Spinnstuben Mainleus Corona-Hotspot auf Baustelle

Handwerker und Mitarbeiter verschiedener am Bau beteiligter Firmen sind auf der Mainleuser Baustelle positiv getestet worden. Der schlimme Verdacht: Es könnte sich um eine Virus-Mutation handeln. Foto: / Melitta Burger

Nach dem Corona-Ausbruch in Hornschuchshausen ist alles dicht. Möglicherweise hat sich die britische Mutation des Virus ausgebreitet.

Mainleus/Kulmbach - Die Lage ist ernst, machen die Verantwortlichen im Kulmbacher Landratsamt deutlich. Sie blicken dabei zum einen auf die erneut gestiegenen Zahlen zum Ausbruch auf der Baustelle des Spinnstubenensembles, das einst zur Arbeitersiedlung Hornschuchshausen gehörte. Dort sind auch am Freitag nochmals zwölf Arbeiter verschiedenster Firmen positiv getestet worden. Zwölf weitere Fälle hatten die Behörden schon am Donnerstag entdeckt. Der Landkreis Kulmbach hat damit erneut einen Hotspot.

Doch diesmal ist nicht ein Seniorenheim, sondern eine Baustelle und da mit zahlreiche Firmen betroffen, die dort an der Sanierung des Areals und dem Bau von unter anderem 24 barrierefreien Wohnungen gearbeitet haben, die kurz vor der Fertigstellung stehen. Die Befürchtung, dass vor allem wegen dieser so vielfältigen Streuung das Virus viel Nährboden gefunden haben könnte, ist groß. Sie wird noch größer durch die Tatsache, dass die Behörden in allen der jetzt 24 auf der Baustelle festgestellten Fälle den Verdacht hegen, dass die britische Mutationsform des Virus die Ursache sein könnte. Diese Virusform gilt als wesentlich ansteckender. Eine 50 bis 70 Prozent schnellere Verbreitung werde dieser Mutation nachgesagt, erklärt Amtsärztin Natasa Luz. 20 der betroffenen Beschäftigten stammen aus dem Landkreis Kulmbach, die anderen Betroffenen sind laut Dr. Luz in den Landkreisen Lichtenfels und Hof zu Hause.

Die Baustelle stehe derzeit still, erklären die Kulmbacher Behörden. Die meisten Menschen, die dort gearbeitet haben, seien bereits in Quarantäne, auch die Kontaktpersonen. Ob durch die Corona-Fälle nun ganze Firmen nicht mehr arbeiten können, sei dem Landratsamt nicht bekannt. Unter der Leitung des eingesetzten Architekturbüros seien mehrere Unternehmen dort tätig gewesen.

Die Baustelle in Mainleus sei derzeit der einzige Hotspot im Landkreis Kulmbach, sagte Oliver Hempfling, der Chef des Katastrophenstabs am Landratsamt. Das Problem: Alle festgestellten Fälle weisen nach einem ersten Screening den Verdacht auf eine Mutante auf. In inzwischen fünf Fällen sei dieser Verdacht bereits bestätigt. In 66 weiteren Fällen, die im Landkreis Kulmbach bekannt sind, gibt es inzwischen durch das Screening ebenfalls Hinweise darauf, dass die britische Variante des Corona-Virus verantwortlich für die Infektionen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Sequenzierung am Ende den Verdacht bestätigt, liege bei mehr als 90 Prozent, machte Amtsärztin Luz deutlich. Man müsse also damit rechnen, dass das „britische Virus“ inzwischen verantwortlich für rund 30 Prozent der aktuellen Infektionen im Landkreis ist.

Wegen der zunehmenden Verbreitung dieser als noch gefährlicher eingestuften Virus-Variante habe das Landratsamt am 9. Februar beschlossen, alle positiven Fälle der Sequenzierung zu unterziehen, sagt Oliver Hempfling. „Wir haben inzwischen nennenswert auch Mutationen bei uns. Wir müssen vorsichtig sein.“ Er sei sich im Klaren, dass die langen und zahlreichen Einschränkungen zur Zerreißprobe werden. „Aber wir müssen auch Verantwortung für andere übernehmen.“ mbu

 

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