vorteil, dass es im Falle einer in einem Bereich festgestellten Verschmutzung möglich ist, schneller Abhilfe zu schaffen.“

Da die Handwerker auch den Beton der unterirdischen Wasserkammern sanieren, sind erhebliche Erdarbeiten notwendig. Die Hochbehälter an sich sind zwar nicht gerade imposante Bauwerke, doch bei ihnen verhält es sich wie bei einem Eisberg: Der größte Teil ist nicht sichtbar. Das Erdreich wird die Baufirma auf dem nahen Bolzplatz lagern, der auf dem Gelände der SWW liegt. „Keine Sorge, wir richten ihn wieder her“, sagt Marco Krasser.

Während der Sanierungsarbeiten wird jeweils ein großer Container mit einer provisorischen Trinkwasserversorgungsanlage an den Hochbehältern stehen. Dieser ersetzt über einen längeren Zeitraum die Technik in dem Gebäude.

Straße ab und an einseitig gesperrt

Die Wunsiedler merken nur ab und an etwas von den Bauarbeiten. Wenn das Wasser kurzzeitig abgedreht werden muss, erhalten die Bürger vorab Bescheid. Auch wird laut Bauleiter Michael Schmidt von der Firma Roth die Bibersbacher Straße gelegentlich einseitig gesperrt.

In erster Linie geht es bei der Sanierung um die „inneren Werte“ der Hochbehälter mitsamt dem Leitungsnetz. Ein wenig gibt es aber ab voraussichtlich April kommenden Jahres doch zu sehen: Die Gebäude erstrahlen dann nicht nur in neuem Glanz, sondern auch in Holzoptik. Nicht vergessen wird die granitene Tafel, die bislang den Behälter in der Bibersbacher Straße ziert. Auf dieser ist die Jahreszahl der Inbetriebnahme, 1954, vermerkt. Ferner, wie es sich für Wunsiedel gehört, erfreut ein Zitat von Jean Paul die Vorübergehenden: „Klares Quellwasser ist das flüssige Kristall der Erde.“

Trinkwasser ist das am besten überwachte Lebensmittel. Die SWW lässt das Wunsiedler Wasser von einem externen Institut regelmäßig analysieren. Wassermeister Lukas Malzer kontrolliert ebenfalls laufend alle Parameter. „Zudem müssen die Wasserkammern laut Vorschrift alle fünf Jahre gründlich gereinigt und desinfiziert werden“, sagt er. In Wunsiedel gebe es sogar einen zweijährigen Reinigungszyklus. „Dies bedeutet, dass wir jeweils eine Kammer vollständig entleeren und dann kräftig schrubben.“ Zwei Mann sind damit jeweils gut eine Woche beschäftigt.

Die Wunsiedler trinken laut Wassermeister Lukas Malzer ein exzellentes Mischwasser. Im Hochbehälter kommen die Wässer aus allen Brunnen und Quellen im Stadtgebiet zusammen. Wunsiedel verfügt über ein reichhaltiges Wasserreservoir. Seit Jahren investiert die SWW in die Infrastruktur, damit die Wasser- (und Energie-Versorgung auch in Zukunft gesichert sind.

Der Freistaat fördert die aktuelle Sanierung der beiden Hochbehälter in der Bibersbacher Straße und auf der Kappel.

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