Im Landkreis Wunsiedel steht die Null Null !!!

Im Landkreis Wunsiedel ist die Sieben-Tage-Inzidenz auf null gesunken. Foto: dpa/Alissa Eckert/

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Wunsiedel sinkt auf 0,0. Ein Grund, übermütig zu werden, ist das allerdings nicht, meint der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Gerhard Fleißner.

Wunsiedel - Da fallen vielen Menschen buchstäblich Steinbrüche vom Herzen: Endlich ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Wunsiedel bei 0,0. Das heißt, in den vergangenen sieben Tagen hat das Gesundheitsamt keinen einzigen neuen Corona-Fall mehr registriert. Letztmals lag der Wert am 5. August 2020 bei einer glatten Null.

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass derzeit im Landkreis noch sechs Menschen an einer Corona-Erkrankung leiden. Im Klinikum Fichtelgebirge wird seit 4. Juni kein Corona-Patient mehr behandelt.

Stand Donnerstag haben das Impfteam des Impfzentrums und die Hausärzte zusammen 65 097 Impfungen verabreicht (davon 45 142 im Impfzentrum). Allein gestern sind im Impfzentrum 569 Menschen geimpft worden.

Über die Bedeutung der Null-Inzidenz sprachen wir mit dem Leiter des Wunsiedler Gesundheitsamtes, Dr. Gerhard Fleißner.

Herr Fleißner, der Landkreis Wunsiedel hat erstmals seit August vergangenen Jahres eine Sieben-Tage-Inzidenz von 0,0. Wie fühlen Sie sich?

Klar, das freut uns. Wir wissen aber, wozu das Virus in den letzten eineinhalb Jahren in der Lage war. Jetzt werden durch Lockerungen, Impfungen und Mutanten die Karten neu gemischt. Die Situation ist noch komplexer geworden.

Demnach sollen die Menschen vorsichtig bleiben?

Unbedingt, die aktuellen Lockerungen und das Auftreten von weiteren Mutationen können dazu führen, dass die Situation schnell wieder eine andere sein kann. Ein einziges Cluster kann die Lage verändern. Oder aber das Auftreten beispielsweise der extrem ansteckenden Delta-Mutante kann dazu führen, dass sich das Infektionsgeschehen schnell anders entwickelt. Wir haben ja bei der Alpha-Mutante im Winter erneut gesehen, wie schnell und auch wie hoch die Zahlen steigen können. Die Entwicklung in Großbritannien sollten wir sorgfältig beobachten und ernst nehmen. Ich kann also nur sagen: Vorsicht ist weiter geboten. Corona wird uns auch weiter begleiten, und unser gemeinsames Ziel muss es sein, eine erneute Ausbreitung der Infektion und einen weiteren Lockdown zu verhindern. Im Grunde haben wir es doch selbst in der Hand. Halten wir uns zurück, oder müssen wir die Grenzen des Erlaubten immer ausschöpfen oder gar missachten, weil wir unseren Beitrag für zu unbedeutend halten? Vor Letzterem möchte ich warnen.

Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für die guten Inzidenz-Werte?

Letztlich haben viele Faktoren dazu beigetragen. Ganz wichtig waren und sind natürlich die Impfungen. Zudem haben sich mittlerweile auch viele Menschen infiziert und dadurch eine Immunität aufgebaut. Entscheidend war aus meiner Sicht auch die lange Beibehaltung der Einschränkungen sowie die Disziplin und Mitarbeit der Bürger. Last but not least unser konsequentes Containment. Selbst in den „Hoch-Zeiten“ ist es uns täglich gelungen, alle Infizierten und ihre jeweiligen Kontaktpersonen zu kontaktieren und alle nötigen Maßnahmen in die Wege zu leiten. Auch die hohe Zahl an täglichen Tests zu dieser Zeit hat dazu beigetragen, Infektionen, die sonst vielleicht unerkannt geblieben wären, aufzudecken. Für das, was die Mitarbeiter des Landratsamtes – nicht nur des Gesundheitsamtes – in dieser Zeit geleistet haben, bin ich total dankbar.

Glauben Sie, dass die Bevölkerung irgendwann auch noch eine dritte oder vierte Corona-Impfung benötigt?

Zu dieser Frage muss die Datenlage abgewartet werden. Ernstzunehmende Fachleute ziehen eine Auffrischung in Betracht – einmal bezogen auf wichtige Mutationen. Dazu wissen wir noch nicht, wie lange die Immunität nach Erkrankung oder Impfung anhalten wird. Ob in der Zukunft regelmäßige Impfungen wie bei der Grippe für Risikogruppen, sinnvoll sind, muss erst recht abgewartet werden.

Wie viele Überstunden sind bei Ihnen eigentlich seit Beginn der Corona-Krise angefallen?

Reichlich. Aber nicht nur bei mir, sondern beim gesamten Team und auch bei den Kollegen in anderen Fachbereichen und natürlich auch bei vielen Mitarbeitern außerhalb unserer Führungsgruppe und außerhalb des Landratsamtes. Wenn man beispielsweise überlegt, was in den Kliniken, den Heimen, bei den Ärzten und auch andernorts geleistet wurde, dann stehen wir da gar nicht so gerne im Mittelpunkt. Aber man kann sagen, dass uns die Monate seit dem Ausbruch der Pandemie mehr als einmal an unsere Grenzen und darüber hinaus gebracht haben. Und das nicht nur zeitlich, sondern auch mental.

           Die Fragen stellte Matthias Bäumler

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