Homer lässt viel Raum, der über die Jahrhunderte mit den jeweiligen Moden der Zeit gefüllt wurde: Auf antiken griechischen Gefäßen wird Helena mit schwarzem Haar dargestellt, in einem kürzlich freigelegten Fresko in Pompeji ist es rot. In antiken Tragödienaufführungen wurde sie vorrangig von einem Mann verkörpert. Der italienische Maler Guido Reni machte sie zu einer Brünetten, der Engländer Frederick Sandys zu einer viktorianischen Rothaarigen.
Mal spielte Filmikone Elizabeth Taylor im Film "Doktor Faustus" eine dämonisch-dunkle Version. Mal war es die Schwarze Eartha Kitt, die 1950 in einer "Faust"-Inszenierung von Orson Welles als Helena auf der Bühne stand. Damals gab es Jubelstürme - auch in Deutschland. Man war schon mal weiter.
Zwischen historischer Strenge und fiktionaler Freiheit
"Die "Odyssee" entstand über Generationen hinweg", sagte im Sommer der Homer-Übersetzer Daniel Mendelsohn der britischen "Times". An einer akkuraten filmischen Umsetzung etwa von Kleidung, Waffen, Frisuren oder Schiffen habe er kein Interesse. "Sich über ihre Genauigkeit zu beschweren, zeugt von einem tiefen Unverständnis für das Werk", so Mendelsohn.
Altphilologin Wesselmann kann das nachvollziehen, gibt aber zu bedenken, "dass es genauso Tradition hat, im Troja-Mythos nach historischer Wahrheit zu suchen".
Was Menschen wie Elon Musk in diesem Zusammenhang allerdings offenbar nicht aufstößt: dass die Rolle des fiktiven griechischen Helden Odysseus, der vor mehr als 3.000 Jahren auf Ithaka gelebt haben soll, von einem 1970 in England geborenen US-Schauspieler übernommen wird. Über Matt Damon (55) wird kein Stab gebrochen. Er ist weiß.