Im Egerland-Museum Die weite Welt der Krippenbauer

In einer Sonderausstellung zeigt das Egerland-Museum in Marktredwitz Krippenkunst aus der Region, aber auch aus fernen Ländern. Auf ein paar Highlights ist man besonders stolz.

Die Weihnachtszeit ist nicht nur eine besinnliche Zeit, sondern auch die Zeit der Krippen. Wie vielfältig die Krippen aus aller Welt aussehen können, zeigt nun eine Sonderausstellung des Egerland-Museums in Marktredwitz. „Begnadete Hände – Krippenschnitzer und Krippenbauer“ heißt die Ausstellung, die die Museumsbesucher ab sofort und bis zum 29. Januar 2023 bestaunen können. Denn beeindruckend sind die Krippen allemal.

Eines der Highlights der Ausstellung bilden die Königsberger Kastenkrippen. Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schnitzten in Königsberg einfache Bürger mit jenen begnadeten Händen die beeindruckenden Miniaturen aus sogenanntem Pfaffenhütchenholz, die dann ihren Platz in einer Kastenkrippe fanden. Das Egerland-Museum hat Kontakt zu den Nachfahren von Josef Dobner, einem Krippenschnitzer aus Königsberg, und kann deshalb zwei Krippen aus dem Familienbesitz zeigen.

Besonderes Highlight von Schweizer Sammler

Besonders stolz ist Museumsleiter Volker Dittmar darauf, den Schweizer Sammler Alfred Dünnenberger für die Ausstellung gewonnen zu haben. Dünnenberger hat selbst mit „viel Herzblut“, wie er selbst sagt, und aufwendigen Materialrecherchen eine Königsberger Kastenkrippe rekonstruiert. Bis vor zwei Jahren kannte der Schweizer die Königsberger Krippentradition noch nicht einmal, nun hat er sich darin verliebt. „Alfred Dünnenberger hat hier ein historisches Objekt erschaffen. Etwas, was sonst aktuell niemand macht. Seine Leihgabe ist etwas ganz Besonderes“, betont Volker Dittmar. Selbstverständlich seien aber alle Exponate der Sonderausstellung vielfältig und sehr sehenswert.

Exotisch sind die Ausstellungsstücke von Ulrich Frey aus Arzberg. Aus seinem Fundus und aus dem Weltladen Marktredwitz zeigt Frey Exponate aus aller Welt. Über Jahrzehnte hinweg sammelte der Arzberger Krippen und Krippenbilder aus Peru, Polen, Korea, Tansania und zahlreichen weiteren Ländern. „Für mich sind Krippen nicht ‚Friede, Freude, Eierkuchen’. Als schwangere Frau verzweifelt nach einem Ort zu suchen, an dem man sein Kind gebären kann, ist eine grausame Vorstellung“, sagt Ulrich Frey. Er scheut deshalb vor politischen Botschaften nicht zurück und baut dementsprechend auch Politiker und religiöse Persönlichkeiten als Figuren in die Krippenszenen ein. Die Krippe einer Krakauer Künstlerin, bei der auch Angela Merkel, Barack Obama und Donald Trump zu sehen sind, ist nur ein Beispiel, das in der Ausstellung zu sehen ist.

Auch Exponate aus der Region

Doch selbstverständlich stellt das Egerland-Museum nicht nur Stücke aus allen möglichen Ecken der Welt aus, sondern auch solche aus der Region. Nicht umsonst ist der Marktredwitzer Krippenweg ein immaterielles Kulturerbe in Bayern. Die Kripperer Albin Artmann und Kurt Rodehau stellen mit ihren Rawetzer Landschaftskrippen ihr handwerkliches Können unter Beweis. Ihre mehrere Quadratmeter großen Szenen erinnern ein wenig an das Miniaturwunderland in Hamburg: Je länger man hinsieht, desto mehr liebevolle Details entdeckt man. Wie viele Figuren Albin Artmann in seine 14 Quadratmeter große Landschaftskrippe eingebaut hat, kann er nicht genau sagen: „Ich habe sie nie gezählt. Ich baue die Figuren immer völlig nach meinem Gefühl ein – Hauptsache, es ist ein stimmiges Gesamtbild.“

Volker Dittmars besonderer Dank gilt allen Leihgebern, die ihre Krippen für die Sonderausstellung zur Verfügung stellen. Eine Anekdote dazu: Beim Aufbau ist dem Museumsleiter eine Ziegenbockfigur, geschnitzt von Hans Zölch aus Waldsassen, heruntergefallen. „Dabei hat sich der Ziegenbock wohl ein Bein gebrochen. Hans Zölch hat sich der Sache aber ohne zu zögern angenommen und die Figur so repariert, dass der Bruch absolut nicht mehr sichtbar ist. Da war ich schon sehr erleichtert“, erzählt Dittmar. Damit die Ausstellung im Egerland-Museum wirklich etwas Besonderes ist, hilft eben jeder gerne, wo er kann.

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