Spickzettel Aufbau: verschachtelt statt chronologisch
Bei Homer setzt die Handlung mitten im Geschehen auf der Insel Ithaka ein, wo die Freier am Hof Penelope und ihren Sohn bedrängen. Auf den ersten Auftritt des Titelhelden müssen schon antike Leser eine ganze Zeit warten.
Insgesamt erstrecken sich die 24 Gesänge (ursprünglich Buchrollen) der "Odyssee" gerade einmal über einen Zeitraum von 40 Tagen, umfassen aber die insgesamt zehn Jahre dauernde Fahrt. Homers genialer Kunstgriff: Die zahlreichen Monsterbegegnungen sind nicht chronologisch erzählt, sondern über Rückblenden eingebaut. Die zeitliche Verschachtelung der Geschehnisse um Penelope auf Ithaka mit den Abenteuerberichten des Odysseus erzeugt eine komplexe, fast moderne Mehrschichtigkeit.
Spickzettel Abenteuer: Verführung, Gewalt, Verlust
Zyklop Polyphem (Bill Irwin): Dem einäugigen Monster und Sohn des Poseidon stellt sich Odysseus als "Niemand" vor, bevor er ihn betrunken macht und blendet. Einzelne Männer der Schiffsmannschaft hatte dieser zuvor verspeist.
Kirke (Samantha Morton): Die Zauberin verwandelt einen Teil der Schiffsbesatzung in Schweine. Odysseus bietet sie sexuelle Erfüllung.
Sirenen: Die dämonischen Wesen, deren Äußeres Homer nicht beschreibt, locken mit ihrem Gesang vorbeifahrende Schiffe in tödliche Klippen. Odysseus' Crew entkommt, weil sie sich die Ohren mit Wachs verstopft.
Skylla und Charybdis: Sechs seiner Männer muss Odysseus der Skylla opfern, damit in der Meerenge gegenüber nicht das gesamte Schiff dem Sog der Charybdis zum Opfer fällt. Traditionell werden die beiden Monster in der Straße von Messina zwischen Sizilien und dem italienischen Festland verortet.
Kalypso (Charlize Theron): Bei der Nymphe lebt Odysseus sieben Jahre lang. Sie verspricht ihm Unsterblichkeit und ewige Jugend. Doch auf Geheiß von Göttervater Zeus muss sie ihm schließlich den Heimweg ebnen.
Spickzettel Motiv: Heimkehr ist kein Schlussstrich
Dass Homer den Weg nach Hause so beschwerlich gestaltet, ist kein Zufall. In der "Odyssee" geht es grundsätzlich darum, was Heimat wirklich bedeutet. Odysseus ist auf seiner Irrfahrt beständig mit dem Fremden konfrontiert und begreift gerade durch diesen Kontrast, was das Eigene ausmacht.
Heimzukehren bedeutet bei Homer weit mehr als das bloße Ankommen. Denn er zeigt Ithaka nicht als sentimentalen, idyllischen Sehnsuchtsort wie damals, als Odysseus die Insel zwanzig Jahre zuvor verlassen hatte. Vielmehr steht ein weiterer Konflikt bevor: der Kampf um die Macht. Heimkehr ist bei Homer nicht mit einem Happy End verbunden, sondern mit abstoßender Grausamkeit.