Horst Schlegel aus Höchstädt Rallyefahrer im Weihnachtsmodus

Horst Schlegel wechselt im Alter vom Lenkrad an die Werkbank. Der Motorsportler aus Höchstädt ist ein begnadeter Bastler und fertigt aus Holz und Metall adventliche Aufsteller.

Höchstädt - Eigentlich sollte es bei dem Gesprächstermin um Advents- und Weihnachtsschmuck gehen. Horst Schlegel (72) aus Höchstädt fertigt in seiner Werkstatt Figuren und Hinsteller mit weihnachtlichen Motiven – Engel, Rehlein, Nikoläuse, aber auch Laternen, hinterleuchtete Bilder und Trolle. Ein buntes Sammelsurium entsteht da, basierend auf Holz oder Metall, das anschließend bemalt wird. Die Enkelin (13) hilft ihm dabei, wenn sie in den Ferien zu Besuch ist.

Ehemaliger Rallyefahrer

Klingt nach der üblichen netten Geschichte mit einem bärtigem Großvater im Vorweihnachtsmodus. Auch, aber nur ein bisschen. Denn Horst Schlegel ist alles andere als ein betulicher Opa. Der ehemalige Rallyefahrer hat immer noch genügend Benzin im Blut, um stundenlang von seinen Abenteuern auf und neben den Rennstrecken der Welt zu erzählen. Wie er mit seinem Fiat Panda Allrad mit 45 PS, den er eigentlich für seine Hausbesuche – Horst Schlegel war bis 2013 als Physiotherapeut in Selb tätig – angeschafft hatte, dreimal hintereinander die Rallye-Sprintserie gewann. Oder wie er als Suzuki-Werksfahrer beim Perfektionstraining am Nürburgring selbst die Ausbilder verblüffte.

Auch heute noch gibt er seine Fertigkeiten bei Fahrsicherheitstrainings weiter, mehrmals im Jahr bietet er für die Verkehrswacht eintägige Kurse für Auto- und Motorradfahrer an. Schlegel war jahrzehntelang Fachübungsleiter Motorsport im Bayerischen Motorsportverband, er besaß alle Trainerlizenzen für die Rundstrecke, für Rallye- und Rallyecross und für Sicherheitsschulungen, dazu den „Trainer B“, die höchste Lizenz. Außerdem bildete er für den Verband die Trainer aus; für diese Schulungen hatte er die Konzepte selbst verfasst, die heute noch die Basis der Trainerausbildung sind. „Ich hab’ die Lehrgänge nach Höchstädt geholt. Die Motorradleute hat Harald Strößenreuther (vielfacher deutscher Enduro- und Motocrossmeister im MSC Höchstädt) betreut, die Autoleute ich. Die kamen aus ganz Deutschland ins Fichtelgebirge“, erzählt Schlegel.

Auch als Autor tätig

Nebenher hat der gebürtige Hofer, der seit Jahrzehnten im Fichtelgebirge wohnt, mehrere Bücher geschrieben: einen Roman mit dem Titel „Das Kenia-Experiment“, dessen Verkaufserlös er an den Verein „Leben und Lernen in Kenia“ spendet, eins über Handel und Gewerbe in der Gemeinde Höchstädt und aktuell zwei mit historisch-volkskundlichen Erzählungen. Diese Themen vermittelt er interessierten Zuhörern zudem bei Vorträgen und Rundgängen für die VHS.

Horst Schlegel hat Stoff für viele Geschichten. Allein auf den zwei Millionen Kilometern, die er mit dem Auto zurückgelegt hat, und den 300 000 Kilometern auf dem Motorrad hat er viele Abenteuer erlebt. Er war im Weißen Haus in Washington und in Nakuru/Kenia, wo er beim Aufbau des Waisenhauses mithalf und dabei den Stoff für den oben erwähnten Roman fand. Jetzt beschäftigt er sich in seiner Werkstatt mit netten Basteleien.

Dass er nebenher sein altes Haus tiptop hergerichtet, einen historischen Fendt-Dieselross-Traktor fachgerecht restauriert und die Werkstatt, die vor ein paar Jahren abbrannte, wieder aufgebaut hat, erwähnt er beiläufig. Wenn die Enkelin über Weihnachten zu Besuch kommt, wird eine Kutsche gebastelt. „Für das Holzpferd, das sie selbst gefertigt hat. In 3-D“, erklärt der rührige Pensionist. Langweilig wird ihm so schnell jedenfalls nicht.

 

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