Hymnen an ein Wahrzeichen Nicht das erste Wärschtlamo-Shanty

Wer sich im Netz umsieht merkt schnell: Der Hofer Wärschtlamo ist eine vielbesungene Figur – und das nicht erst seit dem jüngsten Shanty von Stadtheimatpfleger Leo Reichel und Harry Tröger. Bereits am Anfang des Jahres war ein anderer Hofer auf eine sehr ähnliche Idee gekommen. Und auch das ist nicht der erste Song über die markanten Wurstverkäufer.

Alexander Vietz hat bereits im Februar ein Wärtschlamo-Shanty verfasst. Foto: /Screenshot

Hof - Die Hofer Wärschtlamänner schippern heuer, im Jahr ihres 150. Jubiläums, auf einem Meer warmen Wurstwassers: Wie berichtet, hat jüngst der Hofer Stadtheimatpfleger Leo Reichel eine in Hofer Mundart umgedichtete Version des neuseeländischen Walfängerlieds „Soon may the Wellerman come“ veröffentlicht – als Loblied auf die Hofer Originale, die hinter ihren Messingkesseln bereitstehen, wenn hungrige Mägen sie brauchen. Am Mikro stand dafür kein Geringerer als der allseits beliebte Waldschrat-Frontmann Harry Tröger. Beste Voraussetzungen für einen echten Kultsong also. Die Klickzahl auf Youtube ist inzwischen auf über 6000 geschnellt.

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Doch halt! Einen Wärschtlamo-„Wellerman“ – gab es das nicht schon einmal? Tatsächlich! In einem Leserbrief an unsere Zeitung ruft Alexander Vietz, ebenfalls Hofer, seine Version wieder ins Gedächtnis, die sich, wie er schreibt, bereits zum Jahresbeginn „rasant über Facebook verbreitete und mittlerweile über 3600 Views verzeichnet“.

Weiter führt er aus: „Da ging es rein zufällig ebenfalls um den Hofer Wärschtlamo, zusätzlich um das angedachte neue Wärschtlamo-Logo und ein klein wenig Kritik am damaligen Stadtmarketing. Vorlage war das alte Seemannslied vom ‚Wellerman’, umgetextet auf Hofer Mundart. Sogar die Lokalpresse und der regionale Rundfunk hatten damals über den neuen ‚Hofer Wellerman’ berichtet.“

Das stimmt: Bereits im Februar hat unsere Zeitung anlässlich der hitzigen Debatte um das neue – und dann doch wieder alte – Wärschtlamo-Logo über den Videoclip geschrieben, der noch immer über den Facebook-Account von Vietz’ Frau zu sehen ist. „Kreativ zeigte sich zu dem Thema auch Alexander Vietz mit seiner Familie. Am Donnerstagabend saß der Hofer mit seiner Frau Katrin und seinem Sohn Nicolas am Abendbrottisch und entschied sich kurzerhand, die Thematik des Wärschtlamo-Logos und eine Internet-Challenge mit dem Titel ‚Sea Shanty – Wellerman’ miteinander zu verknüpfen“, hieß es in dem Artikel. Vietz erklärte: „Das war ein Feierabendgag. Es ging einfach mal darum, nicht über die Pandemie zu reden. Und es war auch als ein Lebenszeichen für die engsten Freunde gedacht.“

„Na so was? Zwei sich gegenseitig unbekannte Hofer haben denselben Gedanken, eben diesen Song in derselben Art und Weise für das gleiche Thema ‚Wärschtlamo’ umzudichten, und so weit weg von der Küste“, schreibt er nun in seinem Leserbrief. „Nur dass die eine Idee halt etwas früher im Umlauf war. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“

Nein, ein „Songwriter-Battle“ wolle er nicht anstoßen, auch keinen musikalischen Vergleich – der angesichts der unterschiedlichen Professionalitätslevel ohnehin kaum zielführend wäre: „Profis im Tonstudio gegen eine 60-minütige Session im heimischen Wohnzimmer (wohlgemerkt vom Umtexten über das Stimmen der alten Klampfe bis zum ‚Auftritt’ mit Kurzvideo).“

„Wenn Herr Reichel nun mit seiner eigenen, von ihm als Musikfan ‚selbst erfundenen’ Variation Werbung für unsere Heimatstadt machen kann, sei´s ihm vergönnt“, schreibt Vietz. „Trotzdem muss man konstatieren: Bei soviel Zufall, do wärscht verriggt.“

Sein Wärschtlamo-Shanty, quasi am Messingkessel abgekupfert? „Nee. Nix“, sagt Leo Reichel auf Nachfrage unserer Zeitung. Er kenne weder Alexander Vietz, noch kenne er „sein Produkt“.

Sicher ist: Die Idee, über den Hofer Wärschtlamo zu singen, war schon bei Shanty Nummer eins nicht neu. Bereits vor neun Jahren besang Alleinunterhalter Franz Rothenhagen die markanten mobilen Wurstverkäufer. „Unsra Hofer Wärschtlamänner“ heißt ein Song, den es seinerzeit sogar auf CD bei den Wärschtlamännern selbst zu kaufen gab. Darauf enthalten: fünf verschiedene Versionen des Loblieds, etwa als Steirische Polka, Discofox und Walzer. Der Erlös ging an „Hilfe für Nachbarn“, die Aktion, mit der Frankenpost und Sparkasse hilfsbedürftige Menschen in der Region unterstützen. Ein weiterer Wärschtlamo-Song Rothenhagens, „Die Hofer Wärschtla“, kommt rockig daher – mit an Status Quo erinnernder Boogie-Gitarre.

Die den Klickzahlen nach populärste Wärschtlamo-Hymne ist allerdings mit großem Abstand diejenige der beiden jungen Oberkotzauer, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Jahr 2013 unter dem Namen „deeroctopus“ formierten: „Call me Wärschtlamo“, nach Carly Rae Jepsens Chart-Hit „Call me maybe“. Fast 78 500 Klicks hat das launige Musikvideo mit tanzenden, mit den Deckeln ihrer Kessel klappernden oder auch verdutzt dreinblickenden Wärschtlamännern bereits generiert. Der Song solle zugleich den Lokalpatriotismus auf die Schippe nehmen und eine Liebeserklärung an die Region sein, erklärten die beiden Schöpfer damals unserer Zeitung. Ein Faible für Hofer Wurstwaren schlägt in ihrem Œuvre noch zwei weitere Male durch: Da gibt es den Song „Hofer Rindfleischwurst“ nach Psys koreanischem Tanzhit „Gangnam Style“ und eine Hommage an die Metzgerei Max nach AronChupas „I’m an Albatraoz“.